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Russische Grenzer öffnen die Tore für die weißen LKW.
Russische Grenzer öffnen die Tore für die weißen LKW.(Foto: AP)

Hilfskonvoi überquert Grenze: Kiew wirft Russland "direkte Invasion" vor

Ohne die Erlaubnis Kiews und des Roten Kreuzes abzuwarten, setzt sich der russische Hilfskonvoi für die Ostukraine in Bewegung. Die ukrainische Regierung reagiert empört. Sie sieht darin eine offene feindliche Handlung des Nachbarlandes.

Die ukrainische Regierung hat Moskau wegen des umstrittenen russischen Hilfskonvois eine "direkte Invasion" vorgeworfen. "Es handelt sich um Militärfahrzeuge unter dem zynischen Deckmantel des Roten Kreuzes", sagte der Chef des Inlandsgeheimdienstes SBU, Valentin Nalywajtschenko, laut der Nachrichtenagentur Interfax Ukraine.

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Die russische Regierung hatte ihren seit Tagen an der Grenze festsitzenden Hilfskonvoi zuvor ohne das Einverständnis Kiews und des Roten Kreuzes in die Ostukraine geschickt. Erste russische Lastwagen sind auf ukrainisches Staatsgebiet gefahren. Die Lastwagen stünden derzeit auf ukrainischem Territorium am Grenzübergang Iswarino, der von prorussischen Separatisten kontrolliert werde. Eine Sprecherin des Roten Kreuzes sagte der Agentur Interfax, die Organisation sei "kein Teil dieser Fahrzeugkolonne".

Zur Begründung der Grenzüberquerung ohne Genehmigung hatte zuvor das russische Außenministerium erklärt: "Wir ertragen die offenen Lügen und die Weigerung, eine Einigung zu erzielen, nicht länger - Russland hat beschlossen, zu handeln. Unser humanitärer Hilfskonvoi startet in Richtung Luhansk." Wegen offener Sicherheitsfragen hatte der Konvoi tagelang an der Grenze gestanden.

Heftige Kämpfe im Osten

Regierungstruppen und prorussische Separatisten lieferten sich indes erneut heftige Gefechte. Wie Armeesprecher Andrej Lyssenko in Kiew mitteilte, schossen die Separatisten in der Nähe von Luhansk einen Armeehubschrauber ab. Bei dem Angriff am Mittwoch sei die Besatzung des Helikopters vom Typ Mi-24 getötet worden, teilte die Armee nun mit. Die Städte Luhansk und Donezk sind seit Wochen heftig umkämpft zwischen ukrainischen Streitkräften und Aufständischen.

Nach Darstellung der Separatisten schossen diese sogar drei ukrainische Militärmaschinen ab. Die Aufständischen nehmen seit Wochen Flugzeuge der ukrainischen Luftwaffe ins Visier. Bei weiteren Kämpfen wurden nach Angaben des Sicherheitsrates in Kiew mindestens fünf Soldaten getötet. Die prorussischen Aufständischen in Donezk berichteten von starkem Artilleriebeschuss durch das Militär.

Entspannung sollen mehrere hochrangige Krisentreffen in den kommenden Tagen bringen. Kanzlerin Angela Merkel will am Samstag in Kiew mit dem ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko über mögliche Unterstützung sprechen. Militärische Hilfe schließt die Bundesregierung aus. Außenminister Pawel Klimkin forderte im Kölner "Express" einen "Marshall-Plan" für sein Land - nach dem Vorbild der US-Wirtschaftshilfe in Europa nach dem Zweiten Weltkrieg. Dabei könnte Deutschland eine führende Rolle spielen, sagte er.

Bei einem Treffen mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin will Poroschenko dann am kommenden Dienstag einen Rückzug der prorussischen Separatisten aus dem Osten des Landes fordern. "Ich bin überzeugt, dass es uns gelingen wird. Die Ukraine will Frieden", sagte Poroschenko. Für eine starke Verhandlungsposition sei die Einheit des Volkes und der Armee notwendig, sagte er.

Der russische Außenminister Sergej Lawrow und sein deutscher Kollege Frank-Walter Steinmeier sprachen nach Angaben aus Moskau in einem Telefonat über eine mögliche Waffenruhe. Für Wirbel sorgte eine Mitteilung des Sicherheitsrates in Kiew, Soldaten hätten bei Luhansk zwei russische Schützenpanzer erobert, in denen sie auch russische Dokumente gefunden haben sollen. Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums in Moskau wies dies nach einem Bericht der Agentur Itar-Tass zurück.

Quelle: n-tv.de

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