Politik

"Zeugnis christlichen Glaubens": Kirchen rufen zu Solidarität mit Schwachen auf

EKD-Ratschef Bedford-Strohm fordert anlässlich des Jahreswechsels mehr soziales Engagement. Der Mainzer Bischof Lehmann äußert sein Entsetzen über die Verbindung zwischen Gewalt und Missbrauch der Religion.

Heinrich Bedford-Strohm in der Münchner Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge (Archivbild).
Heinrich Bedford-Strohm in der Münchner Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge (Archivbild).(Foto: imago/epd)

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, hat zum Jahreswechsel zu mehr Solidarität und sozialem Engagement aufgerufen und den vielen ehrenamtlichen Helfern gedankt. "Solidarität mit den Schwachen ist uns Christen als Auftrag in die Wiege gelegt", erklärte er in Hannover. Diese Aufgabe bestehe unabhängig von jeder Nutzenberechnung.

"Soziales Engagement und aktive Teilhabe an den ethischen Debatten unserer Zeit sind keine evangelische Kür, sondern Zeugnis christlichen Glaubens", sagte Bedford-Strohm. "Sich bedingungslos angenommen zu fühlen, gehört zu den schönsten Dingen, die Menschen erfahren können." Der Beginn des neuen Jahres sei eine gute Gelegenheit, innezuhalten und über die eigenen Beziehungen nachzudenken.

Sein Dank gelte den vielen Ehrenamtlichen, die in der Flüchtlingsarbeit, den Besuchsdiensten in Krankenhäusern und Hospizen tätig seien, fügte der Ratsvorsitzende hinzu. Ein gutes gesellschaftliches Miteinander sei mehr denn je auf das Engagement aller ehrenamtlichen Helfer angewiesen.

Papst prangert Korruption an

In Rom rief Papst Franziskus in seinem Dankes-Gottesdienst zum Jahresende zu mehr Solidarität auf. In Anlehnung an den Mafia-Skandal in der italienischen Hauptstadt prangerte er Korruption und Ausbeutung von Bedürftigen an. "Es braucht eine große und tägliche Anstrengung christlicher Freiheit, den Mut zu haben, in unserer Stadt zu verkünden, dass wir die Armen schützen und nicht uns vor den Armen schützen müssen und dass wir den Schwachen dienen und uns nicht von den Schwachen bedienen lassen müssen", sagte der Pontifex.

Zugleich kreiste die Ansprache um das Thema Sklaverei. "Wir haben Angst vor der Freiheit und paradoxerweise ziehen wir unbewusst, mehr oder weniger, die Sklaverei vor", sagte das Oberhaupt der Katholiken. Bei der Vesper wurde - wie immer am Silvesterabend - das "Te Deum" als Dank für das zu Ende gehende Jahr gesungen. Dabei handelt es sich um einen feierlichen traditionellen Lob-, Dank- und Bittgesang (vom lateinischen "Te Deum laudamus" - "Dich Gott loben wir").

"Erbärmliche Zwerge" in Friedensfrage

Der Bischof von Mainz, Karl Kardinal Lehmann, forderte mit Blick auf Terror und Kriege mehr Solidarität. Es sei beschämend, wie untätig die Menschen etwa die Gewalt in Syrien hinnähmen, sagte der Lehmann in seiner Silvesterpredigt im Mainzer Dom.

Rainer Maria Woelki: "Wir verdienen an Rüstungsexporten."
Rainer Maria Woelki: "Wir verdienen an Rüstungsexporten."(Foto: dpa)

"Wir sind oft so stolz über unsere technischen Leistungen, darin wirklich oft Giganten, aber im Blick auf den Erhalt des Friedens sind wir erbärmliche Zwerge", betonte der ehemalige Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz. Entsetzlich sei auch die Verbindung zwischen Gewalt und dem Missbrauch von Religion beziehungsweise der Verachtung der Religionsfreiheit.

Kölns Erzbischof Rainer Maria Woelki macht die deutsche Rüstungsindustrie dafür mitverantwortlich, dass die Zahl der Flüchtlinge 2014 zugenommen hat. "Wir exportieren qualitätsvolle, zielgenaue und robuste Waffen in einem großen, noch nicht dagewesenen Umfang", sagte der Kardinal. "Circa 100.000 Deutsche arbeiten für den Export von Kriegsgütern. Wir verdienen daran. (...) Und wir wundern uns dann, wenn einige Opfer von Gewalt an unsere Türen klopfen?" Scharf kritisierte Woelki die gegen den Islam gerichteten "Pegida"- Demonstrationen. "Das Abendland verteidigen wir nicht, indem wir die Schotten dicht machen."

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen