Politik
Die Forscher stellten erneut ein erhebliches Ost-West-Gefälle fest.
Die Forscher stellten erneut ein erhebliches Ost-West-Gefälle fest.(Foto: dpa)
Montag, 28. August 2017

Betreuungsschlüssel verbessert: Kita-Qualität hängt stark vom Wohnort ab

Ob Kinder in Kitas gut betreut werden, hängt unter anderem davon ab, um wie viele Kinder sich die Erzieher gleichzeitig kümmern müssen. Einer Auswertung der Bertelsmann Stiftung zeigt: Die Betreuungsqualität unterliegt extremen regionalen Unterschieden.

Die Qualität der Kinderbetreuung nimmt im bundesweiten Durchschnitt zu, ist jedoch noch immer stark vom Wohnort abhängig. Das ist das Ergebnis einer Studie der Bertelsmann Stiftung. Demnach kommen auf einen Erzieher in Vollzeit zum Stichtag 1. März 2016 4,3 ganztags betreute Unter-Dreijährige in Kindertagesstätten. Vier Jahre zuvor lag der Schlüssel noch bei 1:4,8. In Kindergärten, also Einrichtungen für Kinder ab drei Jahren, verbesserte sich der Wert von 9,8 auf 9,2 Kinder pro Fachkraft.

Die Auswertung der Personalschlüssel in allen 402 Kreise und kreisfreien Städten ergibt ein uneinheitliches Bild. Mitunter unterscheidet sich die Betreuungsqualität innerhalb einzelner Bundesländer stark. So gibt es etwa in Bayern Kreise, in denen auf ein Erzieher nur 2,7 Kita-Kinder kommen, in anderen betreut eine Fachkraft 5,0 Kinder.

Ähnlich differenziert ist das Bild bei Kindergartenkindern: In Baden-Württemberg liegt der Schlüssel in einigen Kreisen bei 1:6,1. Schlusslichter sind einzelne Kreise in Mecklenburg-Vorpommern, in denen ein Erzieher auf bis zu 14,3 Kinder aufpasst.

Stiftungsvorstand fordert einheitliche Standards

Erkennbar ist der Studie zufolge ein deutliches Ost-West-Gefälle. In westdeutschen Einrichtungen kümmern sich Erzieher im Schnitt um fast halb so viele Krippenkinder wie in ostdeutschen Einrichtungen. Grund ist womöglich die höhere Betreuungsquote: 52 Prozent aller Unterdreijährigen besuchen in Ostdeutschland eine Kita, im Westen sind es nur 28 Prozent. Bei den Kindern ab drei Jahren ist das Gefälle nicht so stark: Im Westen kommen 8,5, im Osten 12,2 Kinder auf eine Fachkraft.

Der Vorstand der Bertelsmann Stiftung, Jörg Dräger, kritisierte den Befund: "Die Bildungschancen von Kindern hängen heute erheblich von ihrem Wohnort ab. Wir brauchen verlässliche Kita-Qualität in ganz Deutschland." Er fordert bundeseinheitliche Standards. Ein "qualitätssichernder Personalschlüssel" liege in Kitas bei 1:3, in Kindergärten bei 1:7,5. Dazu müssten 107.200 Vollzeit-Erzieher rekrutiert und 4,9 Milliarden Euro bereitgestellt werden.

Zahlen des Statistischen Bundesamts zufolge steigt der Anteil der Kinder unter drei Jahren, die in Krippen betreut werden, in den vergangenen beiden Jahren extrem an. Seit August 2013 gibt es einen bundesweiten Rechtsanspruch auf einen Kitaplatz für Kinder ab einem Jahr.

Wie sind die Verhältnisse an Ihrem Wohnort? Diskutieren Sie mit auf Facebook.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen