Politik

Katholische Krankenhäuser in der Kritik: Kliniken weisen Vergewaltigte ab

Eine junge Frau wird in Köln nach der Verabreichung von K.o.-Tropfen vergewaltigt. Als sie wieder zu sich kommt, vertraut sie sich einer Notärztin an, die das Opfer in ein Krankenhaus überweist. Dort sollen Tatspuren gesichert und der Frau die "Pille danach" verabreicht werden. Zwei katholische Kliniken weisen die Frau ab.

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Eine vergewaltigte Frau soll in Köln an katholischen Krankenhäusern unter anderem deshalb abgewiesen worden sein, weil sie die "Pille danach" bekommen sollte. Wie der "Kölner Stadt-Anzeiger" berichtet, war die 25-Jährige bei einer Party vermutlich mit K.o.-Tropfen betäubt worden und später auf einer Parkbank zu sich gekommen. Eine Notärztin habe eine Vergewaltigung nicht ausschließen können und die beiden Kliniken gebeten, mögliche Tatspuren gerichtsverwertbar zu sichern.

Außerdem wurde der Frau die "Pille danach" verschrieben, die eine Schwangerschaft verhindert, auch wenn vor dem Geschlechtsverkehr keine Verhütungsmittel genommen wurden. Die beiden Krankenhäuser hätten selbst die Spurensicherung abgelehnt, schreibt der "Kölner Stadt-Anzeiger".

Die Behandlung der jungen Frau wurde mit der Begründung abgewiesen, dass die gynäkologischen Untersuchungen zur Beweissicherung seit zwei Monaten untersagt seien, weil damit ein Beratungsgespräch über eine mögliche Schwangerschaft und deren Abbruch sowie das Verschreiben der "Pille danach" verbunden seien. Ärzte, sich die dieser Regelung widersetzten, müssten mit fristloser Kündigung rechnen.

Auch der Hinweis, dass die Beratung bereits erfolgt und die Pille schon verschrieben sei, hat nach Angaben der Notärztin nicht zum Einlenken der Kliniken geführt. Schließlich habe man sich an ein anderes Krankenhaus wenden müssen.

Donum Vitae spricht von Skandal

Die von katholischen Laien gegründete Schwangerenberatung Donum Vitae sprach im "Kölner Stadtanzeiger" von einem Skandal. Es sei Pflicht von Krankenhäusern, Vergewaltigungsopfern jede Hilfe zukommen zu lassen.

Ein Sprecher der Kölner Polizei sagte über das Vergewaltigungsopfer: "Wir kennen den Fall und die Frau." Die erforderlichen Untersuchungen seien später in einem anderen Krankenhaus erfolgt. Einzelheiten wollte der Sprecher nicht nennen.

Ein Sprecher der Stiftung der Cellitinnen zur hl. Maria, zu der die beiden Krankenhäuser gehören, konnte zunächst nicht bestätigen, dass das Vergewaltigungsopfer tatsächlich abgewiesen wurde.  Die Stiftung wirbt auf ihrer Internetseite mit dem Leitwort "Der Mensch ist in guten Händen". Sie verweist darauf, dass man in jedem ihrer Krankenhäuser eine ganzheitliche und auf die persönlichen Wünsche ausgerichtete Versorgung, Pflege und Betreuung anbiete.

Quelle: n-tv.de

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