Köhler richtet zu Weihnachten das Wort an die Menschen in Deutschland.
Donnerstag, 24. Dezember 2009
Amoklauf, Finanzkrise, Afghanistan: Köhler mahnt zur Achtsamkeit
Angesichts des Amoklaufs von Winnenden und des Münchner S-Bahn-Mords mahnt Bundespräsident Horst Köhler zum Jahresausklang eine "Kultur der Achtsamkeit" an. "Wir haben in diesem Jahr Taten erlebt, die uns an die Grenze des Verstehbaren geführt haben", sagt Köhler in seiner Weihnachtsansprache, die am ersten Weihnachtsfeiertag ausgestrahlt wird. Diese Vorfälle seien aber auch eine Aufforderung: "Die Aufforderung, nachzudenken über uns selbst und wie wir zusammenleben."
Im baden-württembergischen Winnenden und im benachbarten Wendlingen hatte ein 17-Jähriger im März 15 Menschen und anschließend sich selbst getötet. Im September wurde an einem Münchner S-Bahnhof der 50-jährige Dominik Brunner von jugendlichen Schlägern zu Tode geprügelt, nachdem er sich schützend vor einige Kinder gestellt hatte. Solche unerwarteten Gewaltausbrüche führen nach Köhlers Worten zu der verstörenden Frage, ob man im Vorfeld achtsam genug gewesen sei. "In uns nagt das Gefühl, dass wir etwas Wichtiges übersehen haben müssen bei der Art, wie wir zusammenleben."
"Geld muss Menschen dienen"
Zur Achtsamkeit gehöre aber auch der Einsatz für eine gerechte Weltordnung, sagt Köhler und ruft die Verantwortlichen der Finanzkrise zur "Einkehr" auf: "Wir haben gerade erlebt, dass Maßlosigkeit bei Finanzakteuren und Mängel bei der staatlichen Aufsicht die Welt in eine tiefe Krise gestürzt haben." Vor diesem Hintergrund mahnt das Staatsoberhaupt mehr "Ehrbarkeit" in der Finanzwirtschaft an: "Wir brauchen das Verständnis dafür, dass Geld den Menschen dienen muss und sie nicht beherrschen darf."
In seiner Ansprache fordert der Bundespräsident ferner "eine Politik, die über den Tag hinaus denkt und handelt", sowie einen verantwortungsvolleren Umgang mit der Umwelt. "Wenn wir wollen, dass unsere Erde - und wir haben nur die eine - auch morgen noch eine gastliche Heimat sein soll, dann müssen wir achtsamer mit den natürlichen Lebensgrundlagen umgehen." Das bedeute, bewusster zu leben.
Ausdrücklich würdigt Köhler den Einsatz der deutschen Soldaten in Afghanistan. Zur gegenseitigen Achtsamkeit gehöre auch, sich klarzumachen, was der Dienst am Hindukusch bedeute. "Meine guten Wünsche sind bei ihnen und auch bei den Landsleuten, die sich fern der Heimat im Dienst der Polizei oder der Hilfsorganisationen für Sicherheit und friedlichen Aufbau einsetzen."
dpa
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