Sonntag, 25. Juli 2010
Streit um Bundeswehr-Ausrüstung: Königshaus knickt nicht ein
Der Wehrbeauftragte Königshaus bleibt auch nach der Zurechtweisung durch Verteidigungsminister Guttenberg bei seiner Kritik an der „dramatisch“ schlechten Versorgung und Ausstattung bei der Bundeswehr in Afghanistan. Guttenbergs Vorwurf der Maßlosigkeit schmettert Königshaus ab: Auch ein Minister müsse Kritik aushalten können.
Auf dem Truppenübungsplatz in Lübtheen (Mecklenburg-Vorpommern) soll unter realitätsnahen Bedingungen für Auslandseinsätze geübt werden.
(Foto: picture alliance / dpa)
Der Wehrbeauftragte Hellmut Königshaus lässt sich von Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) nicht in die Schranken weisen. Der FDP-Politiker bleibt bei seiner deutlichen Kritik an der Ausrüstung der Bundeswehr in Afghanistan, obwohl Guttenberg die Vorwürfe als maßlos kritisiert hatte.
„Ich habe nicht die Absicht einzuknicken“, sagte er. Auch ein Minister müsse in der Lage sein, Kritik auszuhalten. „Ich habe mich nirgendwo maßlos geäußert, zu keinem Zeitpunkt.“
Der 59-jährige Jurist Königshaus (Foto: im Bundestag) wurde im März zum neuen Wehrbeauftragten gewählt.
(Foto: picture alliance / dpa)
Auch die Verwendung des Begriffs „Drama“ für einige Versorgungs- und Ausstattungsbereiche verteidigte Königshaus. „Es ist eben auch ein Drama, dass wir hier nach acht Jahren immer noch in einer solchen Situation sind.“
Königshaus bekräftigte, dass es zu wenig Übungsmunition gebe. Das führe dazu, dass sich die Soldaten nicht ausreichend auf Gefechte vorbereiten könnten. Auch von seiner Kritik an der Sicherung der Sanitätsfahrzeuge nahm Königshaus nichts zurück. Es würden weiterhin Fahrzeuge vom Typ „Yak“ eingesetzt, die „für diejenigen, die damit fahren, ein Risiko“ darstellten. Die weitaus besser geschützten „Dingo II“ könnten wegen unangemessener Zulassungsnormen dagegen nicht eingesetzt werden.
Guttenberg auf dem Flug in das Feldlager der Bundeswehr in Kundus: Der Verteidigungsminister hat einen gutren Ruf bei der Truppe.
(Foto: picture alliance / dpa)
Guttenberg hatte zuvor in der „Süddeutschen Zeitung“ gesagt, er sei für jeden Hinweis dankbar, „wenn man dabei gleichzeitig das Maß behält“. Der Wehrbeauftragte habe mit seiner Kritik nicht zum ersten Mal „falsch gelegen“. Damit spielte er auf die Forderung des FDP-Politikers an, „Leopard“-Kampfpanzer nach Afghanistan zu schicken. Dafür hatte der Wehrbeauftragte scharfe Kritik sogar von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) einstecken müssen, die ihm Inkompetenz vorwarf. Guttenberg warf Königshaus vor, Verbesserungen bei der Ausrüstung außer Acht zu lassen. „Wir verwenden im Einsatz deutlich mehr geschützte Fahrzeuge - auch im Bereich des Sanitätsdienstes“, sagte er.
In einem Interview der „Sächsischen Zeitung“ hatte Königshaus kritisiert, dass Einsatzfahrzeuge unzureichend geschützt seien, Munition fehle und sogar Verpflegung und Unterbringung mangelhaft seien. „Das alles ist einfach ein Drama, und das demotiviert die Leute natürlich schon sehr.“
dpa
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