Politik

Besuch in Oggersheim hat FDP nichts gebrachtKohl wirbt für die "Merkel-Stimme"

17.09.2013, 15:20 Uhr

Vor einer Woche sah es so aus, als habe die Leihstimmenkampagne der FDP in Altkanzler Kohl einen prominenten Befürworter. Doch nun wirbt Kohl dafür, beide Stimmen der Union zu geben.

Altkanzler Helmut Kohl unterstützt die offizielle Linie seiner Partei zur Bundestagswahl: "Machen auch Sie am 22. September beide Kreuze auf dem Stimmzettel bei der CDU!", sagt er in einem Wahlkampfvideo der Hamburger CDU, das an diesem Dienstag veröffentlicht wurde.

Die FDP setzt nach ihrer Schlappe bei der Bayern-Wahl auf Leihstimmen von CDU-Wählern; Kohl hatte eine solche Strategie in seiner Zeit als Bundeskanzler teils toleriert, teils sogar unterstützt. Nach dem Trauma von Niedersachsen Anfang des Jahres hat sich die Union allerdings sehr deutlich gegen eine Zweitstimmenkampagne zugunsten der Liberalen ausgesprochen.

"Wir möchten gerne die Koalition fortsetzen, aber die CDU hat keine Stimme zu verschenken", sagte CDU-Chefin Angela Merkel am Montagabend bei einer Wahlkampfveranstaltung in der brandenburgischen Landeshauptstadt Potsdam. Zweitstimme sei "Merkel-Stimme", lautet die Sprachregelung der Union. Vor der Niedersachsen-Wahl hatten Meinungsforschungsinstitute die FDP bei oder unter 5 Prozent gesehen, tatsächlich bekam sie jedoch knapp 10 Prozent. Dafür schnitt die CDU deutlich schlechter ab als erwartet. Der Wahlsieg fiel am Ende an SPD und Grüne.

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Brüderle und Rösler in Kohls Garten in Oggersheim. (Foto: picture alliance / dpa)

Erst am Montag der vergangenen Woche hatte Kohl FDP-Spitzenkandidat Rainer Brüderle und FDP-Chef Philipp Rösler in seinem Haus in Ludwigshafen empfangen. Die "Bild"-Zeitung berichtete ausführlich über das Treffen "bei spätsommerlichem Wetter und selbst gebackenem Pflaumen- und Blaubeerkuchen".

Die drei seien einig gewesen, so die "Bild"-Zeitung, dass die Wähler überzeugt werden müssten, "dass die bürgerliche Koalition aus CDU/CSU und FDP fortgesetzt werde". Allgemein war dies als private Zweitstimmenkampagne des Altkanzlers aufgefasst worden, die vielleicht auch durch das gespannte Verhältnis zwischen Kohl und Merkel motiviert gewesen sein könnte.

Im Video der Hamburger CDU treten vor Kohl weitere Politiker und Prominente auf, die für die CDU werben. Kohl selbst spricht nicht, sein Satz ist als Zitat eingeblendet. Ein Zusatz erklärt, dass der Spruch "im September 2013" gefallen sei.

Quelle: ntv.de, hvo