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Sicherheitskräfte in Hannover.
Sicherheitskräfte in Hannover.(Foto: AP)

DFB-Spiel wegen Terrorgefahr abgesagt: "Konkrete Gefahrenlage in ganz Hannover"

Nach der Absage des Testspiels der DFB-Elf gegen Holland herrscht laut Hannovers Polizeichef eine "konkrete Gefahrenlage" in der ganzen Stadt. Grund sind ernstzunehmende Hinweise auf ein geplantes Sprengstoff-Attentat im Stadion. Die Polizei wird die ganze Nacht hindurch präsent sein.

Vier Tage nach der Terrorserie in Paris ist das Fußball-Testspiel zwischen Deutschland und den Niederlanden in Hannover wegen der Gefahr eines Sprengstoff-Anschlags kurzfristig abgesagt worden. "Wir haben konkrete Hinweise gehabt, dass jemand im Stadion einen Sprengsatz zünden wollte", sagte Hannovers Polizeipräsident Volker Kluwe.

Inzwischen spricht Kluwe von einer "konkreten Gefahrenlage in ganz Hannover". Er riet den Bewohnern der Stadt, zu Hause zu bleiben. Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD) sagte, die Einsatzkräfte würden in Hannover die ganze Nacht verstärkt Präsenz zeigen.

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Laut Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) ist die Spielabsage "aus Gründen des Schutzes der Bevölkerung" erfolgt. Nähere Angaben machte der Minister nicht. "Die Hinweise auf die Gefährdung des heutigen Fußballspiels haben sich im Laufe des Abends so verdichtet, dass wir nach Abwägung dringend empfohlen haben, dieses Länderspiel abzusagen", sagte de Maizière. "Die Quelle und das Ausmaß der Gefährdung" wollte er "nicht weiter kommentieren".

Pistorius sagte, bislang habe es keine Festnahmen gegeben. Es wurde auch kein Sprengstoff gefunden. Die Gerüchte über einen Krankenwagen, der mit Sprengstoff versehen gewesen sein soll, bestätigte er nicht.

Hinweise aus dem Ausland

Die "Bild"-Zeitung meldet, dass die deutschen Sicherheitsbehörden mehrere Hinweise auf Anschlagspläne bekommen hätten. Zunächst hieß es demnach, dass eine Gruppe um einen namentlich bekannten Nordafrikaner einen Anschlag planen könne. Es sei konkret von Sprengmitteln, Sprengstoffgürteln, automatischen Waffen und Sprengsätzen an den Zufahrtswegen die Rede gewesen. Dann habe der französische Geheimdienst auf einen irakischen Schläfer hingewiesen, der einen Anschlag auf das Freundschaftsspiel geplant haben solle. Die Deutsche Presse-Agentur berichtet unter Berufung auf Sicherheitskreise ebenfalls von Hinweisen durch einen ausländischen Geheimdienst auf einen drohenden islamistischen Anschlag.

DFB-Interimspräsident Reinhard Rauball zeigte "großen Respekt"  vor der Absage: "Der Schutz der Menschen muss höchste Priorität haben." Er erklärte aber auch, es sei "ein trauriger Tag für Deutschland und den deutschen Fußball". Sein Eindruck sei, dass der Fußball in Deutschland mit dem heutigen Tagen in vielen Facetten eine andere Wende bekommen hat". "Es fühlt sich an wie eine Niederlage, aber die Sicherheit der Zuschauer und Spieler geht natürlich vor", sagte die niederländische Sportministerin Edith Schippers im niederländischen Rundfunk. (zu weiteren Reaktionen)

"Zügig, aber ohne Panik nach Hause"

Die Menschen im Stadion wirkten nach der Spielabsage nervös, aber kontrolliert.
Die Menschen im Stadion wirkten nach der Spielabsage nervös, aber kontrolliert.(Foto: dpa)

Die Polizei war bereits direkt nach der Absage des Spiels mit unzähligen Mannschaftswagen vorgefahren, das Gebiet ist nach Angaben von Augenzeugen weiträumig abgesperrt worden. Vermummte und schwer bewaffnete Einsatzkräften rannten in das Stadion. Die Besucher vor dem Stadion hatten das Gebiet zügig verlassen.

Bei der Spielabsage um 19.14 Uhr, gut anderthalb Stunden vor dem geplanten Anpfiff um 20.45 Uhr, hatte die Polizei von Hannover zunächst keine Begründung genannt. Die wenigen Zuschauer, die sich zu diesem Zeitpunkt bereits im Stadion befanden, wurden lediglich gebeten, sich "zügig, aber ohne Panik nach Hause" zu begeben.

n-tv.de Reporter Stefan Giannakoulis berichtete unmittelbar nach der Spielabsage aus dem Stadion von einer nervösen Stimmung. In der Stadt seien Martinshörner zu hören. Trotzdem lief die Evakuierung des Stadions weitgehend geordnet, die Zuschauer wurden aus der Arena geführt. Dennoch: Das Trotzspiel wurde zum Schockspiel, berichtete er aus Hannover. Erste Informationen, wonach sich Bundeskanzlerin Angela Merkel bereits im Stadion befunden haben soll, bestätigten sich nicht. Neben Merkel hatten auch andere hochrangige Politiker ihr Kommen angekündigt.

DFB-Team noch nicht im Stadion

Die deutsche Nationalmannschaft war zum Zeitpunkt der Absage auf dem Weg zur Arena, kehrte dann aber um. Nationalmannschafts-Sprecher Jens Grittner twitterte, die Mannschaft sei von der Polizei aufgehalten und zu einem sicheren Ort umgeleitet worden. Später kehrte der Teambus kurz ins Teamhotel nach Barsinghausen zurück. Die Spieler holten ihre Sachen und brachen umgehend Richtung Heimat auf.

Das Team von Bundestrainer Joachim Löw hatte am vergangenen Freitag die Ereignisse in Paris miterlebt. Am Rande des Länderspiels gegen Frankreich hatten Selbstmordattentäter Bomben vor dem Stade de France gezündet und zuvor offenbar auch versucht, ins Stadion einzudringen. Das DFB-Team hatte die Nacht im Stadion verbracht und war dann nach Frankfurt ausgeflogen worden.

Wie erst heute bekannt wurde, hatte sich die Mannschaft zunächst gegen das Freundschaftsspiel in Hannover ausgesprochen. Erst nach einigem Zögern entschloss sich die Löw-Mannschaft schließlich, zur Partie gegen die Niederländer anzutreten. Das Spiel sollte ein Signal gegen Fanatismus und Extremismus setzen.

Stadion kurzzeitig abgeriegelt

Zuvor war am frühen Abend bereits ein verdächtiger Gegenstand in Stadionnähe entdeckt worden. Daraufhin wurden die Zufahrten zur Arena kurzzeitig gesperrt. Nach einer halben Stunde konnten die Einsatzkräfte aber um kurz vor 18.30 Uhr Entwarnung geben. Nach übereinstimmenden Berichten mehrerer Medien soll ein herrenloser Koffer die Aufregung verursacht haben.

Rund um das geplante Freundschaftsspiel herrschte in Hannover die höchste Sicherheitsstufe mit extrem strengen Kontrollen. Nach den Anschlägen von Paris hat die Polizei ihre Präsenz vor Ort stark erhöht. In der Stadt patrouillieren zahlreiche bewaffnete Einsatzkräfte mit Maschinenpistolen. Neben sehr strengen Einlasskontrollen wurde auch das Stadion selbst äußerst gründlich geprüft. Vor der Öffnung des Stadions für die Fans um 18.45 Uhr prüften Sicherheitskräfte jeden einzelnen Sitz. Im und ums Stadion waren mehrere Einheiten der Spezialeinheit GSG 9 stationiert.

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Quelle: n-tv.de

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