Politik

Landtagswahl im Ländle: Kretschmann siegt in Baden-Württemberg

Die Grünen sind stärkste Kraft in Baden-Württemberg. Dies ergibt das vorläufige amtliche Endergebnis. Doch die Regierungsbildung wird angesichts einer dramatisch schwächelnden SPD schwer. Erklärt sich die CDU bereit, den Grünen als Juniorpartner zu dienen?

30,3 Prozent für die Grünen: Winfried Kretschmann gewinnt mit seiner Ökopartei die Landtagswahlen in Baden-Württemberg. Das ergebt das vorläufige amtliche Endergebnis. Der 67-Jährige kann auf eine zweite Amtszeit hoffen, doch sicher ist das angesichts einer schwächelnden SPD nicht. Die Sozialdemokraten kommen demnach nur auf 12,7 Prozent.

Zweitstärkste Kraft ist die CDU - mit 27 Prozent. Die Christdemokraten fahren damit allerdings das schlechteste Ergebnis in ihrer Geschichte ein.

Erstmals wird die AfD in den Landtag einziehen - mit 15,1 Prozent. Während die Linke mit 2,9 Prozent deutlich an der Fünf-Prozent-Hürde scheitert, kommt die FDP mit 8,3 Prozent erneut in das Landesparlament.

Im neuen Landtag verfügen die Grünen über 47 Sitze, die CDU kommt auf 42 Mandate. Die SPD ist mit 19 Abgeordneten vertreten, die AfD erhält 23 Sitze, die FDP stellt 12 Vertreter.

Strahlender Schwan und gerupftes Huhn

"Die Baden-Württemberger haben noch Mal Geschichte geschrieben und die Grünen zur stärksten Kraft im Lande gemacht", sagte Kretschmann kurz nach der Veröffentlichung der ersten Hochrechnung. "Ich sehe in diesem Wahlergebnis den Auftrag, erneut die Landesregierung von Baden-Württemberg zu bilden und weiter den Ministerpräsidenten zu stellen."

Ministerpräsident Kretschmann: "Die Baden-Württemberger haben noch Mal Geschichte geschrieben und die Grünen zur stärksten Kraft im Lande gemacht."
Ministerpräsident Kretschmann: "Die Baden-Württemberger haben noch Mal Geschichte geschrieben und die Grünen zur stärksten Kraft im Lande gemacht."(Foto: REUTERS)

Die stellvertretende Landesvorsitzende der SPD, Leni Breymaier, gab sich eher zerknirscht. "Der eine Koalitionspartner geht als strahlender Schwan heraus, der andere als gerupftes Huhn", sagte sie in der ARD.

Sollten sich die ersten Prognosen bestätigen, wird die Regierungsbildung nicht einfach. Rechnerisch möglich wäre eine Grün-Schwarze Koalition - ein Novum in der Geschichte der Bundesrepublik. CDU Spitzenkandidat Guido Wolf hat in einem Interview kurz vor der Wahl aber gesagt, dass seine Partei als Juniorpartner nicht zur Verfügung stehe. Doch bereits in der letzten TV-Debatte vor dem Wahltag drückte er sich deutlich vorsichtiger aus. Nach den ersten Hochrechnungen sagte er dann: "Jetzt gilt es, Verantwortung zu übernehmen für unser Land." Er sagte zu, mit allen Parteien außer der AfD in Verhandlungen zu treten. "Die CDU hat die Absicht, in Baden-Württemberg wieder Regierungsverantwortung zu übernehmen, und das Wahlergebnis bietet die Möglichkeit, wieder Regierungsverantwortung zu übernehmen." Vor dem Wahltag hieß es im Ländle wiederholt, dass die Union bereit wäre, Wolf zur Not zu opfern, um mitregieren zu können.

Triumph des präsidialen Pragmatikers

Der Triumph Kretschmanns zeichnete sich in den vergangenen Wochen immer deutlicher ab. Die Beliebtheitswerte des Ministerpräsidenten waren beispiellos. Während vor allem die Wirtschaft zu Beginn seiner ersten Amtszeit fürchtete, er könnte dem Land durch allzu ideologische Politik schaden, überwiegt mittlerweile klar die Zufriedenheit. Kretschmann punktete mit einer präsidialen Rhetorik und einer ausgesprochen pragmatischen Politik - insbesondere für einen Grünen. In der eigenen Partei eckte er damit dafür immer wieder an.

Nachdem Kretschmann bereits der erste grüne Ministerpräsident wurde, hat er es nun geschafft, die Grünen erstmals zur stärksten Kraft in einem Landtag in Deutschland zu machen. Wähler gewannen seine Grünen diesmal vor allem von der SPD. Vor allem ältere Wähler konnte sie der Union abspenstig machen. Den Grünen gelang es zudem, viele Nichtwähler zu mobilisieren.

Vor Kretschmann war Baden-Württemberg eine Hochburg der CDU. Die Union stellte von 1953 bis 2011 ununterbrochen den Ministerpräsidenten. Bei dieser Landtagswahl waren 7,7 Millionen Menschen im Ländle wahlberechtigt. Die Wahlbeteiligung war mit 72 Prozent deutlich höher als bei der Wahl 2011.

Quelle: n-tv.de

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