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Flüchtlinge treffen aus Serbien kommend im kroatischen Strosinci ein.
Flüchtlinge treffen aus Serbien kommend im kroatischen Strosinci ein.(Foto: imago/Pixsell)

Keine Entspannung in Sicht: Kroatien vermeldet Flüchtlingsrekord

Die Flüchtlinge ziehen weiter zu Tausenden durch die Balkanregion gen Westen. Ungarn stoppt einstweilen ein Zaun-Projekt an der slowenischen Grenze. Die Regierung Orbán will mit den Nachbarn über die Grenzsicherung verhandeln.

Schwierige Situation in Kroatien: Allein am Freitag seien fast 10.000 neue Flüchtlinge im Land angekommen, teilte das Innenministerium am Samstag in Zagreb mit. Dies sei ein neuer Tagesrekord. Und der Flüchtlingsstrom ebbt nicht ab. Seit die Flüchtlinge vor zehn Tagen erstmals Kroatien als Transitland wählten, seien es 65.000 Menschen gewesen, hieß es weiter. Fast alle werden mit Bussen und Zügen an die ungarische Grenze gebracht, von wo sie laut Medienberichten von ungarischen Behörden nach Österreich weitergeleitet werden.

Ungarn hat unterdessen den Zaunbau an der slowenischen Grenze vorläufig gestoppt. Das Innenministerium in Budapest erklärte, dieses am Donnerstag unangekündigt begonnene Projekt sei nur ein Versuch gewesen. Ministerpräsident Viktor Orbán hatte bereits gesagt, ein solcher Zaun sei problematisch, weil Slowenien wie Ungarn zum grenzkontrollfreien Schengen-Raum gehöre. Hingegen hält Budapest einen Zaun an der kroatischen Grenze für legitim, weil das EU-Land Kroatien nicht zum Schengen-Raum gehöre. Ungarn will nun mit Kroatien und Slowenien über die Grenzsicherung verhandeln.

Zugleich kritisierte Ungarns Außenminister Peter Szijjarto erneut das Nachbarland Kroatien. Zagreb habe "Grund zur Bescheidenheit", zumal das Land bewiesen habe, dass es mit den Flüchtlingen nicht zurechtkomme. Der Minister reagierte damit auf Kritik des kroatischen Ministerpräsidenten Zoran Milanovic an den ungarischen Zaunbau-Plänen.

Auch zwischen Serbien und Kroatien blieb das Klima vergiftet, obwohl die Zagreber Regierung zwei zuvor blockierte Grenzübergänge nach Serbien auf Druck der EU wieder geöffnet hatte. Serbische Zeitungen werteten dies als Niederlage Kroatiens. Das serbische Boulevardblatt "Informer" setzte die Zagreber Regierung sogar mit dem früheren faschistischen Ustasa-Regime gleich.

"Das bulgarische Volk ist verschreckt"

Derweil sprach sich die bulgarisch-orthodoxe Kirche gegen die Aufnahme weiterer Flüchtlinge aus. "Wir helfen Flüchtlingen, die schon in unserem Heimatland angekommen sind, aber die Regierung soll auf keinen Fall mehr Flüchtlinge hereinlassen", heißt es in einer Erklärung der Kirche. Der aktuelle Andrang von Flüchtlingen sei "eine Welle, die nach einer Invasion aussieht". Die Probleme in den Ursprungsländern müssten von deren Verursachern gelöst werden, und die Bulgaren dürften nicht den Preis "durch ihr Verschwinden" zahlen.

Die meisten Flüchtlinge auf dem Weg nach Europa überqueren nicht die bulgarischen Grenzen, sondern gelangen über Mazedonien und Serbien in die Europäische Union. Allerdings gab es auch Flüchtlinge, etwa aus dem Irak, Syrien und Afghanistan, die von der Türkei nach Bulgarien kamen.

Bulgariens Ministerpräsident Bojko Borisow erklärte, er sei "besorgt", dass in den kommenden Monaten eine große Zahl von Flüchtlingen ins Land kommen könnte. "Wir sind Christen - sie sind Muslime", sagte Borisow. "Ich bin verschreckt und das bulgarische Volk ist verschreckt."

Laut der bulgarisch-orthodoxen Kirche gehören ihr 80 Prozent der Bulgaren an. Rund 13 Prozent der Bevölkerung sind Muslime, darunter ethnische Türken und Bulgaren, die zur Zeit des Osmanischen Reiches zum Islam konvertierten, sowie einige Roma. Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs wurde Bulgarien bezichtigt, Muslime zu vertreiben. 360.000 muslimische Bulgaren flüchteten damals in die Türkei, rund die Hälfte kehrte später zurück.

Quelle: n-tv.de

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