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Renate Künast sitzt für die Grünen im Rechtsausschuss des Bundestags.
Renate Künast sitzt für die Grünen im Rechtsausschuss des Bundestags.(Foto: picture alliance / dpa)

Thema Sterbehilfe bei "Das Duell": Künast geißelt Pläne als "Rückschritt"

Von Timo Kather

Die Grünen-Politikerin wendet sich in der n-tv-Sendung "Das Duell" scharf gegen die Pläne der Union, Sterbehilfevereine in Deutschland zu verbieten. Die jetzige Rechtslage verschärfen zu wollen, bezeichnet sie als "Rückschritt".

Renate Künast, Vorsitzende des Rechtsausschusses im Bundestag, lehnt ein Verbot von Sterbehilfevereinen ab und kritisiert damit Pläne der Union. "Herr Kauder und andere, die das eingrenzen wollen, sagen ja, die jetzige Rechtssituation geht ihnen zu weit. [...] Das strafbar zu machen, ist ein Rückschritt", sagte die Grünenpolitikerin in "Das Duell bei n-tv". (Thema: "Sterbehilfe - Gibt es ein Recht auf den eigenen Tod?")

Die aktuelle Debatte entzündete sich am Fall eines belgischen Sexualmörders, der vor Gericht gezogen war, um sterben zu dürfen – und Recht bekommen hatte. In Belgien ist auch die aktive Sterbehilfe erlaubt, während in Deutschland nur die Beihilfe zum Suizid nicht bestraft wird. Künast sieht den belgischen Weg als falsch an. "Ich würde das für Deutschland nicht erlauben wollen", sagte sie. Künast machte deutlich, dass es bei der deutschen Debatte nicht darum gehe, aktive Sterbehilfe zu erlauben. "Ich kenne niemanden im Bundestag, der das will. Sondern es darf nur darum gehen, Betreffenden, die sich selbst töten wollen, etwas zur Verfügung zu stellen."

Künasts Gesprächspartner, der Arzt und Theologe Manfred Lütz, sieht sowohl die aktive Sterbehilfe als auch die Beihilfe zum Suizid äußerst skeptisch. "Wenn eine Gesellschaft solche Auswege öffnet, dann öffnet sie Auswege für Missbrauch", sagte Lütz. "Beihilfe zum Suizid sollte auch in Ausnahmefällen nicht ausdrücklich erlaubt werden. Wenn wir das generell staatlich-gesellschaftlich akzeptieren, dann entsteht ein Druck. Ein Druck auf die Schwächsten der Gesellschaft: Auf die Schwerkranken, auf die chronisch Kranken. Dann wird es eiskalt in unserer Gesellschaft." Auch für ihn als Mediziner werfe die Sterbehilfe moralische Probleme auf: "Ich möchte als Arzt nicht in einer Rolle sein, wo ich auch Gift zur Tötung hinstelle."

Die Union will Sterbehilfevereine verbieten, egal ob sie kommerziell oder gemeinnützig arbeiten. Künast hingegen will nicht-kommerzielle Sterbehilfevereine erlauben, fordert aber strengere Auflagen. "Wir brauchen Regeln für diese Vereine. Damit die sich nicht eine goldene Nase verdienen, sie nur eine Unkostenerstattung haben, damit die Dokumentationspflicht da ist, dass die Situation aufgenommen werden muss."

Künast zweifelte an, dass Sterbehilfevereine Menschen zum Suizid animieren würden. Gleichzeitig warf sie dem Fraktionsvorsitzenden der CDU im Bundestag, Volker Kauder vor, seine eigenen ethischen Vorstellungen auf andere übertragen zu wollen: "Wo ist der große Missbrauch, der da behauptet wird? Ich glaube, dass Kauder und andere ihre eigene Moral auf diese Geschichte legen. Und Strafrecht ist nicht dazu da, dass ich meine Moral drauflege."

Quelle: n-tv.de

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