Politik
(Foto: Lobbycontrol)

Meinungsmache in der Schule: Lobbyisten stürmen die Klassenzimmer

Die Einflussnahme von Unternehmen und Verbänden wird mittlerweile "professionell organisiert", kritisiert Lobbycontrol. So stellt die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft Lehrern fertige Unterrichtseinheiten zur Verfügung, VW bietet Material zum Thema Klimaschutz.

Die Organisation Lobbycontrol kritisiert einen zunehmenden Einfluss von Unternehmen und Verbänden auf Schulen. In einem offenen Brief fordert Lobbycontrol die Bildungsminister der Länder auf, mehr gegen eine solche Beeinflussung im Klassenzimmer zu tun.

"In den vergangenen Jahren hat die Einflussnahme von Unternehmen und Verbänden auf den Unterricht zugenommen und wird professionell organisiert", heißt es in dem Schreiben. Den Akteuren gehe es nicht um Bildung, "sondern um Meinungsmache und Marketing". Kinder und Jugendliche seien zum Ziel "langfristiger und umfassender Lobbystrategien" geworden.

Lobbycontrol fordert eine Monitoringstelle, bei der Lehrkräfte, Schüler und Eltern auffälliges Material prüfen lassen können, sowie Regeln für die Offenlegung der Finanzierung von externen Schulmaterialien. Außerdem verlangt die Organisation ein umfassendes Werbeverbot an Schulen.

Klimaschutz mit Volkswagen

Einzelne Dienstleister hätten sich "auf die Beeinflussung von Kindern und Jugendlichen" in der Schule spezialisiert, schreibt Lobbycontrol in einem Diskussionspapier. Die Organisation führt Beispiele für professionelle Einflussnahme an Schulen an.

Von Volkswagen etwa gibt es Unterrichtsmaterialien zum Thema "Mobil im Klimaschutz", die arbeitgebernahe Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) betreibt ein "Lehrerportal", in der fertige Unterrichtseinheiten präsentiert werden, der Bundesverband Investment und Asset Management bietet "Finanzexperten" an, die kostenlos als Referenten i den Unterricht kommen.

Lobbycontrol schreibt, es sei "nicht verwunderlich", dass Volkswagen in seinen Materialien nicht vorschlage, weniger Autos zu kaufen. Es sei ebenfalls nicht verwunderlich, dass die INSM sich nicht für einen stärkeren Sozialstaat ausspreche.

Von den 20 umsatzstärksten deutschen Unternehmen seien nur 4 nicht an der Produktion von Schulmaterialien beteiligt, heißt es bei Lobbycontrol weiter. Die Organisation räumt ein, dass auch Nicht-Regierungsorganisationen und Gewerkschaften zunehmend Schulmaterialien bereit stellten. Angesichts der Finanzkraft der Lobbyverbände und Unternehmen können von einem ausgewogenen Spielfeld jedoch keine Rede sein.

Quelle: n-tv.de

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