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Rund 100 Freiwillige legen am Freitag auf der Insel Lesbos ein großes Friedenszeichen aus Rettungswesten von Flüchtlingen.
Rund 100 Freiwillige legen am Freitag auf der Insel Lesbos ein großes Friedenszeichen aus Rettungswesten von Flüchtlingen.(Foto: REUTERS)

Griechenland schlägt Alarm: Marokkaner und Algerier kommen über Ägäis

Nach Angaben der griechischen Regierung kommen zunehmend Flüchtlinge aus Marokko und Algerien über die Türkei nach Europa. Die Regierung in Ankara unternehme zu wenig, um diese Menschen zu stoppen.

Die griechischen Behörden machen neben den Kriegsflüchtlingen aus Staaten wie Syrien und Afghanistan immer mehr Migranten aus Marokko und Algerien aus. "Wir haben ein neues Phänomen: Marokkaner und Algerier ... kommen in großen Zahlen", sagte der für Migration zuständige griechische Vizeminister Ioannis Mouzalas der Athener Zeitung "Eleftheros Typos". Auch sie setzten aus der Türkei über.

Diese Menschen müssten unbedingt in ihre Heimat zurückgeschickt werden, damit nicht noch mehr Migranten über die Türkei nach Europa kommen, forderte Mouzalas. Insgesamt kämen trotz schlechten Wetters täglich aus der Türkei mehr als 4000 Menschen nach Griechenland.

Kritik, Griechenland könne seine Grenzen nicht kontrollieren, wies Mouzalas zurück. "Landesgrenzen kann man wunderbar kontrollieren. Im Meer, wenn ein Boot sinkt, hat man keine andere Wahl als die Menschen zu retten", sagte Mouzalas. Die Türkei unternehme zu wenig, um die Menschen zu stoppen.

"Türkei reduziert den Zustrom nicht"

Bei einem Sondergipfel Ende November hatten die EU und die Türkei einen gemeinsamen Aktionsplan beschlossen, um den Zustrom von Flüchtlingen einzudämmen. Die Europäische Union hat Ankara dafür unter anderem Finanzhilfen in Höhe von drei Milliarden Euro, Visa-Erleichterungen und eine Wiederbelebung des EU-Beitrittsprozesses in Aussicht gestellt.

"Die Türkei reduziert den Zustrom nicht. Wir haben trotz Windstärke sechs bis sieben ein Bombardement von 4000 Ankünften pro Tag. Das ist nicht normal", sagte Mouzalas der griechischen Nachrichtenagentur ANA-MPA bereits am Donnerstag.

Mouzalas sagte der Nachrichtenagentur AP, die Türkei sei offenbar nicht in der Lage, ihr Versprechen zu erfüllen, die Grenzen besser zu kontrollieren. "Wenn keine Maßnahmen ergriffen werden, um den Zustrom aus der Türkei zu stoppen, und wenn Europa nicht das Problem der Rückführungen löst, wird es ein sehr schwieriges Jahr", so der Vizeminister, der den griechischen Zweig der Hilfsorganisation "Ärzte der Welt" mitgegründet hat. Sorge bereitet ihm auch, dass die Grenzen auf der Balkan-Route für bestimmte Gruppen von Flüchtlingen geschlossen werden. Dies bereite Griechenland Probleme, da die Gefahr bestehe, dass diese Flüchtlinge "hier in der Falle sitzen".

Das UN-Hilfswerk UNHCR veröffentlichte unterdessen die Gesamtzahl der Migranten, die 2015 über die Ägäis nach Europa kamen. Es waren 851.319 Menschen, 28 Prozent davon waren Kinder. 57 Prozent dieser Flüchtlinge kamen aus Syrien und 24 Prozent aus Afghanistan. Im Dezember 2015 kamen mehr als 103.000 Menschen, fast genau so viele wie im vergangenen August, als es 107.843 waren.

Ai Weiwei will Mahnmal für Flüchtlinge bauen

Auf der griechischen Insel Lesbos legten Organisationen wie Ärzte ohne Grenzen, Greenpeace und Sea Watch mit rund 3000 Rettungswesten von Flüchtlingen ein großes Friedenszeichen. Sie wollen damit auf das Schicksal der Flüchtlinge aufmerksam machen, die in der Ägäis ertrunken sind. Auch Rettungswesten von Flüchtlingen, die die Überfahrt nicht überlebten, wurden für die Aktion verwandt.

Auf Lesbos will auch der chinesische Bildhauer und Menschenrechtler Ai Weiwei ein Monument zur Erinnerung an die in der Ägäis umgekommenen Flüchtlinge errichten. In Athen berichtete der in Berlin lebende Künstler von seinem Besuch auf der Insel. Vorher habe er sich nicht vorstellen können, "wie groß die Dimensionen sind, die diese humanitäre Krise hat". Die Einwohner von Lesbos, die freiwilligen Helfer und die Behörden gäben ihr Bestes, sagte Weiwei: "Ihnen muss aber geholfen werden." Die Welt verstehe noch immer nicht, wie wichtig es sei, den Griechen und den Flüchtlingen in dem EU-Land zu helfen.

Quelle: n-tv.de

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