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Sowohl der Verkauf als auch Produktion und Import von Burkas wird in Marokko verboten.
Sowohl der Verkauf als auch Produktion und Import von Burkas wird in Marokko verboten.(Foto: AP)
Mittwoch, 11. Januar 2017

Aus Sicherheitsgründen: Marokko verbietet die Burka

Aus Sorge vor islamistischem Terror verbietet Marokko Muslimas das Tragen einer Burka - binnen 48 Stunden soll der Ganzkörperschleier aus dem nordafrikanischen Land verbannt werden. Kritiker sehen im Verbot einen Verstoß gegen Frauenrechte.

Die Regierung im nordafrikanischen Marokko will Medienberichten zufolge innerhalb von nur 48 Stunden den Ganzkörperschleier aus dem Land verbannen. Wie der britische Sender BBC unter Berufung auf einen ranghohen Beamten im Innenministerium berichtet, werden sowohl der Verkauf als auch die Produktion und der Import von Burkas verboten. Der Grund dafür seien Sicherheitsbedenken. "Extremisten haben das Kleidungsstück wiederholt genutzt, um Verbrechen zu verüben", sagte der Ministeriumsmitarbeiter. Bei Burka-Trägerinnen bleiben - anders als beim Nikab - auch die Augen hinter einem Netzschleier verborgen.

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Lokale Medien berichteten, es seien seit Anfang der Woche Briefe an Händler versendet worden, in denen das Verbot angekündigt worden sei. Eine offizielle Ankündigung der Regierung gibt es bisher nicht. Menschenrechtler kritisierten, das Burka-Verbot sei "eine willkürliche Entscheidung", die indirekt das Recht der Frauen verletze, "ihre Identität und ihre sozialen, politischen und religiösen Überzeugungen" über das Tragen von Kleidung auszudrücken. Der frühere marokkanische Familienminister, Nouzha Skalli, begrüßte hingegen das Verbot als "wichtigen Schritt im Kampf gegen den religiösen Extremismus".

Die Burka ist in dem nordafrikanischen Land nicht sehr verbreitet. Die meisten Frauen tragen Hidschab - ein Kopftuch, welches das Gesicht frei lässt und unterm Kinn zusammengebunden wird. Lediglich in salafistischen Kreisen, vor allem im konservativeren Norden des Landes, ist das Tragen eines Nikab üblich. Seit einer Anschlagsserie in Casablanca vor 13 Jahren hatte König Mohammed VI. versucht, einen moderaten Islam im Land durchzusetzen. Eine von ihm gegründete Imam-Schule lehrt eine tolerante und offene Auslegung des Koran.

"Front gegen den Fanatismus"

Nach den islamistischen Anschlägen in Europa wandte sich der Monarch zudem an die rund fünf Millionen im Ausland lebenden Marokkaner und forderte sie dazu auf, in ihrer neuen Heimat "den Frieden, die Harmonie und die Einheit" zu verteidigen. Unter den Attentätern von Paris waren auch mehrere Islamisten mit marokkanischen Wurzeln. Mohammed VI. sagte, vor allem in Europa versuchten Extremisten, die Unwissenheit junger Muslime auszunutzen, "um ihre abwegigen Botschaften und falschen Versprechen" zu verbreiten. An die Nation appellierte er, eine "Front gegen den Fanatismus und den Hass" aufzubauen.

Marokko ist nicht das erste muslimisch geprägte afrikanische Land, das die Burka verbietet. Auch im Tschad ist die Vollverschleierung - und dort sowohl die Burka als auch der Nikab - seit 2015 aus Sicherheitsgründen verboten. Das Verbot war nach einem Doppelanschlag von Selbstmordattentätern in der tschadischen Hauptstadt Ndjamena verhängt worden. Bei dem Angriff auf eine Polizeistelle starben 33 Menschen. Das Land wird immer wieder durch Anschläge der militanten nigerianischen Sekte Boko Haram erschüttert.

Quelle: n-tv.de

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