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Steinmeier: "Bewusster Angriff": Mehr als 40 Tote bei IS-Anschlägen in Beirut

Es sind Anschläge, die es in dieser Dimension schon länger nicht mehr gegeben hat im Libanon. In der Hauptstadt sprengen sich Selbstmordattentäter in einem schiitischen Viertel in die Luft. Der IS bekennt sich dazu. Außenminister Steinmeier ist bestürzt.

Bei Anschlägen zweier Selbstmordattentäter sind im Libanon mindestens 41 Menschen getötet und mehr als 200 verletzt worden. Das teilte das libanesische Rote Kreuz mit. Die Attacken ereigneten sich in dem dicht besiedelten südlichen Beiruter Stadtteil Burdsch al-Baradschneh, wo die radikal-islamische Schiitenpartei Hisbollah stark ist.

Verletzte werden fortgetragen. Nach derzeitigem Stand überlebten 37 Menschen die Explosionen nicht.
Verletzte werden fortgetragen. Nach derzeitigem Stand überlebten 37 Menschen die Explosionen nicht.(Foto: REUTERS)

In einer kurz darauf im Internet veröffentlichten Erklärung bekannte sich die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) zu der Tat. Dort heißt es, zunächst sei in unmittelbarer Nähe einer schiitischen Menschenmenge eine Bombe auf einem Motorrad zur Detonation gebracht worden. Wenig später habe ein IS-Kämpfer am Ort des ersten Anschlags einen Sprengstoffgürtel gezündet.

Nach Angaben der offiziellen Nachrichtenagentur NNA kam es im Abstand von fünf Minuten und 150 Metern voneinander zu den schweren Explosionen. Nach Informationen des Fernsehsenders LBC waren insgesamt vier Selbstmordattentäter in der Gegend unterwegs, einer sei jedoch geflüchtet, ein weiterer getötet worden, bevor er seinen Sprengsatz zur Detonation bringen konnte.

Hisbollah-Mitglieder und libanesische Soldaten forderten nach den Attacken die Menschen auf, das Gebiet zu verlassen. Krankenhäuser riefen zu Blutspenden auf. Ministerpräsident Tammam Salam erklärte den Freitag zum Trauertag, an dem der Opfer gedacht werden solle. Führende Politiker riefen die Libanesen zur Einheit auf.

Steinmeier: "Bewusster Angriff"

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier zeigte sich bestürzt über den Doppel-Anschlag in der libanesischen Hauptstadt. Der schreckliche Terroranschlag sei "ein direkter und bewusster Angriff auf die Stabilität des Libanon", erklärte Steinmeier. Die Absicht der Attentäter, ein Klima des Hasses und der Zwietracht zwischen den Konfessionen im Libanon zu schüren, dürfe nicht aufgehen. "Ich fordere daher alle gemäßigten politischen Kräfte im Libanon auf, sich nun mehr denn je um einen politischen Ausgleich zu bemühen und einer weiteren Eskalation entgegenzuwirken", fügte Steinmeier hinzu.

In den vergangenen zwei Jahren hat es bereits ähnliche Anschläge in südlichen Beiruter Bezirken gegeben. Der Libanon steckt auch wegen des syrischen Bürgerkriegs in einer schweren politischen Krise. Hisbollah-Milizionäre kämpfen im Nachbarland an der Seite des Regimes von Präsident Baschar al-Assad. Libanesische Sunniten unterstützen wiederum die Rebellen. Erschwert wird die Situation durch die mehr als eine Million Flüchtlinge aus Syrien, die großteils unter schlimmen Bedingungen im Zedernstaat leben.

Quelle: n-tv.de

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