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Verhandelt um Jamaika und kämpft gleichzeitig um seine Macht: Horst Seehofer.
Verhandelt um Jamaika und kämpft gleichzeitig um seine Macht: Horst Seehofer.(Foto: dpa)
Freitag, 10. November 2017

RTL/ntv-Trendbarometer: Mehrheit der Bayern für Seehofer-Rücktritt

Fast drei Viertel der bayerischen Wähler befürwortet einen Rücktritt von Ministerpräsident Seehofer. Weniger deutlich ist die Meinung im Freistaat zu der Frage, wer sein Nachfolger werden soll. Lediglich die AfD-Anhänger haben dazu eine klare Position.

Nicht einmal die Hälfte der Bayern ist mit ihrem Ministerpräsidenten zufrieden. Das ergab das RTL/ntv-Trendbarometer für Bayern. Fast drei Viertel der Befragten hält die Forderung der bayerischen Jungen Union für richtig, dass Horst Seehofer seine Ämter für einen Nachfolger aufgeben sollte. Insgesamt stimmen 72 Prozent dieser Aussage zu. Unter den Anhängern der CSU sind es 61 Prozent.

Der Forsa-Umfrage zufolge könnte die CSU derzeit bei einer Landtagswahl mit 38 Prozent der Stimmen rechnen. Auf die SPD würden 17 Prozent entfallen, auf die Grünen 11 und auf die FDP 9 Prozent. Die AfD wäre mit 11 Prozent im Landtag vertreten, die Freien Wähler erhielten 7 Prozent. Die Linke würde mit 4 Prozent an der Sperrklausel scheitern.

Kein Geheimnis: Markus Söder wäre gern Ministerpräsident anstelle des Ministerpräsidenten.
Kein Geheimnis: Markus Söder wäre gern Ministerpräsident anstelle des Ministerpräsidenten.(Foto: dpa)

Die Christsozialen müssen also damit rechnen, die absolute Mehrheit zu verlieren, die als Garant des Einflusses der CSU in Berlin gilt. Die nächsten Wahlen zum Landesparlament in Bayern finden im Herbst 2018 statt. Bereits auf dem Parteitag im Dezember wählt die CSU einen Vorsitzenden. Mindestens indirekt bestimmt sie dabei auch, wer sie im kommenden Jahr als Spitzenkandidat in den Wahlkampf führen soll. Obwohl gerade die Sondierungsverhandlungen in Berlin laufen, ist Seehofer mehrfach von Politikern seiner Partei öffentlich infrage gestellt worden.

Nur 40 Prozent der Bayern sind mit Seehofer zufrieden

Schon 2015 wurde im Rahmen einer Untersuchung in den 16 Bundesländern über den Grad der Zufriedenheit mit der Arbeit der jeweiligen Ministerpräsidenten festgestellt, dass Horst Seehofer neben Reiner Haseloff in Sachsen-Anhalt der Ministerpräsident ist, mit dessen Arbeit die Bürger eines Landes am unzufriedensten sind (die höchsten Zufriedenheitswerte erhielten 2015 Winfried Kretschmann in Baden-Württemberg und Olaf Scholz in Hamburg).

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2017 ist die Zufriedenheit mit der Arbeit Seehofers in Bayern noch geringer geworden als 2015: Nur noch 40 Prozent aller Bayern sind mit ihm zufrieden; 57 Prozent sind mit der Arbeit ihres Ministerpräsidenten weniger oder gar nicht zufrieden. 2015 waren 45 Prozent zufrieden und 49 Prozent nicht.

Lediglich die Anhänger der CSU sind noch mehrheitlich mit Seehofers Arbeit zufrieden. Von ihnen sagen dies 76 Prozent. In allen anderen Wählergruppen überwiegt der Anteil derer, die mit Seehofer nicht zufrieden sind.

Besonders schlecht erscheint Seehofers Ergebnis, wenn man bedenkt, dass die Zufriedenheit mit der Arbeit des Ministerpräsidenten normalerweise größer ist als die mit der Arbeit der ganzen Landesregierung. In Bayern ist es umgekehrt: Mit der Arbeit der bayerischen Landesregierung sind deutlich mehr Bewohner des Freistaats zufrieden als mit der Arbeit des Ministerpräsidenten. 61 Prozent der Befragten gaben an, mit der Arbeit der Landesregierung zufrieden zu sein. 37 Prozent waren weniger oder gar nicht zufrieden. Unter den CSU-Anhängern zeigten sich sogar 95 Prozent zufrieden.

Mehrheit der AfD-Anhänger findet Söder gut

Zur Frage, wer Seehofers Nachfolger werden soll, haben die Bayern keine eindeutige Meinung. 35 Prozent der Befragten halten den bayerischen Finanzminister Markus Söder für am besten geeignet im Amt des bayerischen Ministerpräsidenten. Söder ist der Mann, den Seehofer seit Jahren verhindern will. 17 Prozent würden Bayerns Wirtschaftsministerin Ilse Aigner bevorzugen. Vom bayerischen Innenminister Joachim Herrmann glauben das 10 Prozent, vom Europaabgeordneten Manfred Weber 8 und von CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt 1 Prozent.

Von den CSU-Anhängern halten 47 Prozent, von den Anhängern der AfD 63 Prozent Markus Söder für denjenigen, der am besten für die Nachfolge Seehofers geeignet wäre.

Der Aussage, die CSU sollte einer Jamaika-Koalition im Bund nur zustimmen, "wenn sie viele ihrer Forderungen (zum Beispiel eine Obergrenze für Flüchtlinge) durchsetzt", stimmten nur 24 Prozent der Befragten zu. 71 Prozent sagten, die CSU solle sich kompromissbereit zeigen.

Forsa befragte vom 6. bis zum 9. November 1017 Personen in Bayern. Die Fehlertoleranz liegt bei 3 Prozentpunkten.

Quelle: n-tv.de

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