Politik

Kanzlerin wird emotional: Merkel: "Dann ist das nicht mein Land"

Kanzlerin Angela Merkel ist nicht bekannt für emotionale Aussagen. Da ist das, was sie am Nachmittag über die Öffnung der Grenzen für Flüchtlinge sagt, schon fast so etwas wie ein Ausbruch. Beifall erhält Merkel von ihrem österreichischen Gast.

Kanzlerin Angela Merkel lobt ausdrücklich die Willkommensgesten vieler Deutscher.
Kanzlerin Angela Merkel lobt ausdrücklich die Willkommensgesten vieler Deutscher.(Foto: imago/Christian Thiel)

Eine Aussage von Kanzlerin Angela Merkel bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Österreichs Kanzler Werner Faymann klingt nach: Die CDU-Chefin sagte zur Verteidigung ihrer Linie in der Flüchtlingspolitik: "Ich muss ganz ehrlich sagen, wenn wir jetzt anfangen, uns noch entschuldigen zu müssen dafür, dass wir in Notsituationen ein freundliches Gesicht zeigen, dann ist das nicht mein Land."

Merkel bezog sich damit auf Kritik an ihrer Entscheidung, mehrere Tausend Flüchtlinge mit einer spontanen Entscheidung ins Land zu lassen. Und sie stellte sich damit vor Menschen, die Flüchtlinge an Bahnhöfen jubelnd und mit Blumen empfangen. Diese Bilder seien um die Welt gegangen und hätten international einen positiven Eindruck hinterlassen: "Da hat die Welt gesagt, das ist aber eine schöne Geste. Und das kam aus dem Herzen der Menschen."

Ohne dass Merkel CSU-Chef Horst Seehofer beim Namen nannte, ist klar, dass ihre Rechtfertigung auch auf ihn zielte. Denn neben einigen SPD-Landespolitikern hat vor allem Bayerns Ministerpräsident ihr in den vergangenen Tagen mehrfach vorgeworfen, sie habe den Rechtsstaat ausgehebelt und eine Sogwirkung erzeugt, die zu chaotischen Situationen am Münchner Bahnhof geführt habe. Wenn andere sagten, sie seien überrascht worden, könne sie angesichts der Notlage der Flüchtlinge in Ungarn nur antworten: "Es gibt Situationen, in denen muss entschieden werden. Ich konnte nicht zwölf Stunden warten und überlegen."

Diese Krise sei eine der größten Herausforderungen seit Jahrzehnten. Merkel bemühte sich, Optimismus zu verbreiten: "Wir sind in einer nicht ganz einfachen Situation." In der EU sei es bislang aber immer gelungen, Lösungen zu finden. "Ich sage wieder und wieder: Wir können das schaffen, und wir schaffen das."

Zuspruch erhielt Merkel von ihrem Gast aus Österreich: "Ich bin Dir sehr dankbar, dass Du bei dieser Entscheidung nicht zögerlich warst", sagte Faymann. Positiv äußerte sich auch der Trainer des FC Bayern München, Pep Guardiola: "Angela Merkel hat uns und der Welt gezeigt, wie Deutschland ist", sagte der Katalane. Er sei sehr stolz "auf die deutschen Leute" und darauf, in dieser Zeit in Deutschland zu leben.

Merkel hatte bei ihrer Pressekonferenz mit Faymann einen Sondergipfel der EU angeregt. Dabei solle es in der kommenden Woche um mehr Hilfen für die Ursprungsländer der Flucht, einen besseren Dialog mit der Türkei und die mögliche Einrichtung von Flüchtlings-Hot-Spots an den EU-Außengrenzen gehen.

Quelle: n-tv.de

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