Politik

War sie in DDR-Propaganda verstrickt?: Merkel gerät ins Zwielicht

Von Jochen Müter

Wer in der DDR "mitmachte", muss sich heute Fragen gefallen lassen. Das gilt wohl auch für Kanzlerin Merkel. Ein neues Buch bringt sie in Bedrängnis. Die Autoren sehen Merkels Rolle in der sozialistischen Diktatur anders als die offizielle Lesart. Schon gibt es erste Forderungen nach deutlich mehr Transparenz.

Kanzlerin Angela Merkel in einem dubiosen Licht? Die beiden Autoren eines Buches über ihr Leben in der DDR behaupten das jedenfalls. Demnach sei der Lebenslauf Merkels vermutlich geschönt, so die Journalisten Ralf Reuth und Günther Lachmann. Ein entscheidender Vorwurf: Merkel sei während ihrer Tätigkeit an der Akademie der Wissenschaften Funktionärin gewesen, unter anderem habe sie als FDJ-Sekretärin für Agitation und Propaganda gearbeitet.

Popkultur mit Wahrheitsgehalt? Merkel als Revolutionärin.
Popkultur mit Wahrheitsgehalt? Merkel als Revolutionärin.(Foto: picture-alliance/ dpa/dpaweb)

Diese Abteilungen waren in der DDR unter anderem zuständig für die "Pressearbeit". In der DDR gab es jedoch nur ein gleichgeschaltetes System, alle Medien standen unter strengster Kontrolle der Regierung. Sie wurden zur Massen-Indoktrination genutzt.

Merkel bestreitet, diese Tätigkeit ausgeführt zu haben. Ihre Erkenntnisse wollen die Autoren jedoch aus neuen Quellen haben. Es seien bislang "unzugängliche Dokumente" aufgetaucht, außerdem hätten sie mit Zeitzeugen gesprochen, "die bislang geschwiegen haben". Die Kanzlerin hätte auf die Konfrontation mit den Vorwürfen geantwortet, sie habe keine Zeit, die Fragen der Autoren zu beantworten. Kürzlich gab sie aber selbst geheimnisvoll zum Besten, es sei in den alten Bundesländern kaum etwas bekannt über 35 Jahre ihres Lebens.

In "Das erste Leben der Angela M." zeichnen Reuth und Lachmann zudem das Bild einer Frau, die sich mehr als gewendet hat. Merkel sei keine Quereinsteigerin in die Politik, sondern durch ihre Tätigkeit im "Demokratischen Aufbruch" bereits lange politisch aktiv gewesen. Sie habe auch gar nicht die Wiedervereinigung Deutschlands angestrebt, sondern einen "demokratischen Sozialismus in einer eigenständigen DDR". Merkel, heute Parteichefin der CDU, sei damals eine "Reformkommunistin" gewesen, so der Schluss der Autoren.

"Zur Unzeit"

SPD-Vorstandsmitglied Ralf Stegner verlangt nun eine öffentliche Stellungnahme. "Frau Merkel muss erklären, welche politische Funktionen sie in der DDR innegehabt hat. All das liegt ja nicht 100 Jahre zurück", sagte Stegner der "Welt".

Merkel habe sich auch deshalb zu den Berichten zu äußern, "weil die CDU mit Leidenschaft die DDR-Vergangenheit anderer Menschen thematisiert und skandalisiert hat". Stegner erinnerte in diesem Zusammenhang an die "Rote-Socken-Kampagne" der CDU in den 90er-Jahren und an Attacken auf die im Herbst 1989 gegründete SPD in der DDR. "Die jüngsten Berichte über Frau Merkels Funktionen in der DDR kommt für die Union jetzt zur Unzeit", so Stegner mit Blick auf den Bundestagswahlkampf.

Quelle: n-tv.de

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