Politik
Montag, 24. August 2009

Ungleiche Löhne: "Merkel hat keine Ahnung"

Verdient eine Frau weniger als ein gleichrangiger Kollege, sollte sie nach Meinung von Kanzlerin Merkel zu ihrem Chef gehen und mehr Geld fordern. Damit mache sie es sich zu einfach, meinen FDP und die Grünen. Frauen seien keine "Bittstellerinnen", sondern bräuchten Gesetze.

Nach Meinung der Grünen-Spitzenkandidatin Künast kann nur ein Gleichstellungsgesetz die Lohnunterschiede zwischen Männern und Frauen beseitigen.
Nach Meinung der Grünen-Spitzenkandidatin Künast kann nur ein Gleichstellungsgesetz die Lohnunterschiede zwischen Männern und Frauen beseitigen.(Foto: dpa)

Gleiche Löhne sind nach Meinung von FDP und den Grünen nicht nur eine Frage des Selbstbewusstseins: Bundeskanzlerin Angela Merkel ist wegen Aussagen zu Einkommensunterschieden zwischen Frauen und Männern in die Kritik geraten. Die frühere Bundesjustizministerin und bayrische FDP-Landesvorsitzende Sabine Leutheusser-Schnarrenberger sagte dem "Tagesspiegel", die Ursachen für Lohnunterschiede seien "komplexer" als von Merkel dargestellt. "Viel zu viele Frauen arbeiten in Teilzeit und in Minijobs, weil ausreichende Betreuungsmöglichkeiten für ihre Kinder fehlen", sagte die FDP-Politikerin. Zahlreiche Studien belegten, dass in "kaum einem anderen europäischen Land so wenige Mütter arbeiten wie in Deutschland".

In einem vorab veröffentlichten Interview der Zeitschrift "Emma" hatte Merkel gesagt, sie "rate jeder Frau, die für die gleiche Arbeit weniger als ihr Kollege verdient, selbstbewusst zum Chef zu gehen und zu sagen: Da muss sich was ändern!" Eine staatliche Regelung der Benachteiligung von Frauen bei den Löhnen lehnte die Bundeskanzlerin zwar als nicht "erfolgversprechend" ab. Die Politik werde aber "immer wieder mahnen und Druck machen." Auch müssten sich Gewerkschaften "um dieses Problem kümmern und für Verbesserungen eintreten".

Bilderserie

Die Grünen-Spitzenkandidatin für die Bundestagswahl, Renate Künast, sagte, Merkel habe "keine Ahnung von der Lebenswirklichkeit von Frauen". Sie mache die Frauen zu "Bittstellerinnen, statt ihnen mit Gesetzen den Rücken zu stärken." Es sei "beschämend, dass Frauen immer noch fast ein Viertel weniger verdienen als Männer." Nötig sei ein Gleichstellungsgesetz für die Wirtschaft.

Quelle: n-tv.de

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