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Die SMS kommt an - Merkel guckt ein wenig entgeistert.
Die SMS kommt an - Merkel guckt ein wenig entgeistert.(Foto: REUTERS)

Gute Laune auf der CeBIT: Merkel ließ sich nichts anmerken

Kanzlerin Merkel scherzt auf der CeBIT mit den Managern und lässt sich nicht anmerken, dass Verteidigungsminister Guttenberg kurz vor dem Rücktritt steht. Dabei macht das Gerücht längst die Runde. Eisern spielt sie ihre Rolle als nationale Besuchsdame zu Ende.

Die Oscars für das Jahr 2011 sind gerade vergeben worden. Sonst hätte Angela Merkel mit ihrem Auftritt auf der Computermesse CeBIT in Hannover sicher gute Chancen gehabt, für die beste Nebenrolle ausgezeichnet zu werden. Denn eineinhalb Stunden lang absolvierte die Kanzlerin am Dienstagmorgen mit gespielt guter Laune den obligatorischen Messerundgang als Regierungschefin. Dabei wusste sie seit spätestens kurz nach neun Uhr, dass ihr einstiger Star im Kabinett, Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg, in Berlin zurücktreten würde.

Leicht verkrampft ...
Leicht verkrampft ...(Foto: dpa)

Bei der Eröffnung am türkischen Stand hatte sie deshalb noch fleißig mit Berlin gesimst. Sie wirkte leicht aufgedreht und scherzte mit Wirtschaftsminister Rainer Brüderle, Wissenschaftsministerin Annette Schavan und Niedersachsens Ministerpräsident David McAllister. Am Stand der türkischen Firma Atelsan ließ sie sich dann plötzlich für einige Minuten entschuldigen, verschwand und telefonierte im Auto. Dann setzte Merkel den Besuch an den Firmenständen fort, als ob nichts gewesen sei. Mal scherzte sie mit den strahlenden Managern hier, mal fragte sie dort nach. Bloß keine Anspielung auf Guttenberg zulassen, war die Devise. Dabei wusste kurze Zeit später zumindest der mit durch die Messehallen eilende Pulk der Journalisten, dass es in Berlin gleich ein politisches Erdbeben geben würde.

Die Messe-Verantwortlichen stöhnten. Denn nach dem Ausbruch des isländischen Vulkan und der Aschewolke im vergangenen Jahr wurde auch diesmal der CeBIT-Auftakt von anderen Dingen überlagert. Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan hatte bereits am Montagabend die Messe wieder verlassen müssen, um an einem Begräbnis in Ankara teilzunehmen. Jetzt drohte der Abgang Guttenbergs die letzte Aufmerksamkeit von den eigentliche guten Messe-Zahlen zu nehmen.

...  nicht immer guter Laune, ...
... nicht immer guter Laune, ...(Foto: dapd)

Es war kurz nach 10 Uhr, als Merkel dann am IBM-Stand den Satz "I apologize" sagte. Allerdings bezog sich dieser gar nicht auf die Plagiat-Affäre des CSU-Politikers. Vielmehr hatte die Kanzlerin den Fauxpas begangen, den IBM-Chef zu fragen, ob der gerade vorgestellte neue Wunderchip des US-Konzerns denn von der Firma Intel entwickelt worden sei. Als Merkel das leicht konsternierte Gesicht des IBM-Chefs sah, entschuldigte sie sich grinsend.

Nur einmal kräuselte sie wirklich missbilligend die Stirn: Am SAP-Stand war ausgerechnet ein Messe-Foto aus dem Jahr 2009 zu sehen, auf dem sie und der damalige Wirtschaftsminister Guttenberg zu sehen waren. "Damals hatten wir noch eine Katastrophe analysiert, heute wollen wir sie verhindern", begrüßte sie der SAP-Manager - er meinte damit aber nicht die Berliner Politik, sondern ein digitales Alarmsystem, mit dem Bombenpakete etwa an Flughäfen erkannt werden können. Als Merkel dann ein großes rotes Paket einscannen sollte, löste dieses prompt Alarm aus. Zufrieden erklärte der SAP-Manager, nun sei das simulierte Bombenpaket erkannt. Merkel antwortete nur trocken: "Vorher gehen wir aber wieder weg."

... doch Merkel hält durch.
... doch Merkel hält durch.(Foto: dapd)

Eisern spielte sie danach im Interesse der Wirtschaft ihre Rolle als nationale Besuchsdame auf den Messeständen zu Ende, bis zum Schluss ging sie mit keinem einzigen Wort auf Guttenberg ein. Auch als ihr nach dem Abschlussstatement die Frage zugerufen wurde, was sie zu Guttenbergs Rücktritt sage, verließ sie ohne eine Antwort rasch die Messehalle. Dass die politische Bombe in der Zwischenzeit in Berlin längst explodiert war, wusste sie da schon.

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Quelle: n-tv.de

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