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Mit den Demonstranten sprach die Kanzlerin nicht - es wäre vermutlich auch ein einseitiges Gespräch geworden.
Mit den Demonstranten sprach die Kanzlerin nicht - es wäre vermutlich auch ein einseitiges Gespräch geworden.(Foto: dpa)

Kanzlerin in "Dunkeldeutschland": Merkel nennt Krawalle abstoßend

Kanzlerin Merkel verurteilt rassistische Gewalt und dankt jenen, "die vor Ort Hass zu ertragen haben". Bei ihrem Besuch in Heidenau schallen ihr Buhrufe entgegen. Andere skandieren "Volksverräter" und "Wir sind das Pack."

Kanzlerin Angela Merkel hat sich angesichts der Attacken von Rechtsradikalen und Rassisten vor die Flüchtlinge in Deutschland gestellt. "Wir müssen alle unsere Kraftanstrengung darauf lenken, deutlich zu machen: Es gibt keine Tolerenz gegenüber denen, die die Würde anderer Menschen infrage stellen", sagte sie nach einem Besuch des Flüchtlingsheims im sächsischen Heidenau. (Hier ihr Statement im Wortlaut.)

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Mit Blick auf den Bürgermeister von Heidenau dankte Merkel jenen, "die vor Ort Hass zu ertragen haben". Sie erinnerte daran, "dass die menschliche und würdige Behandlung jedes Einzelnen, der zu uns kommt, Teil unseres Selbstverständnisses ist, was Deutschland ausmacht".

Begleitet von "Pfui"-Rufen und Pfiffen versicherte sie: "Es gibt keine Toleranz gegenüber denen, die nicht bereit sind, zu helfen, wo rechtlich und menschlich Hilfe geboten ist." Gemeinsam werde man "alle Anstrengungen unternehmen, deutlich zu machen: Deutschland hilft, wo Hilfe geboten ist".

Merkel war von Ministerpräsident Stanislaw Tillich und Bürgermeister Jürgen Opitz begrüßt worden. Nach dem Besuch bei den rund 600 Flüchtlingen, die sich gegenwärtig in Heidenau aufhalten, dankte die Kanzlerin vor allem den vielen freiwilligen Helfern der Gemeinde Heidenau, des THW und des Deutschen Roten Kreuzes. Sie verwies auf das Recht der Asylbewerber in Deutschland "auf eine faire Behandlung in einem würdigen Asylverfahren". Dazu stellte Merkel baldige Gesetzesänderungen in Aussicht, weil sich die "Bedingungen in Deutschland stark verändert haben". "Wir wissen, dass der Zustand, in dem wir uns derzeit befinden, nicht dem Normalstand entspricht, und darauf werden wir reagieren." In der Bundesregierung und den Regierungsparteien bestehe der gemeinsame Wille, neue Wege zu gehen, so die Kanzlerin.

"Wir sind das Pack"

Zuvor hatten Demonstranten die Kanzlerin mit Buhrufen empfangen. "Volksverräter, Volksverräter" skandierten Schaulustige gegenüber der Flüchtlingsunterkunft in dem ehemaligen Baumarkt. Demonstranten vor der Unterkunft riefen: "Dem deutschen Volke" und "Wir sind das Pack". SPD-Chef Sigmar Gabriel hatte die rechtsradikalen Demonstranten und Rassisten in dem Ort als "Pack" bezeichnet. "Wir sind das Volk" war dagegen die Parole unter anderem der Montagsdemonstrationen in Leipzig, die das Ende der DDR einläuteten.

Gauck lobt das helle Deutschland

Auch Bundespräsident Joachim Gauck besuchte am Mittwoch eine Flüchtlingsunterkunft, um sich über deren Situation und die Arbeit der Helfer zu informieren. Im Berliner Stadtteil Wilmersdorf lobte er das "leuchtende" Beispiel der vielen freiwilligen Helfer in Deutschland. Zugleich kritisierte er die Angriffe auf Flüchtlinge und ihre Heime als "Dunkeldeutschland". Die vielfache Unterstützung zeige, "es gibt ein helles Deutschland, das sich leuchtend darstellt gegenüber dem Dunkeldeutschland, das wir empfinden, wenn wir von Attacken auf Asylbewerberunterkünfte oder gar fremdenfeindlichen Aktionen gegen Menschen hören", sagte das Staatsoberhaupt.

Rechtsextremisten und Rassisten hatten in der Kleinstadt Heidenau bei Dresden Asylbewerber bedroht und Polizisten angegriffen. Merkel war vorgeworfen worden, zu lange zu den Ausschreitungen geschwiegen zu haben.

Quelle: n-tv.de

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