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Eine ihrer bekannten Gesten, wenn die Kanzlerin um Worte ringt.
Eine ihrer bekannten Gesten, wenn die Kanzlerin um Worte ringt.(Foto: REUTERS)

Freude über Bin Ladens Tod: Merkel will die Wogen glätten

Bundeskanzlerin Merkel kann verstehen, wenn jemand die "Worte Tod und Freude in einem Satz" als unpassend empfindet. Damit versucht sie die Wogen zu glätten, die ihre demonstrative Freude über den Tod Osama bin Ladens aufgeworfen hatten. Im Kern würde sie diese Gefühle auch wieder so ausdrücken. Das ist "Mittelalter", sagen ihre Kritiker. Man dürfe nicht jedes Wort auf die Goldwaage legen, meinen ihre Fürsprecher.

Die demonstrative Freude von Bundeskanzlerin Angela Merkels über die Tötung von Al-Kaida-Chef Osama bin Laden ist auf erhebliche Kritik gestoßen. "Ich hätte das nicht so formuliert. Das sind Rachegedanken, die man nicht hegen sollte. Das ist Mittelalter", sagte der Vorsitzende des Bundestags-Rechtsauschusses, Siegfried Kauder, der "Passauer Neuen Presse". "Ich freue mich nicht, dass ein Mensch gestorben ist", sagte auch der außenpolitische Sprecher der CDU/CSU, Philipp Mißfelder.

Merkel selbst bemühte sich derweil um Schadensbegrenzung. "Das Motiv ihrer Freude war der Gedanke: Von diesem Mann wird nun keine Gefahr mehr ausgehen. Die Welt lebt hoffentlich ein Stück sicherer", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert in Berlin. In diesem Zusammenhang würde sie diese Gefühle auch wieder so ausdrücken. Die Kanzlerin habe aber Verständnis dafür, dass "das Zusammenwirken der Worte Tod und Freude in einem Satz als unpassend empfunden" werden könne.

Merkel hatte sich spontan zu Bin Ladens Tod geäußert, doch Freude sei das falsche Wort, sagen ihre Kritiker.
Merkel hatte sich spontan zu Bin Ladens Tod geäußert, doch Freude sei das falsche Wort, sagen ihre Kritiker.(Foto: dapd)

Außenminister Guido Westerwelle (FDP) nahm Merkel gegen Kritiker ihrer Wortwahl ausdrücklich in Schutz. Der Tod Bin Ladens sei eine "gute Nachricht für die ganze Welt", sagte der FDP-Chef der Zeitung "Die Welt". "Und ich denke, dass darüber hinaus auch ein Gefühl der Erleichterung verständlich ist, dass dieser Terrorist, der viele tausend Opfer auf dem Gewissen hat, seinen Schrecken nicht weiter verbreiten kann."

Auslöser der Debatte sind die Freudenfeier in den USA über die Tötung des Terrorchefs sowie der Satz Merkels: "Ich freue mich, dass es gelungen ist, Bin Laden zu töten." Dies kritisierte etwa der katholische Militärbischof Franz-Josef Overbeck. "Man kann sich als Mensch und erst recht nicht als Christ über den Tod eines Menschen freuen", sagte er der WAZ-Mediengruppe. Das gelte auch, wenn er ein Gewalttäter war.

Kein Grund zum Feiern

Die stellvertretende Vorsitzende der Unions-Bundestagsfraktion, Ingrid Fischbach, kritisierte, auch christlicher Sicht sei es nicht angemessen, Freude über die gezielte Tötung eines Menschen zu äußern. Bundestags-Vizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt sagte der "Berliner Zeitung": "Als Christin kann ich nur sagen, dass es kein Grund zum Feiern ist, wenn jemand gezielt getötet wird." Die Grünen-Politikerin ist Präses der Synode der Evangelischen Kirche Deutschlands.

Auch aus der FDP kam Kritik. Er habe Merkels Freude über die Tötung mit "Unverständnis" aufgenommen, sagte der FDP-Innen- und Rechtspolitiker Hartfrid Wolff dem "Tagesspiegel". "Ich kann mich über den Tod eines Menschen nicht freuen."

Worte nicht auf die Goldwaage legen

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Dagegen nahm der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag, Polenz, die Kanzlerin in Schutz. "Man darf sehr wohl erleichtert und auch froh darüber sein, dass Bin Laden keine Anschläge mehr planen kann. Im Nachhinein jedes Wort auf die Goldwaage zu legen, ist nicht angemessen." Die Debatte befeuere nur die ohnehin schon kursierenden Verschwörungstheorien um den Tod Bin Ladens. Stattdessen sollte man die wichtige Frage diskutieren, was die Folgen des Todes von Bin Laden seien.

Auch der CDU-Innenpolitiker Wolfgang Bosbach und Generalsekretär Gröhe verteidigten die Kanzlerin. "Man darf sich darüber freuen, dass es den Amerikanern gelungen ist, einen Massenmörder daran zu hindern, sein blutiges Handwerk fortzusetzen", sagte Bosbach dem MDR. Die Worte der Kanzlerin müsse man als Ausdruck der Solidarität und des Mitgefühls mit den USA interpretieren. "Die Bundeskanzlerin hat sich erleichtert darüber gezeigt, dass von diesem Kopf eines weltweit agierenden Terrornetzwerkes keine Gefahr mehr ausgehen kann." Man dürfe nicht vergessen, dass Bin Laden "für den brutalen Mord Tausender unschuldiger Menschen" verantwortlich gewesen sei.

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Quelle: n-tv.de

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