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2500 Flüchtlinge leben in der Region um Calais unter erbärmlichen Zuständen. Sie wollen nach Großbritannien.
2500 Flüchtlinge leben in der Region um Calais unter erbärmlichen Zuständen. Sie wollen nach Großbritannien.(Foto: REUTERS)

Neue Tumulte in Flüchtlingslager: Migranten errichten Feuer-Blockade in Calais

In Calais kommt es erneut zu chaotischen Szenen, als Hunderte Flüchtlinge versuchen, eine Straße zu blockieren, die zum Hafen führt. Die Verzweifelten wollen ihren Ausweg aus dem "Dschungel" nicht kampflos aufgeben - Polizisten reagieren mit Tränengas.

In dem als "Dschungel" bekannt gewordenen illegalen Flüchtlingslager im nordfranzösischen Calais ist es am Mittwochabend zu Zusammenstößen zwischen Hunderten Migranten und Sicherheitskräften gekommen. Die Beamten setzten Tränengas ein, um die Lage unter Kontrolle zu bringen. Bis zu 300 Flüchtlinge hatten versucht, den Verkehr auf der nahen Straße, die zum Hafen führt, durch brennenden Müll und Pflanzenteile zu blockieren.

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Über dem selbst errichteten Lager lag eine dicke Rauchwolke, als die Polizei den Protest gegen 22.00 Uhr beendet hatte. Die örtliche Präfektur hatte zuvor ein Ultimatum gestellt, demzufolge ein etwa hundert Meter breiter Streifen in dem Lager bis zum Nachmittag geräumt werden sollte. Das Gelände liegt nach Angaben der Behörden zu nah an der Straße und sollte aus Gründen der Sicherheit sowohl für die Flüchtlinge als auch für Autos gesperrt werden.

In Calais versuchen Flüchtlinge immer wieder, auf der Straße an Bord von Fahrzeugen nach Großbritannien zu gelangen. Zwei britische Helfer, die versucht hatten, Flüchtlingskinder mitzunehmen, waren zuletzt wegen Menschenschmuggels zu Geld- und Bewährungsstrafen verurteilt worden. Der Großteil des Streifens an der Umgehungsstraße war am Nachmittag vor den Tumulten geräumt worden. Nur vereinzelt blieben verlassene Zelte und Hütten zurück.

"Entsetzliche" Zustände in Calais

Nach Angaben von Ärzte ohne Grenzen übernachten derzeit mehr als 2500 Menschen in der Region unter "entsetzlichen und unhygienischen Bedingungen" im Freien, darunter auch etwa 250 Kinder. In der vergangenen Woche waren in Calais die ersten von 125 festen Wohncontainern eröffnet worden - diese reichen aber nur für etwa 1500 Menschen.

Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen hat deshalb parallel mit dem Bau von winterfesten Zelten begonnen. In den kommenden Wochen sollen in der Gemeinde Grande-Synthe insgesamt 500 Zelte für jeweils fünf Menschen errichtet werden. Die Hilfsorganisation will außerdem Sanitäranlagen installieren. Grande-Synthe liegt nur wenige Dutzend Kilometer von Calais entfernt.

Quelle: n-tv.de

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