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Kim bei der Besichtigung von Verteidigungsanlagen in Nordkorea.
Kim bei der Besichtigung von Verteidigungsanlagen in Nordkorea.(Foto: AP/dpa)

Machtkampf in Nordkorea: Mordanschlag auf Kim enthüllt

Von Solveig Bach

Während Nordkorea immer unverhohlener mit Krieg droht, berichtet eine südkoreanische Zeitung, auf Diktator Kim sei ein Attentatsversuch unternommen worden. Kim sei zwar nicht zu Schaden gekommen, doch der junge Machthaber müsse noch immer darum kämpfen, seine Stellung zu behaupten. Die jüngste Zuspitzung erscheint dadurch in einem neuen Licht.

Nordkoreas Staatschef Kim Jong Un ist im vergangenen Jahr möglicherweise nur knapp einem Anschlag entgangen. Dies berichtet die südkoreanische Zeitung "Joong Ang Ilbo" unter Berufung auf eine Geheimdienstquelle.

Zu dem Angriff sei es während eines Machtkampfes im nationalen Aufklärungsbüro, einer militärischen Dienststelle in Pjöngjang, gekommen. Der Tatsache, dass es einen Anschlagsversuch in der Hauptstadt gegeben habe und nicht etwa bei einer von Kims Reisen in die Provinzen, werde in der nordkoreanischen Führung besondere Bedeutung beigemessen.

Der internen Quelle zufolge gab es im vergangenen Jahr einen heftigen Machtkampf im nordkoreanischen Geheimdienstapparat. Dieser Machtkampf sei von einem Schusswechsel begleitet worden. Das Nationale Aufklärungsbüro war 2009 gegründet worden und ist eine der Schlüsselinstitutionen für die Machtsicherung von Kim Jong Un. Es war durch die Zusammenlegung der nachrichtendienstlichen Abteilungen der Arbeiterpartei und der Streitkräfte entstanden.

Fall und Comeback eines Generals

Hintergrund des Anschlagsversuchs könnte die Degradierung des Generals Kim Jong Chol sein. General Kim, der als einer der engsten Berater des Staatschefs gilt, soll verantwortlich für die Versenkung des Kriegsschiffes "Cheonan" im März 2010 sein. Nordkorea bestreitet, etwas mit dem Untergang zu tun zu haben. Außerdem wird er in Verbindung mit dem Beschuss der Insel Yeonpyeong im November 2012 gebracht.

Kim Jong Chol war im Februar 2012 zum Viersternegeneral befördert, im November aber zum Generalleutnant mit lediglich zwei Sternen degradiert worden. Als er jedoch am 26. Februar Kim Jong Un zu einem Chorkonzert begleitete, wurde er wieder in einer Uniform mit vier Sternen fotografiert. Da es kaum unabhängige Informationen aus dem Land gibt, werden bei den Geheimdiensten alle Dokumente ausgewertet, die die Staatsmedien verbreitet. In der vergangenen Woche hatte Kim Jong Chol im nordkoreanischen Staatsfernsehen verkündet, das Land fühle sich nicht länger an das seit 60 Jahren gültige Waffenstillstandsabkommen auf der koreanischen Halbinsel gebunden.

Eskalation in drei Stufen

Südkoreanische Geheimdienstler glauben, dass Kim Jong Un versucht, einzelne Militärs aufs Abstellgleis zu schieben und so seine Macht zu festigen. Die nordkoreanische Führung verfolge dazu offenbar ein dreistufiges Szenario, um die Angst vor einem Atomkrieg zwischen Nord- und Südkorea zu schüren. Die erste Stufe sei die Verbreitung von Kriegsdrohungen gegen den Süden, verbunden mit der Information, dass ein Krieg unmittelbar bevorstehe.

In einer zweiten Stufe sollen Ausländer gezwungen werden, das Land zu verlassen, weil ihre Sicherheit im Kriegsfall nicht mehr garantiert werden könne. Der dritte Schritt sei dann ein Terroranschlag auf öffentliche Einrichtungen im Süden, vorstellbar sei beispielweise ein Flughafen. Möglich sei aber auch ein Angriff wie der auf die "Cheonan". Mit dieser Strategie wolle Kim Jong Un von der erneut zunehmenden Lebensmittelknappheit ablenken, die sich wahrscheinlich bis zum April massiv verschärfen werde.

Kim Jong Un folgte seinem Vater, dem verstorbenen Kim Jong Il, Ende 2011 als Diktator des hermetisch von der Außenwelt abgeriegelten Staates nach. Die Frage, ob er tatsächlich dazu in der Lage sein würde, Nordkorea genauso wie Kim Jong Il im Alleingang mit eiserner Hand zu lenken, war seither immer wieder ein Gegenstand von intensiven Spekulationen.

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Quelle: n-tv.de

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