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Mubaraks Herrschaft ist Geschichte. Seine Milliarden dürften Ägypten noch ein wenig beschäftigen.
Mubaraks Herrschaft ist Geschichte. Seine Milliarden dürften Ägypten noch ein wenig beschäftigen.(Foto: AP)

Die Milliarden der Diktatoren: Mubarak ist kein Einzelfall

von Ulrich W. Sahm

Über Jahrzehnte hat Ägyptens vertriebener Präsident Mubarak Milliarden gehortet. Die Entrüstung des Westens ist zynisch und unglaubwürdig. Vielleicht sollten Amerikaner und Europäer jetzt darüber nachdenken, Rechnungsprüfer an ihre Botschaften zu entsenden.

Das von Ex-Präsident Husni Mubarak beiseite geschaffte Vermögen wird auf 40 bis 70 Milliarden Euro geschätzt. Genaue Summen kennt niemand, und die Europäer beeilen sich jetzt, die Konten von Mubarak und seiner Familie zu sperren. Mubarak hat also in den 30 Jahren seiner Präsidentschaft in etwa so viel Geld beiseite geschafft, wie die Amerikaner seit dem Friedensvertrag mit Israel in Form von Wirtschafts- und Militärhilfe nach Ägypten gepumpt haben.

Erstaunlich ist, wie schnell plötzlich alle Welt über Mubaraks Reichtum informiert ist, aber offenbar selbst die Amerikaner nichts von der persönlichen Bereicherung des Präsidenten wussten. Die Entrüstung der Europäer klingt zynisch und unglaubwürdig, wenn jetzt die Schweizer Banken und die britische Regierung innerhalb von Tagen wissen, wo Mubarak investiert hat.

Mubarak ist freilich kein Einzelfall. Erst als Jassir Arafat in Paris im Sterben lag, wurde auch über sein persönliches Vermögen diskutiert. Bis dahin schauten die Europäer geflissentlich weg und wollten von Korruption in den Palästinensergebieten nichts wissen. Munter pumpten sie Milliardenbeträge nach Ramallah, um beim Aufbau von "Palästina" mitzuhelfen. Das amerikanische Wirtschaftsmagazin "Forbes" reihte den Palästinenserführer schon 2003, also noch vor seinem Tod, unter die zehn reichsten Herrscher der Welt mit einem vermeintlichen Vermögen von "nur" 300 Millionen Dollar.

Übertrumpft wurde Arafat vom Kronprinzen von Saudi-Arabien, dem Sultan von Brunei, Hans Adam II. von Liechtenstein, dem irakischen Präsidenten Saddam Hussein und der britischen Königin Elisabeth II. Nach Arafat folgten die niederländische Königin und Kubas Präsident Fidel Castro. Sie alle hatten, wie "Forbes" anmerkte, ihre Vermögen nicht durch "erfolgreiches Unternehmertum" angehäuft wie Bill Gates oder Warren Buffet.

In neueren Listen hochvermögender Staatschefs stehen die Namen vieler arabischer Ölscheichtümer neben dem König von Thailand, Silvio Berlusconi, Chiles Präsident und des ehemaligen Premierministers von Libanon, Saad Hariri, dessen ermordeter Vater Rafik Hariri seine Millionen in Saudi-Arabien angehäuft hat. Als "unsäglich korrupt" bezeichnete ein israelischer Experte den pakistanischen Präsidenten Asif Ali Zardari, den Witwer der ermordeten Benazir Bhutto. Sein Vermögen wird auf 1,8 bis 4 Milliarden Dollar geschätzt. Sogar in Afrika gibt es Multimillionäre, etwa den König von Swasiland, Mswati III., der für seine vielen Autos, vielen Paläste und vielen Frauen bekannt ist.

Arafats Geheimkonten wurden bis heute nicht gefunden und werden wohl auch nicht sehr intensiv gesucht, obgleich es sich zweifelsfrei um Gelder handelt, die er seinem Volk gestohlen hat. Die Frau des tunesischen Präsidenten Zinedine Ben Ali soll bei ihrer Flucht 1,5 Tonnen Goldbarren mitgenommen - ihr Mann wird in den Listen der Millionäre nicht einmal aufgeführt. Angesichts der Aufregung über das Vermögen des ägyptischen Präsidenten wäre es vielleicht an der Zeit, dass die Amerikaner, Europäer und andere Geberländer an ihre Botschaften nicht nur Wirtschafts- und Militärattachés aussenden, sondern auch Rechnungsprüfer.

Quelle: n-tv.de

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