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Viele Menschen fliehen aus Sri Lanka nach Australien. Doch dann landen sie in Lagern auf der Weihnachtsinsel mitten im Indischen Ozean.
Viele Menschen fliehen aus Sri Lanka nach Australien. Doch dann landen sie in Lagern auf der Weihnachtsinsel mitten im Indischen Ozean.(Foto: REUTERS)

Australien verbannt Flüchtlinge: Mütter versuchen Suizid wegen Abschiebung

Australien verbannt tausende Flüchtlinge aus Südasien auf entlegene Inseln und nennt das Asyl. Nun begehen immer mehr Mütter eine Verzweiflungstat - in Hoffnung auf Gnade für ihre kleinen Kinder. Die Regierung spricht von "moralischer Erpressung".

In einem australischen Asylbewerberlager haben mehrere Frauen Selbstmordversuche verübt, um die Chance ihrer Kinder auf Asyl zu verbessern. In nur zwei Tagen hätten auf der Weihnachtsinsel sieben Frauen Selbstmordversuche unternommen, mit Selbstmord gedroht oder sich selbst verletzt, erklärte die australische Menschenrechtskommission. Premierminister Tony Abbott nannte dies "erschütternd", warnte aber, seine Regierung werde sich nicht erpressen lassen.

Eine Sprecherin der Menschenrechtskommission sagte, in den vergangenen Wochen seien bereits 13 Fälle von Asylbewerberinnen bekannt geworden, die versucht oder damit gedroht hätten, sich umzubringen. "Sie sagen, die Babys werden eine bessere Chance im Leben haben, wenn ich tot bin", sagte der Bezirksratsvorsitzende der nordwestlich vom australischen Festland liegenden Weihnachtsinsel, Gordon Thompson. Dies sei eine "schockierende Folgerung", in dem Flüchtlingslager herrsche jedoch ein "Zustand der Hilflosigkeit".

Gemäß der höchst umstrittenen Asylpraxis Australiens werden Bootsflüchtlinge in Lagern in Papua-Neuguinea oder im Pazifikstaat Nauru interniert. Selbst wenn sie als politische Flüchtlinge anerkannt werden, dürfen sie nicht nach Australien kommen, sondern müssen dort bleiben. Laut dem "Sydney Morning Herald" versuchten die Frauen sich das Leben zu nehmen, nachdem ihnen diese Woche mitgeteilt wurde, dass sie von der Weihnachtsinsel nach Papua-Neuguinea oder Nauru gebracht werden sollten.

"Kapitulieren nicht vor moralischer Erpressung"

Premierminister Abbott betonte, die Flüchtlinge seien auf Nauru "keiner Art von Verfolgung ausgesetzt". "Sie werden eingekleidet, sie werden untergebracht, sie werden ernährt, und vor allem sind sie in Sicherheit", sagte er dem Fernsehsender Channel Nine. Es sei nicht akzeptabel, dass Flüchtlinge damit drohten, sich selbst Schaden zuzufügen, wenn sie in Australien keine Aufenthaltsgenehmigung bekämen. "Ich glaube nicht, dass irgendein Australier wollen würde, dass wir vor moralischer Erpressung kapitulieren", sagte der konservative Politiker, der eine besonders harte Haltung in der Asylpolitik vertritt.

Oppositionsführer Bill Shorten von der Labor-Partei sagte, offenbar wolle Abbott nicht wahrhaben, dass die Flüchtlinge "Menschen in der Obhut Australiens" seien. Die Grünen-Politikerin Sarah Hanson-Young warf der Regierung vor, Menschen bis an den "Punkt der Selbstzerstörung" zu drängen. Es sei "erschreckend", wenn eine Mutter an den Punkt gebracht werde, dass sie sich für ihre Kinder opfern wolle.

Australien steht derzeit auch wegen des Falls von 153 Flüchtlingen aus Sri Lanka unter Druck, die auf einem Grenzschutzschiff festgehalten werden. Ihre Anwälte bezeichnen ihre Zwangsrückführung nach Sri Lanka als illegal. Das Oberste Gericht will demnächst darüber entscheiden.

Zudem gibt es Vorwürfe, dass Flüchtlinge, die bereits nach Sri Lanka abgeschoben wurden, misshandelt wurden. Sie warfen den australischen Zollbeamten unter anderem vor, ihnen nur wenig zu Essen gegeben und sie "schlechter als Hunde" behandelt zu haben. Einwanderungsminister Scott Morrison bezeichnete die Vorwürfe bei einem Besuch in Sri Lankas Hauptstadt Colombo als "beleidigend" und wies sie strikt zurück.

Quelle: n-tv.de

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