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Rechtzeitig zum Ramadan soll die neue Zentralmoschee des Ditib in Köln fertig sein. Die Türkische-Islamische Union ist für einen Anspruch auf muslimische Feiertage, allerdings nicht für einen flächendeckenden islamischen Feiertag.
Rechtzeitig zum Ramadan soll die neue Zentralmoschee des Ditib in Köln fertig sein. Die Türkische-Islamische Union ist für einen Anspruch auf muslimische Feiertage, allerdings nicht für einen flächendeckenden islamischen Feiertag.(Foto: picture alliance / dpa)

Islamischer Feiertag für Deutschland?: Muslime kritisieren Kolats Vorstoß

Von Issio Ehrich

Muslime wünschen sich einen flächendeckenden islamischen Feiertag für alle. Heißt es. Tatsächlich gibt es Muslime, die den Vorschlag des Vorsitzenden der Türkischen Gemeinde, Kolat, für unsensibel und zu weitgehend halten.

Ostern, Weihnachten, Opferfest - der Vorsitzende der türkischen Gemeinde, Kenan Kolat, hat zusätzlich zu den christlichen Feiertagen einen gesetzlichen islamischen Feiertag in Deutschland gefordert. Mit seinem Vorstoß löst er allerdings selbst bei einigen Muslimen kritische Reaktionen aus. Sie reichen von Stilkritik bis hin zu grundlegender Ablehnung.

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Die Forderung Kolats drang ausgerechnet kurz vor einem ersten Treffen des neuen Innenministers Thomas de Maizière mit den muslimischen Verbänden, die an der Islamkonferenz teilnehmen, an die Öffentlichkeit. Fast schon flapsig kam sie daher, da der CDU-Politiker die Verbände zuvor umgarnt hatte. Er lud sie ein, ihre Erwartungen an die nächste Islamkonferenz mit ihm zu teilen.

De Maizière distanzierte sich so deutlich vom heftig kritisierten Kurs seines Vorgängers Hans-Peter Friedrich, der die Konferenz vornehmlich als Plattform sah, um die Gefahren des politischen Islams in Deutschland zu thematisieren. Kolat konfrontierte de Maizière vor dem Treffen trotzdem mit der Feiertags-Forderung, obwohl sie in der Partei des Innenministers auf absehbare Zeit kaum mehrheitsfähig sein dürfte.

Dialog statt Druck

Viel zu forsch, viel zu undiplomatisch bei einem derart heiklen Thema, davon zeigt sich Turgut Yürksel, der als Vertreter säkularer Muslime in der deutschen Islamkonferenz bekannt, ist, überzeugt: "Man muss mit dem Thema sensibel umgehen. Es reicht nicht, wenn man es parolenmäßig in die Öffentlichkeit einbringt", sagte er n-tv.de.

"Die deutsche Gesellschaft ist sehr viel reifer geworden in dieser Frage."
"Die deutsche Gesellschaft ist sehr viel reifer geworden in dieser Frage."(Foto: picture alliance / dpa)

Zwar hält es auch Yüksel für angebracht, über Ramadan und Opferfest zu sprechen. "Feiertage sind die besten Gelegenheiten, um Menschen zusammenzubringen", sagte er. Ihm wäre es aber lieber gewesen, einen Dialog zwischen Muslimen und Mehrheitsgesellschaft anzustoßen, statt mit Forderungen, Druck aufzubauen. Im Mittelpunkt eines solchen Dialogs sollte die Frage stehen, ob ein zusätzlicher Feiertag integrationsfördernd wirken könnte.

Die Türkisch Islamische Union Ditib hält die Forderung nach einem deutschlandweiten Feiertag grundsätzlich für zu weitgehend. "Als muslimische Religionsgemeinschaft haben wir zu jeder Gelegenheit zum Ausdruck gebracht, dass wir auch staatskirchenrechtlich als Religionsgemeinschaft und Körperschaft anerkannt werden wollen", sagte Bekir Alboga n-tv.de. Das heißt für das Ditib-Vorstandsmitglied aber nicht, dass Ramadan und Opferfest denselben Status erlangen wie Ostern und Weihnachten. Statt auf einen zusätzlichen flächendeckenden Feiertag für alle, der volkswirtschaftlich womöglich ein heftiger Einschnitt wäre, setzt Alboga darauf, dass Muslime einen Anspruch auf bestimmte Feiertage geltend machen können, wenn sie die Feiertag begehen möchten. Sie könnten sich dann vom Arbeitgeber freistellen lassen. Eine Regelung, die dem pragmatischen Umgang mit muslimischen Schulkindern nahe kommt, die sich für bestimmte religiöse Feste vom Unterricht beurlauben lassen können. Auch der Zentralrat der Muslime befürwortet einen solchen Anspruch auf Feiertage.

Kein Vergleich zur Debatte in anderen säkularen Staaten

Obwohl Kolats Vorstoß für Aufsehen sorgte, die Stimmung beim Treffen der Verbände mit de Maizière konnte er kaum trüben. Am Montag einigten sie sich darauf, bis Mitte März ein Gerüst für die nächste Islamkonferenz zu entwerfen, das Themen, Ziele, Strukturen und den Aufbau der Veranstaltung umfasst. Das lag zum einen an der neuen Offenheit, die mit de Maizière ins Innenministerium eingezogen ist. Vielleicht aber auch ein wenig daran, dass verglichen mit den Feiertags-Debatten in einigen anderen Staaten die Zurückhaltung und Vorsicht auch bei der Türkischen Gemeinde als groß gelten muss.

In einem Thesenblatt der Organisation, das vor der ersten Islamkonferenz 2006 entstand, heißt es noch: "Die Diskussion um einen islamischen Feiertag ist sicherlich symbolisch wichtig. Aufgrund der wirtschaftlichen Lage der Bundesrepublik Deutschland wäre ein solcher Vorschlag zur Zeit nicht umsetzbar und auch nicht vorrangig." Damals, erklärte Kolat, war die Angst vor einer großen Debatte einfach zu groß. In den Jahren nach dem Attentat des 11. September 2001 sei der Blick auf den Islam noch ein anderer gewesen. Mittlerweile sei es aber angebracht, weiter zu gehen. "Die deutsche Gesellschaft ist sehr viel reifer geworden in dieser Frage", sagte er. Die Bürger sähen nun mehr die unterschiedlichen Facetten des Islam. Volkswirtschaftlich hält er den zusätzlichen Feiertag für alle zudem für vertretbar. Und integrationsfördernd sei er obendrein: "Wenn ich Anerkennung bekomme, fühle ich mich stark. Wer sich stark fühlt, kann sich öffnen", so Kolat.

Beim Blick über die Grenzen der Bundesrepublik hinaus, erscheint Kolats Vorgehen vor diesem Hintergrund nicht wie ein Vorpreschen, sondern eher wie ein vorsichtiges Herantasten an eine religiöse Gleichberechtigung. Im laizistischen Frankreich entbrannte im vergangenen Sommer nicht nur eine Auseinandersetzung darüber, jeweils einen muslimischen und einen jüdischen Feiertag einzuführen, sondern auch darüber, zugleich zwei christliche Feiertage abzuschaffen, um für größere Gerechtigkeit zu sorgen. In den Vereinigten Staaten müssen sich Christen genauso wie Muslime und Juden seit jeher für ihre religiösen Feiertage frei nehmen. Einzige Ausnahme ist der 25. Dezember. Von Maximalforderungen kann in der Bundesrepublik also kaum die Rede sein. Kolat sagte: "Ich wäre dagegen, dass man auf Weihnachten verzichten muss."

Quelle: n-tv.de

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