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Bei einem Protest in Frankfurt am Main.
Bei einem Protest in Frankfurt am Main.(Foto: picture alliance / dpa)

Analog zum Buß- und Bettag: Muslime wollen eigene Feiertage

Die Muslime in Deutschland machen sich für die Anerkennung eigener Feiertage stark. Dies würde die Toleranz unterstreichen, heißt es. Dabei geht es nicht um arbeitsfreie Tage für alle, sondern auf ein Recht auf berufliche und schulische Freistellung an jenen Tagen. Auch in Deutschland gibt es mit dem Buß- und Bettag einen nicht-gesetzlichen christlichen Feiertag.

Mazyek sieht einen Vorteil auch in der Möglichkeit es Diensttauschs.
Mazyek sieht einen Vorteil auch in der Möglichkeit es Diensttauschs.(Foto: picture alliance / dpa)

Der Zentralrat der Muslime in Deutschland hat die Einführung gesetzlicher islamischer Feiertage in ganz Deutschland angeregt. Der Zentralrats-Vorsitzende Aiman Mazyek schlug je einen Tag im Fastenmonat Ramadan und in der Zeit des islamischen Opferfestes vor. Das wäre "ein wichtiges integrationspolitisches Zeichen" und würde "die Toleranz in unserer Gesellschaft" unterstreichen, sagte Mazyek in den Zeitungen der "WAZ"-Gruppe.

Dabei geht es nicht um arbeitsfreie Tage für alle Bürger, sondern um die Anerkennung hoher islamischer Feiertage. Unlängst wurde in Hamburg ein solcher Vertrag zwischen der Hansestadt und seinen islamischen und alevitischen Religionsgemeinschaften geschlossen. Demnach erhalten dort die islamischen Feiertage nun den selben Status wie nicht-gesetzliche christliche Feiertage, etwa der Buß- und Bettag. Die Gesetze schaffen unter anderem ein Recht auf berufliche Freistellung an religiösen Feiertagen und regeln die Mitwirkung der Verbände an der Weiterentwicklung des Religionsunterrichts. Der Buß- und Bettag ist in Deutschland, mit Ausnahme Sachsens, kein arbeitsfreier Feiertag mehr.

An hohen religiösen Feiertagen können sich Hamburger Muslime und Aleviten nun bei ihrem Arbeitgeber auf Antrag ebenso unbezahlt freistellen lassen wie ihre christlichen Kollegen. Schüler werden auf Wunsch von der Schule beurlaubt. Die Regelung bezieht sich aber nur auf jene Feier- und Festtage, die freiwillig aus religiöser Überzeugung begangen werden. Eine Einführung neuer gesetzlicher Feiertage wie Weihnachten oder Ostern ist mit der Vereinbarung nicht verbunden.

Vorteile durch Diensttausch

Mazyek sieht einen weiteren Vorteil auch in der Arbeitswelt. So könnten zum Beispiel bei der Polizei muslimische Beamte für Kollegen einspringen, die an Ostern gerne freinähmen, sagte er.

Nordrhein-Westfalens Sozialminister Guntram Schneider (SPD) hält eine Ausweitung der gesetzlichen Feiertage hingegen für "wirtschaftlich nicht finanzierbar". Eine sinnvolle Lösung könne aber eher so aussehen, "dass die Betriebe ihren nicht-christlichen Mitarbeitern an deren höchsten gesetzlichen Feiertagen Urlaubstage gewähren bzw. ausgleichsfrei geben, dort wo es Arbeitszeitkonten gibt".

Quelle: n-tv.de

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