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Der Euro Hawk soll nur mit NSA-Codes steuerbar gewesen sein.
Der Euro Hawk soll nur mit NSA-Codes steuerbar gewesen sein.(Foto: REUTERS)

US-Geheimdienst entwickelte Verschlüsselungstechnik: NSA hatte Euro-Hawk-Steuerung in der Hand

Die NSA lieferte entscheidende Bauteile für den Euro Hawk. Wie jetzt bekannt wird, wurde über sie die Steuerung der Drohne kodiert. Ohne Entschlüsselungscodes der NSA wäre das Fluggerät nutzlos gewesen.

Der Betrieb der geplanten Aufklärungsdrohne Euro Hawk war wohl vom guten Willen des US-Geheimdienstes NSA abhängig. Die Daten für die Steuerung der Drohne und die aufgenommenen Bilder sollten zusammen verschlüsselt und an die Bodenstation gesendet werden. Für die Entschlüsselung dieses Signals wäre die Bundeswehr auf Technik der NSA angewiesen, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf interne E-Mails im Bundesamt für Wehrtechnik und Beschaffung (BWB) sowie auf Akten der Luftwaffe.

In der vergangenen Woche war bekannt geworden, dass die Verzögerungen beim Euro Hawk auch auf fehlende Teile zurückzuführen war, die von der NSA geliefert werden sollten. Diese Teile dienten offensichtlich dem Verschlüsseln und Übertagen von Daten.

Gemeinsame Nutzung von Euro-Hawk-Daten

Das Verteidigungsministerium hatte am Donnerstag behauptet, dass die Komponenten von der NSA nur für das Trägersystem, nicht aber für die Aufklärungseinheit gedacht seien. Aus den nun bekannt gewordenen Akten geht aber hervor, dass es in Bezug auf die Datenübertragung eine solche Trennung gar nicht gibt. Das Trägersystem "Global Hawk", also die Drohne an sich, kommt vom US-amerikanischen Unternehmen Northrop Grumman. Das Spähsystem "Isis" wird vom europäischen Unternehmen Cassidian hergestellt.

Deutschland und die USA hatten beschlossen, die gewonnenen Aufklärungsdaten gemeinsam zu nutzen. Die neuen Informationen werfen nun aber die Frage auf, ob die USA die Daten des Euro Hawk auch direkt, also ohne deutsche Einwilligung hätten bekommen können. Außerdem hätte die NSA durch die Kontrolle der Verschlüsselungstechnik den Betrieb der Drohne eventuell ganz unmöglich machen können.

Grund für die Verwendung von NSA-Komponenten war wohl der technische Vorsprung in den USA: Die Deutschen hätten die Verschlüsselungsgeräte nicht selbst herstellen können. Alternativen habe es - zumindest beim Start des Projekts - nicht gegeben, heißt es in einem Schreiben des Generalinspekteurs der Bundeswehr von 2001.

NSA brauchte halbes Jahr für Antwort

Eine weitere Begründung ist die Vorgabe, das deutsche System solle mit dem US-amerikanischen kompatibel sein. Eine Absichtserklärung zwischen den Verteidigungsministerien beider Länder von 2006 legte dafür die Bedingungen fest: "Ein gemeinsames Format für Data-Link-Nachrichtensätze sowohl im Luftfahrzeug als auch in der Bodenstation", "ein System zur Kommunikation mit Bodenstation einschließlich Common Data Link Waveform", "sichere Routing-Fähigkeit für den Downlink von Nachrichtengewinnungs-, Überwachungs- und Aufklärungsdaten über Bodenstationen", und "die verarbeiteten Nutzlastdaten sollten in einem von beiden Teilnehmern nutzbaren Format sein".

Die Zusammenarbeit mit der NSA führte zu großen Verspätungen bei der Entwicklung des Euro Hawk. Die "verspätete Beistellung von Geräten und Komponenten durch die US Air Force und die National Security Agency" sei mitverantwortlich für eine 35-monatige Verzögerung. Einmal soll der US-Geheimdienst eine Lieferung abgelehnt haben, weil deine Zahlung fehlte. "Für diese Antwort brauchte die NSA fast ein halbes Jahr!", schrieb ein Mitarbeiter des deutschen Beschaffungsamtes. "Da fühlt man sich wirklich veräppelt!"

Unterdessen ist weiterhin unklar, wann Verteidigungsminister Thomas de Maizière von den Problemen hätte wissen können, die letztlich zum Abbruch des Projekts führten. Die "Bild am Sonntag" berichtet, das Beschaffungsamt habe schon 2010 Northrop Grumman mitgeteilt, dass der Euro Hawk nicht die Anforderungen für den regulären Flugbetrieb in Europa erfüllt.

Weiter heißt es, der Drohnen-Hersteller Northrop habe bereits 2010 gewusst, dass der "Euro Hawk" keine Zulassung für den Flugbetrieb in Europa bekommen würde. Manager James Kohn habe dann einen trickreichen Ausweg gefunden, ein Scheitern des Projektes abzuwenden und die bereits produzierte Demo-Drohne zu einem "Prototypen Plus" umetikettieren lassen.

Quelle: n-tv.de

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