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"Hallo Angela, hast du zufällig die private Nummer von dem Franzosen, Hollande?"
"Hallo Angela, hast du zufällig die private Nummer von dem Franzosen, Hollande?"(Foto: Reuters)

Achtung, USA hören mit!: NSA überwachte 35 Staatschefs

Bundeskanzlerin Merkel ist nicht die einzige Regierungschefin, die vom US-Geheimdienst NSA abgehört wurde. Aus einem Geheimpapier aus den Beständen von Whistleblower Edward Snowden geht hervor, dass die NSA gezielt Telefonnummern von hochrangigen Politikern sammelt. Dafür benutzt sie auch die Diplomaten der USA.

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Die National Security Agency der USA hat die Telefonate von 35 Staats- und Regierungschefs abgehört. Das berichtet der "Guardian" unter Berufung auf ein Geheimpapier, das der frühere NSA-Mitarbeiter Edward Snowden der britischen Zeitung zur Verfügung gestellt hat.

Die vertrauliche Notiz zeigt, dass der US-Geheimdienst seine hochrangigen Mitarbeiter aufrief, bei seinen "Kunden" - also Regierungsstellen wie dem Weißen Haus, dem Außen- und dem Verteidigungsministerium - ihre "Rolodexes" weiterzugeben, damit die NSA an die Telefonnummern von führenden Politikern aus dem Ausland kommt. Ein Rolodex ist eine klassische Rollkartendatei, mit der Adressen sortiert werden.

Aus dem Dokument geht laut "Guardian" hervor, dass ein Beamter 200 Telefonnummern übergab, darunter 35 von Staats- und Regierungschefs. Namen finden sich in dem Dokument nicht. Damit ist jedoch klar, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel nicht die einzige Regierungschefin sein dürfte, die von der NSA bespitzelt wurde.

Die Notiz, aus der der "Guardian" zitiert, stammt vom Oktober 2006 und wurde vom "Signals Intelligence Directorate" (SID), einer NSA-Abteilung, die für die elektronische Aufklärung zuständig ist, veröffentlicht. Ihr Titel lautet: "Kunden können SID helfen, erfassbare Telefonnummern zu erlangen".

Das Papier gibt auch ein Beispiel: "In einem jüngeren Fall stellte ein US-Regierungsvertreter der NSA 200 Telefonnummern von 35 Staats- und Regierungschefs zur Verfügung." Obwohl die meisten dieser Nummern wahrscheinlich frei zugänglich seien, seien doch 43 bislang unbekannte Nummern dabei gewesen. Diese Nummern seien "bearbeitet" worden.

Allerdings wird in der Notiz eingeräumt, dass dabei "wenig berichtspflichtige Informationen" herausgekommen seien, da diese besonderen Telefonnummern "offenbar nicht für sensible Diskussionen benutzt wurden". Allerdings hätten die Nummern zu weiteren Telefonnummern geführt, die nun ebenfalls "bearbeitet" würden.

Der "Guardian" schreibt, man habe die Regierung von US-Präsident Barack Obama um eine Stellungnahme gebeten. Regierungssprecher hätten jedoch eine Antwort verweigert und stattdessen auf frühere Erklärungen verwiesen. Der Sprecher des Weißen Hauses, Jay Carney, hatte zuvor erklärt, die NSA-Enthüllungen "haben eindeutig für Spannungen in unserem Verhältnis zu einigen Ländern geführt, und wir kümmern uns durch diplomatische Kanäle darum". Carney sagte weiter: "Dies sind sehr wichtige Beziehungen, sowohl ökonomisch als auch für unsere Sicherheit, und wir werden daran arbeiten, möglichste enge Kontakte zu erhalten."

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Quelle: n-tv.de

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