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Nach dem Angriff am Rathaus. Dortmund hat eine kleine, aber aktive Neonazi-Szene - bei der Wahl erreichten sie rund ein Prozent der Stimmen und sind damit im Stadtrat vertreten.
Nach dem Angriff am Rathaus. Dortmund hat eine kleine, aber aktive Neonazi-Szene - bei der Wahl erreichten sie rund ein Prozent der Stimmen und sind damit im Stadtrat vertreten.(Foto: dpa)

Eklat am Wahlabend: Neonazis stürmen Dortmunder Rathaus

Eigentlich ist bei den Kommunalwahlen in Dortmund alles wie immer. Die SPD siegt klar vor der CDU, heile Ruhrgebietswelt eben. Doch dann passiert es: Neonazis stürmen das Rathaus.

Rund 20 Neonazis haben in Dortmund versucht, das Rathaus zu stürmen. Nach der Kommunalwahl hatten sich die Lokalpolitiker und Bürger in dem Gebäude am Friedensplatz versammelt und feierten gemeinsam den Wahlausgang. Plötzlich stürmte ein Haufen junger Männer auf den Platz und versuchte, in das Rathaus einzudringen. Sie trugen gelbe T-Shirts und hätten mit Fans von Borussia Dortmund verwechselt werden können - doch ein genauerer Blick zeigte, dass es sich um Neonazis handelte. Auf den T-Shirts stand laut WDR "Weg mit dem NWDO-Verbot" - "NWDO" steht für die Kameradschaft "Nationaler Widerstand Dortmund", die vor zwei Jahren verboten wurde.

Wie die Ruhr Nachrichten (RN) berichten, wurden zehn Menschen verletzt. Die meisten wurden durch Tränengas beeinträchtigt, einer erlitt eine Platzwunde am Kopf. Laut RN handelt es sich dabei um den örtlichen Spitzenkandidaten der Piraten-Partei. Einigen Neonazis sei es tatsächlich gelungen, in das Rathaus zu gelangen. Dort haben sie aber offenbar nur ein Plakat der Grünen gestohlen. Wie der WDR berichtet, sollen die Rechten "Ausländer raus" gegrölt haben und die erste Strophe des Deutschland-Liedes. Laut "Ruhrbaronen" zeigt ein Foto, wie einer der Angreifer im Begriff ist, eine Flasche zu werfen.  

Von der Polizei war offenbar lange nichts zu sehen. Stattdessen hätten sich rund 100 Bürger vor das Rathaus gestellt und so Schlimmeres verhindert. Wie die Polizei dem WDR sagte, seien darunter auch viele Politiker gewesen, laut einer Linkenpolitikerin aber auch Mitglieder der Antifa. Als die Ordnungshüter dann doch noch eintrafen, hätten sie die Lage mit einem Großaufgebot unter Kontrolle gebracht. Einem "Heerlager" habe der Friedensplatz schließlich geglichen, heißt es in den RN.

Neonazi im Stadtrat

Unter den Angreifern sei neben dem ehemaligen Chef der Feuerwehr auch ein stadtbekannter Rechtsradikaler gewesen, der sich als Kandidat einer rechten Splitterpartei um einen Sitz im Stadtrat bewarb. Nur ein Prozent der Wähler stimmten für die Gruppierung, die aus dem "NWDO" hervorging. Laut "Ruhrbarone" ist damit so gut wie sicher, dass ein Mitglied dieser Partei im Stadtrat sitzen wird.  Die Wahlbeteiligung lag laut RN bei 45 Prozent.

Dortmund galt lange unter Neonazis als eine ihrer Hochburgen. Jährlich organisieren sie eine große Demo, zu der aus dem ganzen Land Teilnehmer strömen. Die Gegendemonstration ist allerdings jedes Jahr weitaus größer.

Quelle: n-tv.de

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