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Das mysteriöse Nordkorea beunruhigt die Welt.
Das mysteriöse Nordkorea beunruhigt die Welt.(Foto: dpa)

Länder sollen Botschaften räumen: Nordkorea drängt auf Evakuierung

Von Jochen Müter

Kim Jong Un dreht weiter auf. Sein jüngster Streich, um die Welt zu beeindrucken: Er fordert alle Länder auf, die Evakuierung ihrer Vertretungen zu prüfen. Kurz zuvor lässt er eine weitere Rakete an der Ostküste aufstellen - Richtung USA und Japan. Washington sichert derweil seine unter anderem auf der Insel Guam stationierten Soldaten.

Die südkoreanischen Soldaten sind in höchster Alarmbereitschaft.
Die südkoreanischen Soldaten sind in höchster Alarmbereitschaft.(Foto: dapd)

Nordkorea manövriert sich zunehmend in eine Sackgasse. Und zwar in eine, die sehr gefährlich werden kann. Der junge Machthaber Kim Jong Un fährt seit Wochen den Kurs der Provokation. Er spricht diverse Drohungen aus, die letztlich darin münden, dass sich die Welt inzwischen Sorgen um einen Atomkrieg macht. In den letzten Stunden lässt Kim Raketen an der Ostküste Nordkoreas stationieren – Richtung Japan und USA. Und: Er warnt andere Nationen davor, ihre Botschaftsmitarbeiter im Land zu lassen. Es sollten Evakuierungsmaßnahmen in Betracht gezogen werden, lässt das Regime verbreiten. Auch von Deutschland. Die Sicherheit der diplomatischen Vertretungen könne ab dem 10. April nicht mehr gewährleistet werden.

Eine solche Warnung ist mit einem großen Angst-Erfolg verbunden, wenn sie öffentlich wird – ohne, dass sie etwas kostet oder gar wirklich ernst gemeint sein muss. Russland etwa reagierte entspannt auf die Mitteilung. In Pjöngjang sei es derzeit vollkommen ruhig, sagte Diplomat Denis Samsonow. "Wir beobachten keinerlei Spannungen." Aus dem Auswärtigen Amt heißt es, die Sicherheitslage werde kontinuierlich geprüft.

Tatsächlich klafft zwischen den markigen Worten des Diktators und dem tatsächlichen Geschehen eine Lücke. Westliche und russische Geheimdienste sehen etwa keine Anzeichen für eine echte Kriegsvorbereitung, alle Satellitenbilder seien unauffällig, heißt es. Und die beiden Raketen an der Ostküste? Selbst wenn Nordkorea wirklich atomare Sprengköpfe besitzt, dann müssten diese auch ins Ziel gebracht werden. Dem Land ist ein solcher Raketenflug jedoch noch nie gelungen.

Diktator in Rage?

Die USA fahren groß auf.
Die USA fahren groß auf.(Foto: U.S. Navy)

Die eigentliche Gefahr liegt daher in zwei Dingen. Erstens, dass irgendwer irgendwann mal aus Versehen das Falsche tut – und die Krise in einer unerwünschten Kettenreaktion massiv eskaliert. Und zweitens, dass Kim Jong Un und sein engster Kreis sich so in Rage geredet haben, dass nichts anderes übrig bleibt, als militärischen Aktionismus zu betreiben. Allein, um das Gesicht nicht zu verlieren.

Beobachter rechnen inzwischen damit, dass anlässlich des 100. Geburtstags des Staatsgründers Kim Il Sung irgendetwas geschieht. Diese These erhält Nahrung dadurch, dass das Regime großen Wert legt auf symbolträchtige Prozeduren. Ist also ein Artilleriebeschuss des verhassten Bruderlandes aus Anlass eines Geburtstages denkbar? Ja, das ist er. Der Kim-Clan denkt so egozentrisch. Und die führenden Militärs haben den Wunsch, sich stark zu fühlen. Um ein kleineres militärisches Scharmützel wird das geteilte Korea wohl kaum noch herumkommen.

Außenminister Guido Westerwelle rief unterdessen den nordkoreanischen Botschafter zu sich. Die Bundesregierung habe dabei "die sehr große Sorge" wegen der von Nordkorea zu verantwortenden Eskalation zum Ausdruck gebracht. Die jüngsten Drohungen Pjöngjangs seien "in Ton und Sache in keiner Weise für die Bundesregierung akzeptabel". International sei eine "entschlossene und geschlossene Reaktion auf diesen unverantwortlichen Drohkurs" wichtig, heißt es aus dem Auswärtigen Amt.

An dieser Geschlossenheit fehlt es im Grunde nicht. Neben Washington hat auch Moskau Kim bereits aufgefordert, seine Kriegsrhetorik unverzüglich zu beenden. Auch China sendete deutliche Signale – und dürfte im Stillen gerade dabei sein, den wilden Kim zu zügeln und eine Exit-Strategie mit ihm zu entwickeln.

Die USA wollen sich augenscheinlich nicht darauf verlassen, dass die internationale Geschlossenheit Kim beeindruckt. Zwar zeigt sich die US-Administration betont gelassen, leitete aber "alle notwendigen Vorsichtsmaßnahmen" ein. Das Pentagon will in Kürze eine Raketenabwehr auf Guam installieren. Das Militär beorderte in den vergangenen Tagen bereits zahlreiche Kampfflugzeuge und Zerstörer in die Region. Auf der rund 3400 Kilometer südöstlich von Nordkorea gelegenen Insel sind immerhin 6000 US-Soldaten stationiert. Washington wird sie um jeden Preis schützen.

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Quelle: n-tv.de

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