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Die Nordkoreaner feiern ihren Raketentest als großen Erfolg.
Die Nordkoreaner feiern ihren Raketentest als großen Erfolg.(Foto: AP)

Kim kündigt weitere Starts an: Nordkoreaner feiern Rakete

Mit einer Trägerrakete schießt Nordkorea einen Satelliten ins All. In der Hauptstadt Pjöngjang feiern daraufhin Hunderttausende ausgelassen. Kim Jong Un spricht schon von den nächsten Raketentests. Unter merkwürdigen Umständen kommt der Diktator im Ausland unterdessen zu einer großen Auszeichnung.

Das Militärorchester war auch mit von der Partie.
Das Militärorchester war auch mit von der Partie.(Foto: AP)

Hunderttausende Soldaten und Zivilisten haben im Zentrum von Pjöngjang den jüngsten nordkoreanischen Raketentest gefeiert. Die Menge auf dem Kim-Il-Sung-Platz bejubelte Reden von ranghohen Militärs sowie Regierungs- und Parteivertretern, die den Erfolg des Tests feierten, wie das Staatsfernsehen zeigte. Der Raketentest sei ein Verdienst der "endlosen Loyalität, des Muts und der Weisheit" von Machthaber Kim Jong Un, sagte der Präsident der Akademie der Wissenschaften, Jang Chol.

Zuvor hatte Kim für die Zukunft weitere Raketenstarts angekündigt. Trotz aller Warnungen hatte Nordkorea von der Westküste zum zweiten Mal in diesem Jahr eine dreistufige Rakete des Typs Unha-3 gestartet. Das Land sprach vom Raumtransport eines Satelliten zu Forschungszwecken. Mehrere Nationen hatten das Land vorab aufgefordert, auf das Vorhaben zu verzichten. Die USA, Südkorea und andere Staaten sehen darin einen verschleierten Test zur Entwicklung von Interkontinentalraketen für Atomsprengköpfe. Eine Unha-3-Rakete war im April kurz nach dem Abheben explodiert.

UN-Resolutionen und Warnungen ignoriert

Die Kippe nach dem Abschuss: Kim Jong-Un genießt die Ruhe nach dem Raketenstart..
Die Kippe nach dem Abschuss: Kim Jong-Un genießt die Ruhe nach dem Raketenstart..(Foto: REUTERS)

Nordkorea kritisierte die Reaktion des Weltsicherheitsrats. Der Start diene der Wirtschaftsentwicklung, erklärte das Außenministerium in Pjöngjang. Es sei nicht Sache des UN-Sicherheitsrats, sich damit zu befassen. Südkoreas Außenministerium forderte strikte Maßnahmen der internationalen Gemeinschaft gegen Nordkorea. "Nordkorea muss den Preis dafür zahlen, dass es UN-Resolutionen und Warnungen ignoriert hat", sagte ein Sprecher.

Die Funktion des Satelliten sei noch unklar, hieß es. Auch könne normalerweise erst nach zwei Wochen gesagt werden, ob der Satellit fehlerfrei arbeite. Aber "im Moment arbeitet er normal". Die Umlaufzeit auf einer elliptischen Bahn betrage 95,4 Minuten. Dagegen berichtete der US-Sender NBC auf seiner Internetseite, das von der Unha-3 ausgesetzte Objekt scheine "außer Kontrolle zu geraten".

Kim gewann unterdessen eine von Hackern manipulierte Internet-Abstimmung des "Time"-Magazins. Demnach ist der Diktator die "Person des Jahres". Er habe 5,6 Millionen Stimmen erhalten, teilte die Zeitschrift auf ihrer Webseite mit. Das Ergebnis sei größtenteils auf Kampagnen verschiedener Hacker-Gruppen zurückzuführen, die Kim mit speziellen Klick-Programmen nach vorne gebracht hätten.

"Unverwechselbare niedliche, kuschelige Seite"

Die "Person des Jahres" ist nicht die erste Auszeichnung für Kim in diesem Jahr. Im November hatte die US-Satire-Webseite "The Onion" ihn bereits zum "Sexiest Man Alive 2012" gekürt. Der Artikel erschien sowohl in der chinesischen, als auch in der englischen Version der chinesischen Staatszeitung "People's Daily". "Mit seinem umwerfend hübschen, runden Gesicht, seinem jungenhaften Charme und seiner starken, stämmigen Figur ist dieser Herzensbrecher aus Pjöngjang der wahrgewordene Traum aller Frauen", zitierte die Zeitung aus dem Originaltext der Satire-Webseite.

Kim sei "gesegnet mit einer Aura des Mächtigen, die eine unverwechselbare niedliche, kuschelige Seite" verberge, heißt es weiter. Er habe die Zeitung "mit seinem einwandfreien Sinn für Mode, seinem schicken Kurzhaarschnitt und, natürlich, seinem berühmten Lächeln zum Schwärmen gebracht". "People's Daily" zitierte die angebliche Stil-Expertin "Marissa Blake-Zweiber" von "The Onion" mit lobenden Worten über Kim: "Er hat diese seltene Fähigkeit, zugleich jemand völlig Liebenswertes und komplett Machomäßiges zu sein".

Nur einen Tag später löschte die chinesische Zeitung den entsprechenden Bericht von ihrer Internetseite. "People's Daily" hatte den Witz offenbar nicht verstanden und Passagen des Textes von "The Onion" ohne Hinweis auf die Ironie wiedergegeben.

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Quelle: n-tv.de

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