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Barack Obama hielt eine emotionale, persönliche Rede.
Barack Obama hielt eine emotionale, persönliche Rede.(Foto: AP)

Der "blutige Sonntag" der USA: Obama sieht "Schatten" des Rassismus

Die Schwarzen in Selma wollen wählen, werden aber vor laufenden Kameras blutig niedergeknüppelt. 50 Jahre danach sieht Barack Obama als erster schwarzer Präsident der USA weiterhin starken Rassismus im Land - und das Wahlrecht wieder in Gefahr.

Zum 50. Jahrestag der blutigen Niederschlagung des Bürgerrechtsmarsches in Selma hat US-Präsident Barack Obama zum Kampf gegen Rassendiskriminierung aufgerufen. "Wir müssen nur die Augen, Ohren und Herzen öffnen um zu wissen, dass die lange Rassengeschichte dieses Landes immer noch ihren langen Schatten auf uns wirft", sagte Obama vor etwa 40.000 Teilnehmern der Gedenkfeier im US-Bundesstaat Alabama.

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Obama reiste mit seiner Frau Michelle und seinen Töchtern Sasha und Malia nach Selma. Auch Obamas Amtsvorgänger George W. Bush und dessen Frau Laura kamen zu der Gedenkfeier in der Kleinstadt. In seiner engagierten Rede zollte Obama denen Tribut, die in Selma vor 50 Jahren für die Rechte schwarzer US-Bürger auf die Straße gingen. "Wir sind heute hier versammelt, um sie zu feiern", sagte der erste schwarze Präsident der USA.

In Selma hatten sich am 7. März 1965 rund 600 Demonstranten für einen Marsch in die Hauptstadt von Alabama, Montgomery, versammelt. Die Polizei stoppte den friedlichen Zug jedoch außerhalb der Stadt an der Edmund-Pettus-Brücke und prügelte die Teilnehmer brutal nieder. Die Ereignisse gingen als "Blutiger Sonntag" in die Geschichte ein.

Zwei Tage später stellte sich der afroamerikanische Bürgerrechtler Martin Luther King an die Spitze von rund 2000 Demonstranten in Selma. Um eine erneute Konfrontation mit der Polizei zu vermeiden, ließ King die Menge vor der Brücke umkehren. Am 21. März schließlich zog unter dem Schutz der Bundespolizei ein Protestmarsch unter Führung Kings in Montgomery ein. Im August 1965 unterzeichnete der damalige Präsident Lyndon B. Johnson schließlich den Voting Rights Act. Das Gesetz sollte Afroamerikaner davor schützen, aus rassistischen Gründen von Wahlen ausgeschlossen zu werden.

Wahlrecht wieder in Gefahr

Obama nahm in seiner Rede auch Bezug auf die Ereignisse in Ferguson. In dem Vorort von St. Louis im Bundesstaat Missouri hatte ein weißer Polizist im vergangenen Jahr einen unbewaffneten, 18-jährigen Schwarzen erschossen. Als der Polizist von einer Jury aus überwiegend weißen Laienrichtern freigesprochen wurde, kam es in Ferguson und zahlreichen anderen Städten zu teils gewaltsamen Protesten. Ein Untersuchungsbericht des US-Justizministeriums warf in der vergangenen Woche der Polizei in Ferguson Rassismus und routinemäßige Schikanierung der mehrheitlich schwarzen Bevölkerung vor.

Obama wies die Ansicht zurück, "dass der Rassismus verschwunden ist". "Wir brauchen nicht den Bericht von Ferguson, um zu wissen, dass das nicht stimmt." Mit Blick auf Pläne einiger Bundesstaaten, die Regeln für die Wahlregistrierung zu verschärfen, warnte der US-Präsident zudem, dass das im Voting Rights Act garantierte Wahlrecht heutzutage wieder in Gefahr sei. "Wie kann das sein?", fragte Obama. Er forderte die anwesenden hundert Kongressabgeordneten auf, sich in Washington für den Schutz des Wahlrechts einzusetzen.

Nach seiner Rede traf Obama mit Veteranen der Bürgerrechtsbewegung zusammen. Gemeinsam mit seiner Frau, seinen Töchtern und Bush ging die etwa 50-köpfige Gruppe zur Edmund-Pettus-Brücke. Diese ist nach einem einstigen General der Südstaaten-Armee und Mitglied des rassistischen Ku-Klux-Klans benannt.

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Quelle: n-tv.de

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