Politik
Merkel mit Obama: "Diese Auszeichnung ist ein wirklich sehr bewegender Moment."
Merkel mit Obama: "Diese Auszeichnung ist ein wirklich sehr bewegender Moment."(Foto: dpa)
Mittwoch, 08. Juni 2011

"Symbol des Triumphs der Freiheit": Obama zeichnet Merkel aus

Mit großen Worten würdigt US-Präsident Obama die deutsche Bundeskanzlerin bei der Verleihung der US-Freiheitsmedaille. Merkel sei eine "eloquente Stimme für Menschenrechte und Würde weltweit", sie habe Geschichte geschrieben. Sichtlich bewegt nimmt Merkel die höchste zivile Auszeichnung der USA entgegen. Dass sie einmal hier stehen würde, "lag jenseits aller meiner Vorstellungskraft".

Emotionaler Moment für Angela Merkel: Aus der Hand von US-Präsident Barack Obama hat die deutsche Bundeskanzlerin die Freiheitsmedaille der Vereinigten Staaten erhalten, die höchste zivile Würdigung des Landes. Vor 250 geladenen Gästen im Rosengarten des Weißen Hauses würdigte Obama die Kanzlerin als "eloquente Stimme für Menschenrechte und Würde weltweit". Merkel beschrieb die höchste zivile Ehrung der USA als "sehr bewegenden Moment".

Obama erinnerte in seiner Laudatio an Merkels Kindheit und Jugend in der DDR und ihre politische Karriere nach der Wende. Die Kanzlerin werde nicht dafür geehrt, dass ihr die Freiheit verweigert worden sei, sondern "dafür, was sie erreicht hat, als sie die Freiheit erlangte", betonte Obama. "Dr. Angela Merkel wurde zu einem Symbol des Triumphs der Freiheit, indem sie die erste Ostdeutsche ist, die als Bundeskanzlerin einem vereinten Deutschland dient", sagte der Präsident. Sie habe auch Geschichte geschrieben, in dem sie die erste Frau an der Spitze der deutschen Regierung ist. Zudem sei sie eine "außergewöhnliche" Führungspersönlichkeit.

"Sehnsucht nach Freiheit"

Gastgeber begrüßen Gäste: Merkel war in Begleitung ihres Mannes Joachim Sauer nach Washington gereist.
Gastgeber begrüßen Gäste: Merkel war in Begleitung ihres Mannes Joachim Sauer nach Washington gereist.(Foto: dpa)

"Dass ich einmal im Rosengarten des Weißen Hauses stehen würde und von einem amerikanischen Präsidenten die Freiheitsmedaille empfangen würde, das lag jenseits aller meiner Vorstellungskraft", sagte die Kanzlerin mit Blick auf ihre Herkunft aus der DDR. "Und glauben Sie mir, diese Auszeichnung ist ein wirklich sehr bewegender Moment." Merkel sagte, sie sehe die Verleihung der Freiheitsmedaille als "Ausdruck der exzellenten deutsch-amerikanischen Partnerschaft" an. Zugleich beklagte sie, dass das Streben nach Freiheit auf der Welt noch immer "zu viele Opfer" fordere. "Die Sehnsucht nach Freiheit lässt sich nicht einmauern", sagte Merkel. Jeder Mensch habe das gleiche Recht auf Freiheit - egal ob er in Nordafrika, im Iran, in Birma oder in Weißrussland lebe.

Über ihren Gastgeber sagte die Kanzlerin: "Sie sind ein Mann mit starken Überzeugungen. Sie berühren mit ihrer Leidenschaft und ihren Visionen für eine gute Zukunft die Menschen auch in Deutschland."

Staatsbankett mit Gottschalk

Schon bei einem Staatsbankett für die Kanzlerin und ihre hochrangige Delegation kurz vor der Verleihung hatte Obama die Auszeichnung mit Merkels Streben nach Freiheit bereits in der DDR und ihrer Bereitschaft, Barrieren einzureißen, begründet. In der Amtszeit von Obama wurden bislang nur die Präsidenten von China, Indien und Mexiko in Washington zu einem Staatsbankett geladen. Merkel hatte die USA zuvor als besten Partner für Deutschland und Europa bezeichnet.

Außenminister Westerwelle (rechts) spricht mit Architekt Daniel Libeskind, Ex-Nationaltrainer Jürgen Klinsmann und Thomas Gottschalk.
Außenminister Westerwelle (rechts) spricht mit Architekt Daniel Libeskind, Ex-Nationaltrainer Jürgen Klinsmann und Thomas Gottschalk.(Foto: dapd)

Zu den 250 geladenen Gästen beim Staatsbankett zählten Regierungsvertreter und Diplomaten beider Länder. Aus Merkels Kabinett nahmen Wirtschaftsminister Philipp Rösler und Außenminister Guido Westerwelle, Verteidigungsminister Thomas de Maizière und Finanzminister Wolfgang Schäuble sowie Innenminister Hans-Peter Friedrich teil. Auch der ehemalige Fußball-Nationaltrainer Jürgen Klinsmann und Showmaster Thomas Gottschalk waren anwesend.

Reise soll Beziehungen kitten

Die "Presidential Medal Of Freedom" wird in dieser Form seit 1963 an Menschen verliehen, die einen bedeutenden Beitrag "für die Sicherheit oder das nationale Interesse der USA, den Weltfrieden und kulturelle oder andere bedeutsame öffentliche Belange" geleistet haben. Eine "Freiheitsmedaille" loben die USA bereits seit 1945 aus. Sie wurde von Präsident Harry Truman geschaffen. Mit ihr wurden Zivilisten für Verdienste im Krieg geehrt - so etwa 1947 die aus Deutschland in die USA emigrierte Schauspielerin Marlene Dietrich.

Die Zeremonie im Rosengarten des Weißen Haus war Abschluss und Höhepunkt eines zweitägigen USA-Besuches von Merkel. Die Bundeskanzlerin hatte am Dienstagmorgen Obama zu offiziellen Gesprächen im Weißen Haus getroffen. Nachdem es in den vergangenen Monaten wegen des Libyen-Einsatzes und unterschiedlichen Ansätzen in Wirtschaftsfragen Differenzen zwischen Berlin und Washington gegeben hatte, betonten beide Politiker die Bedeutung der transatlantischen Beziehungen.

Vor dem Hintergrund der Krise

Obama mahnte zudem eine rasche Lösung der Krise in der Eurozone an. Koordinierte Anstrengungen seien für die konjunkturelle Erholung weltweit bedeutsam, sagte er. "Deutschland ist dabei ein Schlüsselland", betonte der US-Präsident mit Blick auf die Debatte über zusätzliche Finanzhilfen für das überschuldete Griechenland. "Ich vertraue darauf, dass die deutsche Führung und die Hilfe anderer uns auf den Weg bringen werden, der Griechenland wieder Wachstum bringt." Dafür seien aber Zeit und Geduld nötig. Hintergrund ist das Drängen der US-Regierung, Griechenland auf jeden Fall zu helfen, weil man nach der Pleite der US-Bank Lehman Brothers eine neue Finanzkrise befürchtet. "Wir sind uns unserer Verantwortung für die Weltwirtschaft bewusst", betonte Merkel.

Der US-Präsident erklärte zudem das Interesse der USA, die technologische und industrielle Zusammenarbeit mit deutschen Firmen zu stärken. Ausdrücklich verwies er auf deutsche Unternehmen, die für Arbeitsplätze in den USA sorgten. Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler hatte bereits am Montagabend gefordert, die ins Stocken geratene Zusammenarbeit zwischen den USA und der EU im Rahmen der transatlantischen Wirtschaftszusammenarbeit (TEC) zu verstärken. Ziel der TEC ist der Abbau von nicht-tarifären Handelshemmnissen sowie der Aufbau gemeinsamer Standards transatlantischer Firmen, um sich auf dem Weltmarkt behaupten zu können.

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Quelle: n-tv.de

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