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Seit dem Dauerfeuer der syrischen Truppen liegt in Aleppo kaum noch ein Stein über dem anderen. (Archivbild)
Seit dem Dauerfeuer der syrischen Truppen liegt in Aleppo kaum noch ein Stein über dem anderen. (Archivbild)(Foto: REUTERS)

Viele Kinder in Aleppo getötet: Offenbar russische Rakete trifft Schule

Erneut sind bei Luftangriffen in Syrien wohl etliche Zivilisten ums Leben gekommen. Aktivisten werfen Moskau die Bombardierung einer Schule vor. Ihren Angaben zufolge kommen mehr als ein Dutzend Menschen ums Leben - darunter viele Kinder.

Russland hat nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte bei einem Luftangriff auf eine Schule in der nördlichen Provinz Aleppo mindestens zwölf Kinder und drei Erwachsene getötet. Mindestens 20 weitere Menschen wurden verletzt. Die Angaben sind allerdings nicht überprüfbar. Die Opposition in Nordsyrien sprach sogar von 35 toten Kindern. Der Koordinator der syrischen Opposition, Riad Hidschab, sagte in Paris, Russland habe in der Kleinstadt Indschara nahe Aleppo drei Schulen angegriffen und "ein Massaker angerichtet". Unterdessen haben nach monatelangen Verzögerungen Rotes Kreuz und Roter Halbmond Hilfslieferungen für die notleidende Bevölkerung im syrischen Madaja und zwei weiteren Städten auf den Weg gebracht. Nach Angaben des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) waren etwa 50 Lastwagen unterwegs in Richtung Madaja.

In sozialen Netzwerken kursierten Bilder von einem zerstörten Klassenzimmer mit Büchern voller Blut. Auch die Authentizität dieser von Oppositionellen verbreiteten Bildern war nicht unabhängig zu bestätigen. Die amtliche syrische Nachrichtenagentur Sana meldete, gegen Staatschef Baschar al-Assad kämpfende Rebellen hätten in der Stadt Aleppo durch Raketenangriffe drei Kinder getötet. Demnach schlugen die Geschosse in einem von Regierungssoldaten gehaltenen Viertel ein.  Die russische Regierung hat Luftangriffe auf Zivilisten in Syrien bestritten. "Russland führt keine Operationen gegen Zivilisten aus", sagte eine Außenamtssprecherin

Russland: 311 Angriffe auf 1100 Ziele

Nach Angaben des russischen Verteidigungsministeriums flog die russische Luftwaffe allein seit Jahresbeginn 311 Kampfeinsätze, bei denen fast 1100 Ziele angegriffen worden seien, wie die Nachrichtenagentur RIA meldete. Während eine US-geführte Allianz nach eigenen Angaben ihre Angriffe auf radikale Islamistengruppen beschränkt, wird Russland vorgeworfen, auch gemäßigte Aufständische zu bombardieren. Dutzende Lastwagen mit Hilfsgütern unterwegs

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Laut IKRK befinden sich 21 Lastwagen mit Hilfsgütern auf dem Weg nach Fua und Kafraja. Sie transportierten Nahrungsmittel, Medikamente, Medizinmaterial und Decken. Über Monate konnten Hilfsorganisationen die beiden Städte sowie Madaja nicht erreichen. Die UNO schätzt die Zahl der Hilfsbedürftigen allein in dem von Regierungstruppen belagerten Madaja auf 40.000, die Hälfte davon Kinder. Helfern zufolge starben dort bereits 28 Menschen an Hunger.

In den von bewaffneten Regierungsgegnern umzingelten Schiitenorten Fua und Kafraja in der nordwestlichen Provinz Idlib sind etwa 20.000 Bewohner eingeschlossen. Noch im Tagesverlauf wollte sich der UN-Sicherheitsrat mit der humanitären Lage in Madaja, Fua und Kafraja befassen. Beschlüsse werden nicht erwartet.

Oppositionsbündnis nimmt an Verhandlungen teil

Auf der Suche nach einer Lösung für den Syrien-Konflikt will auch eine neugegründete Allianz aus kurdischen und arabischen Gegnern des syrischen Staatschefs al-Assad an den anstehenden Syrien-Gesprächen in der Schweiz teilnehmen. Das sagte der Kovorsitzende des Syrischen Demokratischen Rats, Haytham Manna, der Agentur AFP.

Der erst im Dezember gegründete Syrische Demokratische Rat ist der politische Arm der Syrischen Demokratischen Kräfte. Diese bewaffnete Gruppierung hatten kurdische, arabische und christliche Rebellen im Oktober im Kampf gegen die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) gebildet. Sie wird von den USA unterstützt und von den Volksverteidigungseinheiten (YPG) angeführt, die große Teile der kurdischen Siedlungsgebiete im Norden Syriens kontrollieren.

Ab dem 25. Januar sollen sich Vertreter der syrischen Regierung und deren Gegner zu Gesprächen unter der Schirmherrschaft des UN-Sondergesandten Staffan de Mistura in Genf treffen. Bislang lud de Mistura den Syrischen Demokratischen Rat nicht zu den Gesprächen ein.

Frankreichs Außenminister Laurent Fabius forderte ein Ende der Belagerung von Madaja sowie der syrischen und russischen "Militäreinsätze gegen die Zivilbevölkerung". Das Leiden der Menschen in Madaja und in "allen anderen vom Regime belagerten syrischen Städten" müsse aufhören. Eine von den USA angeführte internationale Militärkoalition fliegt in Syrien seit mehr als einem Jahr Luftangriffe gegen mutmaßliche IS-Stellungen, an denen auch Frankreich beteiligt ist.

Seit Beginn des syrischen Gewaltkonflikts im März 2011 wurden der Beobachtungsstelle zufolge mehr als 260.000 Menschen getötet, unter ihnen 76.000 Zivilisten.

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Quelle: n-tv.de

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