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Kurz vor dem Zwischenfall stehen sich die beiden Auge in Auge gegenüber.
Kurz vor dem Zwischenfall stehen sich die beiden Auge in Auge gegenüber.(Foto: Screenshot n-tv.de)

Video empört israelische Politiker: Offizier schlägt Aktivisten

von Ulrich W. Sahm, Jerusalem

Aktivisten demonstrieren auf einer Verkehrsachse gegen die "Apartheid-Politik" Israels. Die Armee rückt an und soll die Blockade auflösen. Ein israelischer Offizier schlägt einem Demonstranten seinen Gewehrkolben ins Gesicht. Hunderttausende gucken sich das Video des "Schlägers der übelsten Sorte" auf Youtube an. Politiker und Militärs sind schockiert.

Oberstleutnant Schalom Eisner, stellvertretender Divisionskommandeur im Jordantal, hält sein Schnellfeuergewehr quer und schlägt es einem Friedensaktivisten voll ins Gesicht. Der Däne stürzt zu Boden. Später musste er sich im Hospital in Nablus die Lippe und das Kinn nähen lassen.

Die Filmaufnahmen des Vorfalls nahe Jericho gingen per Internet rund um die Welt. Ein Filmer aus Nablus hatte sie am Sonntag aufgenommen und in Israel einen Aufschrei der Empörung ausgelöst. Der Staatspräsident, der Ministerpräsident, der Generalstabschef, Politiker und ehemalige Militärs verurteilten das "Ausflippen" des Offiziers. Er habe dem Ruf der israelischen Armee schwer geschadet. "Derartiges Verhalten hat keinen Platz in unserer Armee", sagte der ehemalige General Amram Mitzna. "Ein Offizier muss seine Soldaten zu anständigem Verhalten anleiten und darf sich keine Kurzschlussreaktionen erlauben."

Oberstleutnant Eisner, der sich "wie ein Schläger der übelsten Sorte, und noch dazu mit seine Waffe" verhalten hatte, wurde unmittelbar nach Bekanntwerden der Filmaufnahmen im 2. Kanal des israelischen Fernsehens von seinem Amt suspendiert. Die Militärpolizei eröffnete eine dringende Untersuchung des Falles. Inzwischen wurden weitere Einzelheiten bekannt, die ein umfassenderes Bild liefern als die kurzen Filmausschnitte des palästinensischen Filmers.

Kritik an anderen Offizieren

Die Armee, in den von Israel kontrollierten besetzten Gebieten auch verantwortlich für die Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung, war gerufen worden, eine Sperrung der Durchgangsstraße Nr. 90 durch palästinensische und internationale Demonstranten zu beenden. Obgleich die vielbefahrene Verkehrsachse von Nord nach Süd auch für palästinensische Autos geöffnet ist, wollten die Aktivisten gegen eine vermeintliche "Apartheid-Politik" auf der Straße und eine "ethnische Säuberung" im Jordantal demonstrieren.

Es kam zu Gewalt zwischen den Demonstranten und Soldaten, die für derartige polizeiliche Aufgaben nicht ausgebildet sind. Demonstranten schlugen mit Stöcken auch auf Oberleutnant Eisner ein und brachen ihm zwei Finger. Diese Szene wurde in dem palästinensischen Film nicht gezeigt. Unmittelbar danach, so die ersten Ermittlungen, soll es zu dem schweren Zwischenfall gekommen sein.

Kritisiert wurde, dass andere Offiziere, die sich in unmittelbarer Nähe aufhielten und Zeugen des Vorfalls geworden waren, nicht eingegriffen und versucht hätten, ihren Vorgesetzten von der Affekthandlung zurückzuhalten. Ebenso wurde moniert, dass weder Eisner noch die anderen Offiziere den Vorfall gemeldet hätten, sodass die israelische Öffentlichkeit und die Armee davon erst durch den im Internet veröffentlichten Film erfuhren.

"Sehr verdienter" Offizier

Noch ist unklar, welche Folgen der Vorfall für den "sehr verdienten" Offizier haben werde. Ihm droht ein Disziplinarverfahren und möglicherweise sogar kriminelle Strafverfolgung. Einige fordern seine fristlose Entlassung, andere verlangen eine gebührende Bestrafung und wieder andere sagen zu seiner Verteidigung, dass er doch erst vor einer Woche einer palästinensischen Frau Geburtshilfe geleistet und im Libanonkrieg mit großem Mut einer Panzermannschaft das Leben gerettet habe.

"Kameras können heute tödlichere Waffen sein als Gewehre", sagten Militärs dem Nachrichtendienst Ynet. "Die Soldaten werden darüber informiert und rennen immer seltener in PR-Fallen."

Quelle: n-tv.de

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