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Olivia Jones wirbt für Toleranz und Gleichstellung.
Olivia Jones wirbt für Toleranz und Gleichstellung.(Foto: imago/Future Image)

Dragqueen beklagt Volksverhetzung: Olivia Jones zeigt AfD-Landeschef an

Sachsen-Anhalt wirbt in Kitas und Schulen mit einer Broschüre für Bücher über sexuelle Vielfalt. Die AfD verunglimpft die Werbung und spricht von einer Gefährdung. Dragqueen Olivia Jones hat davon die Nase voll und stellt Anzeige gegen den Parteivorsitzenden.

Olivia Jones, Deutschlands bekannteste Dragqueen, hat André Poggenburg, den Landesvorsitzenden der AfD Sachsen-Anhalt, auf der Davidwache in St. Pauli wegen Volksverhetzung angezeigt. Auf ihrer Homepage erklärt Jones in einem offenen Brief ihre Beweggründe. Ihr sei klar, dass Poggenburg diesen Schritt "von jemandem wie mir vermutlich als 'Ritterschlag' empfinden wird. Aber ich will mich später nicht fragen lassen müssen, warum ich die Klappe gehalten habe."

Hintergrund für die Anzeige ist ein Facebook-Post auf der Seite der AfD Sachsen-Anhalt vom August, in dem eine Broschüre für Kitas und Grundschulen mit Kinderbuchempfehlungen zu den Themen "Homosexualität" und "gleichgeschlechtliche Beziehungen" kritisiert wird. Dafür verwendet die Partei ein Zitat Poggenburgs und bezieht sich auf einen Bericht der "Mitteldeutschen Zeitung", in dem auch CDU-Politiker die Pläne des Ministeriums für Justiz und Gleichstellung, Bücherkoffer zum Thema sexuelle Vielfalt anzubieten, kritisch sehen. Unter den empfohlenen Werken befinde sich auch das Buch "Keine Angst in Andersrum" von Jones.

Für Jones "hört der Spaß auf"

Das von der AfD in dem Facebook-Post angehängte Bild verunglimpft laut Jones "nicht nur die Broschüre, sondern stellt auch noch Aufklärung über Homosexualität mit Kindesmissbrauch auf eine Stufe. [...] Da hört für mich der 'Spaß' als 'betroffene' Autorin dann endgültig auf. Und sollte mir jetzt jemand mit 'Humor' oder 'Satire' kommen, kann ich nur sagen: Da bleibt mir das Lachen im Halse stecken." Das entsprechende Bild ist übertitelt mit "Die neue Bildungslektüre für Kinder" und zeigt ein aufgeschlagenes Buch, in dem unter anderem "Schreibe deine 7 erotischen Szenarien mit einem Erwachsenen auf!" geschrieben steht.

Jones frage sich, ob eines der Fraktionsmitglieder überhaupt je eines der vom "Ministerium für Gleichstellung" empfohlenen Bücher gelesen habe. "Ich schicke Ihnen meins gerne kostenlos zu. Wenn's sein muss, komme ich sogar zum Vorlesen vorbei." Kindern ließe sich wunderbar einfach erklären, dass es mehr als nur eine Beziehungsform gebe "und zwar alles ohne auch nur einmal das Wort 'Sex' zu benutzen."

Poggenburg wehrt sich

Poggenburg verteidigt indes den Post seiner Fraktion. In einem Statement bei Facebook reagiert er auf Jones' Anzeige und erklärt: "Die AfD-Fraktion spricht sich entschieden gegen jede Frühsexualisierung unserer Kinder aus." Diese laufe dem "natürlichen Schamgefühl von Kindern völlig zuwider" und verstöre diese, so der AfD-Politiker.

Und weiter: Durch dieses Aktionsprogramm werde Kindern vermittelt, dass "gleichgeschlechtliche Partnerschaften der Normallfall seien". Das Gegenteil sei aber der Fall. Darüber hinaus spricht Poggenburg von einer Gefährdung "der Seelen unserer Kinder". Zudem wirft er der Dragqueen vor, mit der Anzeige gegen ihn eine "Eigen-PR-Aktion eines Homolobbyisten" zu starten.

Quelle: n-tv.de

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