Politik
Derzeit sind die Patriot-Einheiten per Schiff auf dem Weg in die Türkei.
Derzeit sind die Patriot-Einheiten per Schiff auf dem Weg in die Türkei.(Foto: dpa)

ABC-Spezialisten bleiben zu Hause: Patriots nicht gut geschützt

Sie sollen ein Übergreifen des Syrien-Konfliktes auf die Türkei verhindern, doch für die Abwehr eines Einsatzes von Chemiewaffen sind die Bundeswehrsoldaten nicht gerüstet. Dabei soll Assad über 1000 Tonnen dieser Kampfstoffe besitzen.

Der Vorsitzende des Deutschen Bundeswehrverbands, Ulrich Kirsch, sieht die Bundeswehr für den Patriot-Einsatz in der Türkei nicht ausreichend gerüstet. Für den Fall eines syrischen Chemiewaffen-Einsatzes fehle es an Spezialisten, sagte Kirsch der "Passauer Neuen Presse". "Wir müssen uns fragen, wie sich der syrische Diktator Assad verhalten wird, wenn er mit dem Rücken an der Wand steht", mahnte der Bundeswehrverbands-Chef.

Ulrich Kirsch
Ulrich Kirsch(Foto: picture alliance / dpa)

"Es ist ein Mangel, dass wir aller Voraussicht nach keine ABC-Abwehrkräfte in der Türkei haben werden", sagte Kirsch. Die Soldaten verfügten zwar über das Material zum Schutz vor ABC-Angriffen. "Die Spezialisten werden sich allerdings in Deutschland befinden. Das ist unzureichend", kritisierte er. Die Bundeswehr verfüge über spezielle ABC-Aufklärungskräfte. "Diese Spezialisten sollten auch bei dem Bundeswehreinsatz vor Ort in der Türkei sein."

Syrien besitzt nach Einschätzung der Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) mehr als 1000 Tonnen an chemischen Kampfstoffen. Darunter befänden sich Stoffe wie Sarin, Senfgas und das Nervengas VX sowie die entsprechenden Trägersysteme. Die Regierung in Damaskus habe gegenüber der OPCW versichert, die Chemiewaffen nicht einsetzen zu wollen. Die OPCW spricht dennoch von einer "sehr besorgniserregenden Lage".

Ende Februar sollen die Einheiten einsatzbereit sein

Die Bundeswehr hatte am Dienstag von Travemünde aus das deutsche Material für den Patriot-Einsatz der NATO in der Türkei auf den Weg gebracht. Parallel flog ein Vorauskommando von rund 20 Soldaten in die Türkei. Das Material soll demnach voraussichtlich am 21. Januar im türkischen Hafen Iskenderun eintreffen und von dort auf dem Landweg ins rund 200 Kilometer entfernte Kahramanmaras im Süden des Landes gebracht werden, wo die Patriots stationiert werden sollen.

Die Patriot-Luftabwehrsysteme der Bundeswehr können Flugzeuge und Raketen bekämpfen und sollen ein mögliches Übergreifen des bewaffneten Konflikts in Syrien auf das Nachbarland Türkei verhindern. Wegen der angespannten Lage hatte die Türkei ihre NATO-Partner um Hilfe gebeten. Deutschland, die USA und die Niederlande entsenden deshalb je zwei Patriot-Raketenbatterien modernsten Typs.

Deutschland, die Niederlande und die USA entsenden je zwei Patriot-Batterien zum Schutz der Türkei vor syrischen Angriffen. Bis zu 400 Bundeswehr-Soldaten werden mit den beiden deutschen Staffeln in der 400.000-Einwohner-Stadt Kahramanmaras im Südosten des Landes stationiert. Anfang Februar sollen sie einsatzbereit sein.

Quelle: n-tv.de

Video-Empfehlungen
Empfehlungen