Politik

Skandal weitet sich aus: Pferdefleisch auch im Döner

Lasagne, Tortellini, Ravioli, Rindfleischgulasch: Die Liste der Fertiggerichte, die Spuren von Pferdefleisch enthalten, wird immer länger. Rewe zieht vorsorglich nun auch Chili con Carne und Spaghetti Bolognese aus dem Verkehr. Bei Stichproben wird unterdessen Pferdefleisch in Döner entdeckt. Auch Schwein ist drin.

Das Institut für Produktqualität ifp hat in einem Döner Pferdefleisch entdeckt. Das RTL-Magazin "EXTRA" hatte vom ifp in 20 Imbiss-Läden in Leipzig und Berlin Döner-Stichproben untersuchen lassen. In einer Probe sei ein Anteil von knapp einem Prozent Pferdefleisch entdeckt worden, teilte der Sender mit. Darüber hinaus hätten drei weitere Proben bis zu sieben Prozent Schweinefleisch enthalten, das Muslime nicht verzehren. Döner werden normalerweise mit Rind- oder Lammfleisch oder auch Puten- und Hühnerfleisch gemacht.

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Die Supermarktkette Rewe hat unterdessen wegen des Verdachts auf Pferdefleisch zwei weitere Tiefkühlprodukte aus dem Verkauf genommen. Betroffen seien "Rewe Chili con Carne" und "Rewe Spaghetti Bolognese", teilte das Unternehmen in Köln mit. Der Hersteller SGS Geniesser Service habe zuvor darüber informiert, dass er nicht ausschließen könne, dass die beiden Produkte Anteile von Pferdefleisch enthalten. Kunden können die Artikel im jeweiligen Rewe-Markt zurückgeben und bekommen den Verkaufspreis erstattet.

144 Tonnen aus Luxemburg

In Deutschland und anderen europäischen Ländern waren in den vergangenen Tagen Spuren von Pferdefleisch in Fertiggerichten, die eigentlich Rindfleis ch enthalten sollten, entdeckt worden. In Deutschland nahmen die Supermarktketten Edeka, Real, Rewe und Kaiser's Tengelmann sowie der Tiefkühllieferservice Eismann Lasagneprodukte aus dem Handel. Lidl stoppte den Verkauf von Rindfleischtortelloni der Eigenmarke Combino. Aldi Süd nahm Ravioli Bolognese und Rindergulasch in der Dose aus dem Handel.

Nach Informationen des "Spiegel" sind aus Luxemburg knapp 144 Tonnen von mit Pferdefleisch versetzten Fertiggerichten nach Deutschland gelangt.

BKA soll ermitteln

CDU-Innenexperte Wolfgang Bosbach hat einen Einsatz des Bundeskriminalamts (BKA) angeregt. "Sollte es auch deutsche Unternehmen geben, die in diesem Skandal kriminelle Aktivitäten entfaltet haben, muss wegen der internationalen Dimension das BKA die Ermittlungen übernehmen", sagte Bosbach dem Magazin "Focus". "Insbesondere wegen des wichtigen Informationsaustausches mit Behörden anderer Staaten und Institutionen wie Europol und Interpol" müsse "das BKA seine zentrale Funktion wahrnehmen".

Es sei wichtig, dass ausländische Ermittlungsbehörden einen zentralen Ansprechpartner hätten, sagte der Vorsitzende des Innenausschusses im Bundestag. "Wir haben es offensichtlich mit grenzüberschreitender organisierter Kriminalität zu tun, die strafrechtlich konsequent verfolgt werden muss", fügte er hinzu. "Die kriminalpolizeiliche Seite des Skandals" sei "ebenso wichtig wie die Debatte um schärfere Lebensmittelkontrollen". "Die Gesellschaft braucht das Signal, dass der Staat bei solchen Vergehen alle Anstrengungen unternimmt, die Ganoven zu überführen", sagte Bosbach.

"Höheres Strafmaß prüfen"

Die Vorsitzende der Länder- Verbraucherministerkonferenz, Lucia Puttrich (CDU), hält unterdessen schärfere Strafen bei einem Betrug wie dem Pferdefleisch-Skandal für notwendig. "Betrug muss so unattraktiv werden, dass man es schlicht und einfach lässt", sagte die hessische Ressortchefin. Deshalb müsse ein höheres Strafmaß geprüft werden. Bei falsch gekennzeichneten Fertigprodukten droht nach dem Lebensmittel- und Futtermittelgesetzbuch bisher eine Geldstrafe oder bis zu ein Jahr Haft - bei Fahrlässigkeit bis zu 50.000 Euro Geldstrafe.

Die Verbraucherminister von Bund und Ländern wollen an diesem Montag über Konsequenzen aus dem Pferdefleisch-Skandal beraten. Darin sind in Europa mehr Unternehmen verwickelt als bisher bekannt.

Quelle: n-tv.de

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