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Poggenburg macht Front gegen "Politikversager".
Poggenburg macht Front gegen "Politikversager".(Foto: dpa)

Verfechter "deutscher Leitkultur": Poggenburg holt AfD-Rekordergebnis

Dies ist sein großer Tag: Aus dem Stand holt Spitzenkandidat Poggenburg für die AfD fast ein Viertel aller Stimmen in Sachsen-Anhalt. Wer ist dieser Mann, der so harmlos lächelt und die "zügellose Masseneinwanderung" geißelt?

Einen solchen Aufstieg hat es in der deutschen Landespolitik noch nicht gegeben. Aus dem Stand hat die AfD in Sachsen-Anhalt fast jede vierte Stimme geholt, ihr Spitzenkandidat André Poggenburg führte die Rechtspopulisten als zweitstärkste Kraft in den Magdeburger Landtag. Für den Politik-Neuling wird es eine Bewährungsprobe: Seine parlamentarischen Erfahrungen beschränken sich auf den Kreistag im beschaulichen Burgenlandkreis.

Mit dem jungenhaften Gesicht und seinem Lächeln wirkt Poggenburg harmlos. Doch wenn es drauf ankommt, lässt er die Maske fallen und zeigt sich als Rechtspopulist. Die Wähler in Sachsen-Anhalt haben dies offensichtlich honoriert, die AfD profitierte von dem weit verbreiteten Verdruss mit den etablierten Parteien.

Poggenburg führte das Ergebnis am Wahlabend darauf zurück, "dass die Menschen einfach ihren Protest in Ostdeutschland etwas schneller ins Wahllokal bringen". Den "etablierten Parteien" warf er Versagen in der Flüchtlingspolitik vor. André Poggenburg ist seit Sommer 2014 AfD-Landeschef. Im Wahlkampf dreht der 40-Jährige nun auf und macht Front gegen "Politikversager", "zügellose Masseneinwanderung" und "Multikulti-Experimente".

Solche Einstellungen schlugen sich auch im AfD-Wahlprogramm nieder, das neben der Beitragsfreiheit für Kita-Besuche ab dem vierten Lebensjahr und einem Wahlrecht zwischen Schul- und Hausunterricht auch eine "deutsche Leitkultur" propagiert. "Museen, Orchester und Theater sind in der Pflicht, einen positiven Bezug zur eigenen Heimat zu fördern", heißt es unter anderem.

Poggenburg gehört zum rechtsnationalen Flügel

Poggenburg gehört wie Thüringens AfD-Chef Björn Höcke zum rechtsnationalen Flügel der Partei. Beide sind Initiatoren der "Erfurter Resolution", die 2015 zur Verschärfung des innerparteilichen Machtkampfes beitrug. Mit Blick auf die Pegida-Bewegung wird dort kritisiert, die AfD habe sich "von bürgerlichen Protestbewegungen ferngehalten und in vorauseilendem Gehorsam sogar distanziert, obwohl sich Tausende AfD-Mitglieder als Mitdemonstranten oder Sympathisanten an diesen Aufbrüchen beteiligen".

Poggenburg selbst hat auch mit dem Begriff "Volksgemeinschaft" kein Problem. Dieser sei "in keiner Weise negativ zu sehen", ähnlich wie der Begriff "Kameradschaft", der trotz seiner NS-Prägung heute Teil der deutschen Alltagssprache sei.

Der Politiker, dessen Verhältnis zu Bundesparteichefin Frauke Petry als kühl gilt, sieht die AfD in Sachsen-Anhalt "einen Schritt rechts neben der CDU". Vorwürfe, die Partei grenze sich nicht ausreichend von der NPD ab, weist er vehement zurück. Während er versucht, sich auf der politischen Bühne zu profilieren, hält Poggenburg Privates weitgehend aus der Öffentlichkeit heraus. Als einziges Mitglied des AfD-Bundesvorstandes macht er auf der Internetseite der Partei keine Angaben zu seinem Lebenslauf.

Geboren wurde André Poggenburg 1975 in Weißenfels. Er ist nicht verheiratet, absolvierte eine kaufmännische Ausbildung und eine Ausbildung als Behälter- und Apparatebauer. In seinem Wohnort Stößen bei Naumburg betrieb er bis zum Jahreswechsel einen Autokühlerfachbetrieb.

Für Schlagzeilen sorgten vor einigen Wochen Berichte über Finanzprobleme des Politikers. Poggenburg räumte ein, dass es wegen ausstehender Forderungen mehrere Erzwingungshaftandrohungen mit dem Ziel einer Vermögensauskunft gab. Die offenen Beträge sind Poggenburg zufolge längst beglichen.

Quelle: n-tv.de

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