Politik

"Ihr könnt nicht mehr in Fukushima leben": Politiker nimmt Flüchtlingen Hoffnung

Die Lage in der Region um das havarierte Atomkraftwerk Fukushima bleibt kritisch. Das ändert auch die Lage der 150.000 Flüchtlinge. Bisher machte ihnen die Regierung Hoffnung auf eine Rückkehr. Doch ein Politiker spricht nun Klartext.

Klare Worte seitens der Regierungspartei: Viele Menschen werden nie mehr in ihre einstige Heimat Fukushima zurückkehren können.
Klare Worte seitens der Regierungspartei: Viele Menschen werden nie mehr in ihre einstige Heimat Fukushima zurückkehren können.(Foto: AP)

Eine Rückkehr aller Flüchtlinge der Atomkatastrophe von Fukushima in ihre Heimat ist nach Ansicht eines führenden Vertreters der japanischen Regierungspartei kaum möglich. "Es werde die Zeit kommen zu sagen: 'Ihr könnt dort nicht mehr leben, aber ihr erhaltet Entschädigung'", sagte der Generalsekretär der Liberaldemokraten, Shigeru Ishiba. Die Lage in Fukushima ist auch zweieinhalb Jahre nach der Katastrophe nicht unter Kontrolle, das Energieunternehmen Tepco mit der Situation überfordert.

Die Regierung müsse die Gebiete benennen, die wegen der radioaktiven Verseuchung niemals mehr bewohnbar sein würden. Die Frage der Rückkehr ist in Japan politisch brisant. Bislang hat die Regierung allen Vertriebenen Hoffnung auf eine Rückkehr in ihre Heimatorte gemacht.

150.000 Menschen flohen 2011 nach der atomaren Katastrophe aus dem Gebiet um das nördlich von Tokio gelegenen AKW Fukushima. Ein Erdbeben und ein Tsunami hatten zu einer Kernschmelze und Explosionen in den Reaktoren geführt und große Mengen Radioaktivität freigesetzt.

Abgeordneter überreicht Brief an Kaiser

Vor einigen Tagen hatte der japanische Abgeordnete Taro Yamamoto aus Sorge um die Gesundheit der Anwohner des Atomkraftwerks Fukushima ein Tabu im Umgang mit dem Kaiser gebrochen: Der Atomkraftgegner überreichte dem 79-jährigen Akihito bei einem Gartenfest persönlich ein Schreiben zur Atomkatastrophe in Fukushima. "Ich wollte dem Kaiser direkt die derzeitige Situation schildern", sagte Yamamoto. "Er muss etwas über die Kinder wissen, die durch Radioaktivität verseucht wurden. Wenn das so weitergeht, hat es ernsthafte Auswirkungen auf unsere Gesundheit." Gesagt habe der Kaiser nichts, sagte Yamamoto.

In Japan gilt es als Tabu, den Kaiser in politische Fragen zu verwickeln. Der Monarch hat eine rein repräsentative Rolle und steht über den politischen Auseinandersetzungen. Das Vorgehen des Abgeordneten sorgte daher für Proteste. Kabinettsminister Yasuhide Suga sagte: "Es gibt eine Grenze für ein angemessenes Verhalten bei einer solchen Gelegenheit." Im Internet gab es Aufforderungen an Yamamoto, sein Mandat zurückzugeben.

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Quelle: n-tv.de

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