Politik

Zugriff am koscheren Supermarkt: Polizei beendet auch zweite Geiselnahme

Nach dem Zugriff an der Druckerei in Dammartin-en-Goele beendet die Polizei auch die zweite Geiselnahme in einem koscheren Supermarkt in Paris. Dabei wird der Geiselnehmer getötet, ob alle Gefangenen überlebt haben, ist noch unklar.

Die Polizei hat nach dem Zugriff in Dammartin-en-Goele auch die zweite Geiselnahme in einem koscheren Supermarkt in Paris beendet. Nach Angaben der Zeitung "Le Monde" ist der Geiselnehmer dabei getötet worden. Laut der Nachrichtenagentur AFP sind mehrere Geiseln unverletzt aus dem Supermarkt heraus gelaufen. Eine Ambulanz habe den Platz verlassen.

Am östlichen Stadtrand von Paris war es zuvor zu einer Schießerei und einer Geiselnahme gekommen. Der bewaffneter Mann hatte in einem Geschäft für koschere Lebensmittel mehrere Menschen in seine Gewalt gebracht. Zunächst hieß es, es solle mindestens zwei Tote gegeben haben - dies dementierte am Nachmittag dann jedoch das französische Innenministerium

Der Attentäter soll schwer bewaffnet gewesen sein, berichtet "Le Monde". Augenzeugen sprechen von zwei Maschinenpistolen. Andere Quellen berichten von bis zu fünf Geiseln. Es sollen auch Kinder darunter sein.

Das Gebiet um das jüdische Geschäft wurde abgeriegelt, ein Angestellter des Geschäfts konnte flüchten. Schulkinder in der Gegend dürfen die Schulen derzeit nicht verlassen. Die Stadtautobahn wurde an der Porte de Vincennes in beide Richtungen gesperrt.

"Das ist der Schütze von Montrouge", versicherte ein Ermittler. "Ihr wisst sehr genau, wer ich bin", soll der Angreifer den Polizisten zugerufen haben, berichtet "Le Figaro".  Der Anschlag habe sich demnach an der Porte de Vincennes ereignet. Nach Angaben von "Le Monde" soll der Täter zunächst ein Nachbargeschäft überfallen, sich dann aber für den jüdischen Laden entschieden haben. Noch unbestätigt sind Berichte, wonach es sich sogar um zwei Angreifer handeln könnte. 

Berichte über Terrornetzwerk

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Die Hintergründe der Taten nähren die Befürchtung, dass die französische Hauptstadt derzeit von einem Dschihadisten-Netzwerk terrorisiert wird. Nach Angaben der Polizei besteht zumindest zwischen dem Anschlag von Mittwoch auf "Charlie Hebdo" und den tödlichen Schüssen auf eine Polizistin einen Tag später ein Zusammenhang. Es gebe eine "Verbindung" zwischen den mutmaßlichen Tätern der beiden Angriffe, sagten Polizeivertreter.

Die Angreifer der Bluttaten hätten sich gekannt und seien nach Angaben aus Ermittlerkreisen zudem Mitglieder der Gruppe "Dschihadisten von Buttes-Chaumont". Diese nach einem städtischen Park genannte Verbindung um den radikalen islamischen Prediger Farid Benyettou soll in Frankreich Dschihadisten für den Kampf im Irak angeheuert haben.

Am Donnerstag war in Montrouge südlich von Paris eine Polizistin erschossen worden. Ein zweiter Polizist und eine weitere Person waren von dem Angreifer schwer verletzt worden.

Die Behörden hatten zunächst erklärt, es gebe keinen ersichtlichen Zusammenhang zwischen den beiden Taten. Dennoch übernahm die Anti-Terrorismus-Abteilung der Pariser Staatsanwaltschat die Ermittlungen zu der Bluttat von Montrouge. Am Freitag verlautete schließlich, der mutmaßliche Täter sei identifiziert, in seinem "sehr nahen Umfeld" habe es zwei Festnahmen gegeben. Nach Presseangaben soll es um Familienmitglieder handeln, die derzeit verhört würden.

IS übernimmt Verantwortung

Unterdessen hat die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) den Anschlag auf "Charlie Hebdo" als Start einer größeren Terrorkampagne mit weiteren Angriffen in Europa und den USA bezeichnet. "Wir haben mit der Operation in Frankreich begonnen, für die wir die Verantwortung übernehmen", sagte der IS-Prediger Abu Saad al-Ansari beim Freitagsgebet in einer Moschee der nordirakischen Stadt Mossul. "Morgen werden es Großbritannien, die USA und andere sein." Die Drohung gelte für alle Länder des Bündnisses, das Luftangriffe auf den Islamischen Staat fliege.

Quelle: n-tv.de

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