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Raub und sexuelle Gewalt in Köln: Polizei schätzte die Lage falsch ein

Von Nora Schareika

Allmählich ergibt sich ein Bild von dem, was in der Silvesternacht in Köln geschah. Nun steht die Polizei vor der schwierigen Aufgabe, die Täter zu überführen. Bislang hat sie erst wenige Verdächtige festgenommen - und übt Selbstkritik.

Die Polizei in Köln steht vor einer langwierigen Puzzlearbeit: Sie sucht nach den Tätern aus der Silvesternacht, die dutzendfach Passanten ausgeraubt und Frauen dabei sexuell belästigt und misshandelt haben. "Wir rufen dazu auf, dass Zeugen ihre Handyvideos aus der Tatnacht zur Verfügung stellen, um die Täter überführen zu können", sagte ein Polizeisprecher n-tv.de. Bis zum Mittag waren insgesamt rund 90 Anzeigen eingegangen, davon ein Viertel wegen sexueller Übergriffe.

Bisher ist die Ausbeute eher dürftig: Fünf Männer waren in der Tatnacht festgenommen worden, gegen zwei von ihnen erging ein Haftbefehl. Bei diesen fünf Tatverdächtigen handelt es sich um polizeibekannte Straftäter. "Inwieweit aber die Festgenommenen auch an den Übergriffen gegen Frauen beteiligt waren, wird momentan noch ermittelt", hieß es. Im Polizeibericht liest sich das jedoch anders: Dort heißt es: "Die Männer hatten zuvor weibliche Reisende bedrängt."

Laut dem "Kölner Express" hat die Polizei noch keine konkreten Hinweise zu den übrigen Tätern. Zeugen zufolge sollen sie "nordafrikanisch" ausgesehen und französisch und arabisch gesprochen haben. Das Blatt zitiert einen Ermittler mit den Worten: "Die Täter waren im Schnitt Mitte zwanzig und kamen offenbar aus Marokko, Algerien und Tunesien. Wie sie nach Köln gekommen sind, wissen wir nicht." Laut ARD gehen die Ermittler davon aus, dass die Männer in großer Zahl extra nach Köln gereist waren, um im Silvestertrubel Straftaten zu begehen. Ob sie sich vorgenommen hatten, Diebstähle zu begehen oder gezielt Frauen zu belästigen, lässt sich nach Auskunft der Polizei noch nicht sagen.

Berichten zufolge waren viele der Täter betrunken. Ob der Alkohol letztendlich dazu führte, dass die jungen Männer enthemmt über Frauen herfielen, ist unklar, wäre aber auch keine ausreichende Erklärung. In den Fällen, in denen die sexuellen Belästigungen nachgewiesen werden können, würden diese jedoch bei einer Verurteilung schwerer wiegen als die Diebstähle und entsprechend zu höheren Strafen führen, sagte der Polizeisprecher.

Hierfür müssen die Täter allerdings erst einmal ermittelt werden. Wegen der laufenden Ermittlungen der "Soko Neujahr" hält sich die Polizei bedeckt zu ihren bisherigen Erkenntnissen über die Täter. "Wir können uns noch nicht so weit aus dem Fenster lehnen", sagte der Sprecher zu n-tv.de zu der in sozialen Netzwerken geäußerten Vermutung, es handele sich bei einem Teil der Täter um Mitglieder von nordafrikanischen Diebesbanden im Raum Köln.

Selbstkritisch gibt sich die Polizei nachträglich zu ihrer Präsenz in der Silvesternacht in der Kölner Innenstadt. "Es waren 143 Beamte in der Innenstadt. Das wäre für die Lageeinschätzung vor der Silvesternacht passend gewesen. Jetzt muss man sagen: Wir hätten mehr Einsatzkräfte gebraucht." Es seien dennoch bereits mehr Polizisten im Einsatz gewesen als bei früheren Silvesterfeiern.

Quelle: n-tv.de

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