Politik
Jakunin lobt indirekt die Führungsstärke seines Präsidenten.
Jakunin lobt indirekt die Führungsstärke seines Präsidenten.(Foto: dpa)

Führungsschwach und amerikahörig: Putin-Vertrauter schimpft über Merkel

Wie groß die Differenzen zwischen dem Westen und Russland in der Ukraine-Krise sind, zeigt eine denkwürdige Aussage des engen Putin-Vertrauten Jakunin. Er bescheinigt Kanzlerin Merkel Führungsschwäche und Vorurteile gegenüber Russland.

Der Chef der russischen Eisenbahn und Putin-Vertraute, Wladimir Jakunin, hat Bundeskanzlerin Angela Merkel Vorurteile gegenüber Russland attestiert. Sie verstehe Russland und dessen Präsidenten Wladimir Putin aufgrund ihrer russischen Sprachkenntnisse zwar besser als US-Präsident Barack Obama, "aber sie hat ihre eigenen Vorurteile gegen Russland. Obwohl Deutschland einer der Schlüsselstaaten im Westen ist, steht Merkel unter extrem starkem Einfluss der amerikanischen Regierung", so Jakunin im Interview mit der Wochenzeitung "Die Zeit". Und weiter: "Dem Westen fehlt es an starken Führungspersönlichkeiten."

Vor allem die Haltung des Westens gegenüber Russland im Konflikt mit der Ukraine kritisiert der Putin-Vertraute ganz offen: "Wir empfinden es als Beleidigung, wenn der Westen uns unterstellt, dass wir das Land gezielt spalten wollten, um nationale Interessen durchzusetzen." Russland habe keinen Masterplan für die Krim oder die Ostukraine. "Russland hat kein Bestreben die Ostukraine aufzunehmen". "Wenigsten nicht jetzt", schränkte Jakunin ein.

Im Westen lebt ein "vulgärer Ethno-Faschismus"

Jakunin zu Beginn der Europa-Konferenz des Deutsch-Russischen Forums in Berlin.
Jakunin zu Beginn der Europa-Konferenz des Deutsch-Russischen Forums in Berlin.(Foto: dpa)

Erst vor einer Woche hatte Jakunin im Ukraine-Konflikt den Westen scharf angegriffen. Auf Druck der USA werde versucht, Russland westliche Werte aufzudrücken. Im Westen sei ein "vulgärer Ethno-Faschismus" wieder in Mode, sagte Jakunin er bei einer Tagung in Berlin. Der Eisenbahn-Chef, dem die Opposition in Moskau Korruption im großen Stil vorwirft und der seit Ende April nicht mehr in die USA einreisen darf, nutzte seinen Auftritt auch für einen Feldzug gegen die Gleichstellung von Schwulen und Lesben. Das Wohlergehen Europas hänge stark davon ab, ob der Westen auf Dialog setze oder nach der Pfeife der USA tanze, meinte Jakunin. Die Sichtweise, alles Gute komme aus dem Westen, alles Böse aus dem Osten, sei gefährlich.

Jakunin hatte auch den Sieg der österreichischen Travestiekünstlerin Conchita Wurst beim Eurovision Song Contest als Ausdruck eines moralischen Verfalls im Westen bezeichnet. Jene Russen, die beim TV-Voting für Wurst stimmten, attestierte er eine "abnormale Psychologie".

Der Leiter des mitveranstaltenden Deutsch-Russischen Forums, Brandenburgs Ex-Ministerpräsident Matthias Platzeck, wies Jakunins abwertende Aussagen zu gleichgeschlechtlichen Beziehungen zurück. Das russische Homosexuellen-Gesetz nage an den Grundlagen des menschlichen Zusammenhalts, sagte der frühere SPD-Chef. Russland solle im Ukraine-Konflikt auch Selbstkritik üben, um einen Neustart der Beziehungen zu ermöglichen. Die Gespräche mit Russland müssten aber fortgesetzt werden: "Jedes gesprochene Wort ist besser als jeder Schuss oder jeder weitere Tote", sagte Platzeck.

Quelle: n-tv.de

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