Politik
Auch Putin kann Rosengarten
Auch Putin kann Rosengarten(Foto: REUTERS)

Syrien-Konflikt bietet "alle Zutaten für einen Weltkrieg": Putin will bei G20 doch mit Obama reden

Noch vor wenigen Tagen heißt es in Moskau: Ein Treffen von US-Präsident Obama und Russlands Präsident Putin am Rande des G20-Gipfels sei "nicht geplant". Dann vollzieht Obama seine Kehrtwende und jetzt scheint wieder alles möglich zu sein.

Der russische Präsident Wladimir Putin will sich beim G20-Treffen am kommenden Donnerstag und Freitag in Sankt Petersburg mit US-Präsident Barack Obama treffen. Das teilte der Kreml mit. Eine Bestätigung aus dem Weißen Haus steht noch aus. Er werde seinem Kollegen Obama sagen, "dass wir uns bald in Sankt Petersburg treffen", ließ der Gipfelgastgeber über die staatlichen Medien vermelden. "Natürlich kann G-20 nicht den UN-Sicherheitsrat ersetzen, der allein über einen Militäreinsatz in Syrien entscheiden kann. Aber es ist ein guter Platz, um das Problem zu besprechen. Warum sollten wir die Gelegenheit nicht nutzen?"

Obama lässt sich bei der Ansprache von seinem Vize Joe Biden flankieren.
Obama lässt sich bei der Ansprache von seinem Vize Joe Biden flankieren.(Foto: AP)

Noch am vergangenen Freitag hieß es aus Moskau, dass ein Treffen Obama und Putin am Rande des Gipfels "nicht geplant" sei. Nachdem Obama am Wochenende verkündete, vor einem Militärschlag in Syrien erst seinen Kongress zu befragen, sieht Moskau offenbar wieder mehr Spielraum für die Diplomatie.

Auch Merkel will über Syrien reden

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte angekündigt, in Sankt Petersburg "eine Reihe von Gesprächen zu Syrien führen", sagte ihr Sprecher Steffen Seibert in Berlin. Ziel sei eine "klare internationale Antwort" auf den "nicht hinzunehmenden Bruch der internationalen Chemiewaffenkonvention".

Allerdings hatte Putin noch am Wochenende die angeblichen US-Beweise, Syriens Machthaber Baschar al-Assad habe mit dem Nervengas Sarin mehr als 1400 Aufständische und Zivilisten getötet, als "völligen Unsinn" bezeichnet. Das letzte Treffen Putins und Obamas liegt zehn Wochen zurück. Nach ihrem Vier-Augen-Gespräch am Rande des G-8-Gipfels in Nordirland waren sich beide nur darin einig, dass sie in ihren Ansichten weit auseinander lägen. Unklar ist auch, Obama Putin tatsächlich zu einem Zweier-Gespräch treffen will.

Syrien sucht den Schutz der UN

Derweil versucht die syrische Regierung mit allen Mitteln, sich vor einem möglichen Militärschlag durch die USA zu schützen. Der syrische Botschafter in New York, Baschar al-Dschaafari, forderte die Vereinten Nationen auf, sich schützend vor sein Land zustellen. In einem Brief an UN-Generalsekretär Ban Ki Moon schrieb Dschaafari, dass dieser die Verantwortung dafür trage, dass Syrien nicht angegriffen werde, und dass mehr Anstrengungen für eine politische Lösung des Konflikts unternommen würden.

Er wiederholte, die syrische Führung habe im Kampf gegen die Rebellen kein Giftgas eingesetzt. Entsprechende Behauptungen von US-Außenminister John Kerry stützten sich auf "alte, von Terroristen fabrizierte Geschichten". Die staatliche Nachrichtenagentur Sana meldete, einen identischen Brief habe auch die amtierende Präsidentin des Weltsicherheitsrates, Maria Cristina Perceval, erhalten.

Mahnende Worte aus dem Vatikan

Auch der Vatikan warnte vor den Folgen einer militärischen Intervention in Syrien. "Der Konflikt enthält alle Zutaten, um in einem Weltkrieg zu explodieren", sagte Mario Toso, Sekretär des Päpstlichen Rates für Gerechtigkeit und Frieden, Radio Vatikan. "Der Lösungsweg für die Probleme in Syrien kann nicht die bewaffnete Intervention sein", betonte er. Die Gewalt wird dadurch nicht weniger. Es gibt im Gegenteil das Risiko, dass sich der Konflikt entzündet und auf andere Länder ausweitet." Papst Franziskus hatte erst am Sonntag mit eindringlichen Worten ein Ende der Gewalt in Syrien gefordert.

Hacker attackieren US-Marines

Unterdessen haben es syrische Hacker auf die Internetseite der US-Marines abgesehen und die Rekrutierungs-Website angegriffen. Die Unterstützer von Präsident Assad riefen dazu auf, sich einem möglichen Angriffsbefehl von Präsident Obama gegen Syrien zu widersetzen. "Obama ist ein Verräter, der eure Leben in Gefahr bringen will, um Al-Kaida-Kämpfer zu unterstützen", erklärte die "Elektronische Armee Syriens" auf der Website, die am Morgen bereits aus dem Netz genommen war. Die Hacker luden die Marines ein, stattdessen an der Seite Assads zu kämpfen. Die "Elektronische Armee Syriens" hatte in den vergangenen Wochen unter anderem bereits die "New York Times" und "Twitter" gehackt.

Bilderserie

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen