Politik
Sergej Aksjonow (2.v.l.) ist der neue wichtige Mann auf der Krim. Seit seinem Amtsantritt setzt er sich für einen Anschluss der autonomen Republik an Russland an.
Sergej Aksjonow (2.v.l.) ist der neue wichtige Mann auf der Krim. Seit seinem Amtsantritt setzt er sich für einen Anschluss der autonomen Republik an Russland an.(Foto: picture alliance / dpa)

Der kuriose Aufstieg Aksjonows: Putins Handlanger auf der Krim

Von Christian Rothenberg

Jahrelang ist er Hinterbänkler einer prorussischen Splitterpartei, dann wird Sergej Aksjonow plötzlich Ministerpräsident der Krim. Der Mann an der Spitze der umkämpften Halbinsel ist ebenso zwielichtig wie sein Weg an die Spitze.

Sergej Aksjonow ist zuversichtlich, dass die Krise auf der Krim bald endet. Er sei optimistisch, das ließ der neue Regierungschef der Halbinsel kürzlich verlauten, dass man im Mai wie gewohnt die Touristensaison eröffnen könne. Um nicht unnötig Zeit zu verlieren, will er nicht wie ursprünglich geplant Ende Mai, sondern schon am 16. März über eine Anbindung der Krim an Russland abstimmen lassen. Der entsprechende Beschluss ist allerdings längst gefallen.

Plötzlich wichtig - auf keinen anderen Politiker in der Ukraine passt diese Zuschreibung zurzeit so gut wie auf Aksjonow. Bis vor ein paar Wochen war er einer von drei Abgeordneten einer Splitterpartei im Regionalparlament der Krim in Simferopol. Mit mageren vier Prozent gelang seiner Partei "Russische Einheit" 2010 der Sprung in den Obersten Rat. Doch inmitten der politischen Turbulenzen legt der 41-Jährige zurzeit einen kometenhaften, wenn auch dubiosen Karrieresprung hin.

Die Gunst der Stunde

Ein Rückblick: Ende Februar wurde das Krim-Parlament von Bewaffneten besetzt. Die Männer trugen Uniformen ohne Abzeichen, es waren wohl prorussische Einheiten. Kurz nach ihrer Ankunft wechselten sie die ukrainische Flagge auf dem Dach des Gebäudes gegen eine russische aus. Am selben Tag setzte das Parlament der autonomen Republik die Regionalregierung unter dem bisherigen Premier Anatolij Mohiljow, einem Politiker aus Wiktor Janukowitschs Partei der Regionen, ab. Obwohl es formal eigentlich Kiew zusteht, den Ministerpräsidenten der Krim zu benennen, wählten die Abgeordneten Aksjonow in einer nicht-öffentlichen Sitzung mit 53 von 100 Stimmen zum neuen Krim-Chef. Einen anderen Kandidaten gab es offenbar gar nicht.

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Kam Aksjonow nur mit Hilfe der moskautreuen Milizen an die Macht? Wie genau der Mann mit dem grauen Bürstenhaarschnitt es innerhalb so kurzer Zeit an die Spitze schaffen konnte, ist unklar. Aber kaum war Aksjonow im Amt ordnete er sich alle Sicherheitsbehörden unter und ließ sich zum militärischen Oberbefehlshaber ernennen.

Aksjonow wurde 1972 in der damaligen Sowjetrepublik Moldawien geboren. Danach durchlief er eine Ausbildung an der Militärschule für Politoffiziere in Simferopol. Anschließend arbeitete er als stellvertretender Direktor für verschiedene Unternehmen vor allem in der Lebensmittelbranche. Über die Zeit bis zu seinem Eintritt in die Politik im Jahr 2008 ranken sich viele Gerüchte. In Polizeikreisen soll er unter dem Spitznahmen "Goblin" bekannt gewesen sein. Aksjonow soll Gewaltverbrechen in Auftrag gegeben haben. Als er einmal gegen die Vorwürfe klagte, verlor er. Eine Straftat wurde ihm allerdings nie nachgewiesen.

Verhaftung - fast ausgeschlossen

In der Ukraine wirft man dem neuen Premier Kontakte zur Mafia, aber auch nach Moskau vor. Viele zählen seine Partei "Russische Einheit" zu jenen prorussischen Gruppen, die mit finanzieller Unterstützung des Kreml für einen Anschluss der Krim an Russland kämpfen. Für Aksjonows russlandfreundliche Ausrichtung sprechen auch dessen erste Amtshandlungen. Zunächst erklärte er, Janukowitsch bleibe im Amt und man werde seinen Anweisungen weiter Folge leisten. Kurze Zeit später bat er Russlands Präsident Wladimir Putin, für "Frieden und Ordnung" zu sorgen. Daraufhin besetzten russische Truppen die Krim.

Nur eine Woche nach seinem Amtsantritt stimmt das Parlament unter Aksjonows Führung nun für einen Beitritt zu Russland. Die Unterstützung Putins ist dem neuen Regierungschef gewiss. "Die Krim ist für die meisten Russen aus historischen und sprachlich-ethnischen Gründen immer noch russisches Gebiet", sagt der Osteuropaexperte Franz Preissler. "Mit einer Heimholung der Krim will Putin in die Geschichte eingehen." Die Sowjetunion hatte die Halbinsel 1954 der Ukraine geschenkt.

So sehr Krim und Ukraine in diesen Tagen auch auseinanderdriften: Eine Gemeinsamkeit gibt es. Während viele Bewohner der autonomen Republik die neue Übergangsregierung in Kiew nicht anerkennen, hält der ukrainische Premier Arseni Jazenjuk die neue Krim-Führung für illegitim. Die ukrainische Justiz ordnete sogar die Verhaftung von Aksjonow an. Dieser habe mit seinen Schritten zur Abspaltung gegen die Verfassung verstoßen. Eine Festnahme ist jedoch unwahrscheinlich. Auf der umkämpften Krim hat das ukrainische Militär die Kontrolle längst verloren und die Zustimmung zum Kurs des neuen Premiers ist hoch. 60 Prozent der Bewohner sind ethnische Russen. Im Hinblick auf das Referendum kann Aksjonow also zuversichtlich sein. Sollten die Krimer in der kommenden Woche für den Anschluss an Russland stimmen, ist seine Mission erfüllt. Dann kehrt möglicherweise wieder Ruhe ein - und im Mai kommen die Touristen.

Halbinsel Krim
Halbinsel Krim(Foto: stepmap.de)

Quelle: n-tv.de

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