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Igor Girkin alias "Der Schütze": "Die Volkswehr musste die Abgeordneten einsammeln, um sie in den Plenarsaal des Regionalparlaments reinzutreiben."
Igor Girkin alias "Der Schütze": "Die Volkswehr musste die Abgeordneten einsammeln, um sie in den Plenarsaal des Regionalparlaments reinzutreiben."(Foto: AP)

Referendum als Farce: Putins "Schütze" entlarvt Krim-Separatisten

Von Issio Ehrich

Einst war er ein Star der Separatisten in der Ostukraine. Igor Girkin galt als Russlands bedeutendster "kleiner grüner Mann". Jetzt stellt ausgerechnet er Moskaus Erzählung von einem demokratischen Weg der Krim ins russische Reich infrage.

Igor Girkin schüttelt den Kopf, er lacht und lehnt sich weit in seinem Stuhl zurück. "Absoluter Unsinn" sei das, was sein Gesprächspartner da gerade gesagt hat. Das zeigt Girkin nicht nur mit seiner Körpersprache, das macht er auch mit Worten deutlich: "Absoluter Unsinn." Überhaupt nichts sei dran an der Erzählung, dass die ukrainische Armee, die Polizei oder die Behörden auf der Krim die "Sehnsucht der Menschen, mit Russland wieder vereint zu sein", unterstützt hätten.

Girkin, einer der mutmaßlichen Strippenzieher bei der Annexion der Krim durch Russland, überrascht mit gänzlich neuen Tönen. In einem Interview der Talkshow "Polit-Ring" bei NeuroMirTV entlarvt er das Referendum auf der Krim und die anschließende Annexion der Schwarzmeerhalbinsel geradezu als Farce.

Girkin hatte eigenen Angaben zufolge während der Vorbereitungen und dann auch während des Referendums auf der Krim das Kommando über die "Volkswehr". In der Talkshow sagte er nun: "Ich habe leider überhaupt keine Unterstützung durch offizielle Regierungsvertreter in Simferopol gesehen, wo ich mich befand. Die Volkswehr musste die Abgeordneten einsammeln, um sie in den Plenarsaal des Regionalparlaments reinzutreiben, damit sie die Gesetze verabschiedeten." Damit widerspricht Girkin grundlegend der Erzählung Moskaus. Der Kreml hatte stets behauptet, die Abgeordneten hätten aus eigener Überzeugung dafür gestimmt, das Referendum durchzuführen. Abgeordete "reintreiben" klingt aber nach vielem, nicht nach einem freien demokratischen Akt.

Ein Star der hybriden Kriegsführung

Sehr deutlich zeichnet Girkin nach, dass Moskau eine maßgebliche Rolle bei den Geschehnissen im vergangenen Frühjahr spielte. "Der einzige Faktor, der im Donbass und in Luhansk fehlte und der auf der Krim vorhanden war, war die Präsenz russischer Truppen, welche die Position der Volksmassen eindeutig unterstützten." Er fügte hinzu: "Hätte es diese Unterstützung in den anderen Regionen gegeben (gemeint sind das Donbass und Luhansk in der Ostukraine, Anm. d. Red.), hätte es genauso einen unblutigen überwältigenden Sieg gegeben wie auf der Krim."

Dass ausgerechnet Girkin Moskaus Erzählung der Krim-Annexion derart konterkariert, ist ein aufsehenerregender Akt. Girkin, der nach Einschätzung der EU ein russischer Geheimagent ist, galt als einer der bedeutendsten "kleinen grünen Männer" (russische Soldaten ohne Hoheitsabzeichen) in der Ukraine. Er war eine Schlüsselfigur in Moskaus hybrider Kriegsführung. Erstmals trat er auf der Krim als Berater der abtrünnigen Kräfte in Erscheinung. Er nannte sich damals Igor Strelkow, Kampfname "Strelok" (der Schütze). Nach der erfolgreichen Annexion siedelte er in die Ostukraine über. Dort führte er zunächst die Milizen an, übernahm dann den Posten des Verteidigungsministers der "Volksrepublik Donezk". Zeitweise sorgte er für derart großes Aufsehen, dass sein Name öfter im Radio zu hören war als der des russischen Präsidenten Wladimir Putin. Bis zu seinem Rücktritt von allen Ämtern im August - die Gründe dafür sind nicht geklärt - galt er unter den Separatisten als Star.

Quelle: n-tv.de

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