Politik
Führungsfiguren in der Ostukraine: Puschilin (l.) und Strelkow.
Führungsfiguren in der Ostukraine: Puschilin (l.) und Strelkow.(Foto: © Pochuyev Mikhail/ITAR-TASS Ph)

Wer herrscht in der Ostukraine?: Putins verwegene Männer

Von Issio Ehrich

Ein rechtsradikaler Boxer, ein Geheimagent, der gerne Krieg spielt - die Männer, die Donezk und Lugansk regieren, sind bizarre Gestalten. Eines haben sie gemeinsam: Das Vertrauen des russischen Präsidenten.

Vier Männer dominieren die Politik im Osten der Ukraine. Sie heißen: Gubarew, Puschilin, Bolotow und Strelkow. Noch ächtet Kiew sie. Nach den Volksbefragungen in Donezk und Lugansk wird sich die Führung der Ukraine aber nicht mehr lange gegen Gespräche mit ihnen sträuben können. Der Ruf nach einem "Runden Tisch" mit allen Konfliktparteien ertönt immer lauter. Schließlich könnten Gespräche mit ihnen die letzte Chance sein, einen Zerfall der Ukraine zu verhindern. Wer sind diese Männer?

Pawel Gubarew
Pawel Gubarew(Foto: REUTERS)
Der rechtsradikale Boxer

Als die Ukrainer auf dem Maidan protestierten, war Pawel Gubarew noch der Chef einer Werbeagentur, der in seiner Freizeit gern boxte. Politisch fiel er nicht auf. Bei einem genaueren Blick ist die Biografie des Mannes, der sich jetzt "Volksgouverneur" der Region Donezk nennt, aber alles andere als unpolitisch. Der 31-Jährige war nach seinem Geschichtsstudium lange Mitglied der anti-westlichen Sozialistischen Partei der Ukraine. Nach Angaben der "Süddeutschen Zeitung" gehört er seit 2002 der rechtsradikalen Gruppe "Russische Nationale Einheit" (RNE) an, die der Kreml mitunter gezielt nutzt, um eigene Interessen in der Ukraine zu vertreten. Und so verwundert es kaum, dass Gubarew jetzt lautstark den Anschluss von Donezk an die Russische Föderation fordert.

Denis Puschelin
Denis Puschelin(Foto: REUTERS)
Mr. Schneeball

Denis Puschilin ist Gubarews Stellvertreter. Er selbst nennt sich "Ko-Präsident". In sein Amt gelangte er ähnlich überraschend wie sein Chef. Auch der 33-Jährige war in der Werbebranche tätig. Zuletzt arbeitete er für die Firma MMM, die mit einem Schneeballsystem in den 1990er Jahren die Ersparnisse von Millionen Russen vernichtete.

Puschilin unterhält enge Kontakte zum Kreml, bestreitet aber, dass die russische Führung ihn eingesetzt hat. Wie er seinen neuen politischen Posten stattdessen erhalten haben will, hat er der "Welt" in einem Interview erklärt: Bei den ersten prorussichen Protesten in Donezk sei er nur als Fahnenträger dabei gewesen. "Dann habe ich einmal geredet und das hat den Menschen gefallen. Außerdem kann ich gut organisieren." Als er die Zustimmung der Bürger spürte, habe er sich vor dieser Verantwortung nicht drücken wollen. In dem Interview sagte er auch, wie er sich die Zukunft seiner Heimat vorstellt: "Mein Traum ist ein großer slawischer Staat."

Valery Bolotow (m.)
Valery Bolotow (m.)(Foto: REUTERS)
Der Mann für den totalen Krieg

Valery Bolotow fällt vor allem durch seine martialische Sprache auf. Gelernt hat der selbsternannte "Volksgouverneur" der Region Lugansk diese wohl kaum in seinem Studium. Der 42-Jährige ließ sich zum Ökonom und Ingenieur ausbilden. Sie stammt wohl eher aus der Zeit, als er als Sowjet-Falschschirmjäger um die umstrittene Region Berg-Karabach kämpfte. Bolotov benutzt gern Ausdrücke wie "die totale Mobilisierung aller Männer". Er erklärt Kiew den Krieg und fordert "Strafen nach Kriegsrecht" für all die "Volksverräter", die sich ihm widersetzen. Bevor Bolotow seinen Posten als Volksgouverneur aufnahm, befand er sich im Ruhestand. Nach Angaben der EU erhielt er illegale Waffenlieferungen von Russland.

Igor Strelkow (r.)
Igor Strelkow (r.)
Geheimagent mit Spieltrieb

Für Igor Strelkow ist Krieg nicht nur Beruf, sondern auch Hobby. Der 43 Jahre alte Kommandeur der prorussischen Milizen in der Donbass-Region (Donezk und Lugansk) ist ein Fan sogenannter Reenactments, dem Versuch, historische Schlachten nachzustellen. Im Internet kursieren Bilder von Strelkow als römischer Legionär und in der Uniform russischer Freiwilligenarmeen aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg.

Dabei scheint sein Leben eigentlich schon kriegerisch genug zu verlaufen. Als Geschichtsstudent trat er früh in die Sowjetarmee ein. Nach dem Zusammenbruch des Reiches kämpfte er unter anderem im Bosnienkrieg und im zweiten Tschetschenienkrieg. Vielleicht dienen die Reenactments aber auch dem Training. Igor Strelkow heißt in Wirklichkeit Igor Girkin und ist kein Ukrainer, sondern ein Russe. Davon gehen zumindest westliche Geheimdienstexperten aus. Demnach ist der Hauptwohnsitz Strelkows Moskau, sein Arbeitgeber der russische Militärgeheimdienst GRU. Und er ist nicht nur Herr über alle "Selbstverteidigungs-Truppen" in der Donbass-Region, sondern auch Berater der selbsternannten Krim-Führung. Strelkow bestreitet es, doch er gilt als einer der "kleinen Grünen Männer", die ausgestattet mit einem Auftrag aus Moskau die Unruhen in der Ukraine angestachelt haben sollen.

Abgesehen davon, dass sie bizarre Persönlichkeiten sind, haben diese verwegenen Vier nur wenige Dinge gemeinsam. Da ist zum einen, dass sie längst auf der Sanktionsliste der Europäischen Union stehen. Und zum Anderen: Putin verlor noch kein kritisches Wort über sie. Die Volksabstimmungen, die sie angezettelt und durchgeführt haben, erkennt der russische Präsident als "Ausdruck des Willens der Bevölkerung der Regionen" an. Und jetzt ist es der Kreml, der am lautesten danach ruft, die Separatisten zu Gesprächen einzuladen.

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Quelle: n-tv.de

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