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Bundesvorstand Bernd Lucke will mit seinem Anti-Euro-Kurs in den Bundestag einziehen.
Bundesvorstand Bernd Lucke will mit seinem Anti-Euro-Kurs in den Bundestag einziehen.(Foto: picture alliance / dpa)

Eine "Alternative für Deutschland"?: Raus aus dem Euro, rein in den Bundestag

Von Anita Schneider

Südstaaten raus aus dem Euro! Keine Hilfsgelder oder Rettungsschirme! Entlastung der Steuerzahler! Die Forderungen der Partei "Alternative für Deutschland" sind radikal. Experten warnen - und die FDP hat Grund zur Nervosität.

Vor allem die FDP dürfte mit einigem Unbehagen auf den Wahlkampf der neuen Partei "Alternative für Deutschland" blicken. Denn in den Umfragen liegt die AfD zwar konstant unter 5 Prozent. Doch die Demoskopen räumen durchaus ein, dass die erst wenige Monate alte Partei den Sprung in den Bundestag schaffen kann.

"Unser Problem ist: Ein Teil dieser Wähler lässt sich von Meinungsforschern gar nicht erst befragen, weil wir in deren Augen zur Manipulationsmaschine aus Politik und Medien dazu gehören", sagt Manfred Güllner, der Chef des Meinungsforschungsinstituts Forsa. Zwischen Güllner und der AfD entwickelte sich gar ein Streit darüber, ob die Zahlen korrekt sind. Güllner erwirkte eine einstweilige Verfügung gegen AfD-Chef Bernd Lucke. Der darf nun nicht mehr behaupten, dass seine Partei in den Forsa-Rohdaten deutlich über der Fünf-Prozent-Hürde liege.

Eines ist klar: Ist die AfD im Parlament, reicht es nicht für Schwarz-Gelb. Am wahrscheinlichsten ist dann eine Große Koalition. Denn eine "Bahamas-Koalition", ein Bündnis von Union, FDP und AfD, ist angesichts der Differenzen so gut wie ausgeschlossen.

"Keine Vergemeinschaftung von Schulden"

Zumal Parteichef Lucke die Politiker insgesamt heftig attackiert. "Sie haben sich von den Banken einreden lassen, dass wir Griechenland und die anderen Staaten retten müssen und zwar mit den Steuergeldern", sagte er n-tv.de. Dabei habe die politische Elite die richtige Lösung übersehen: "Die südeuropäischen Staaten müssen aus dem Euro ausscheiden, weil sie mit der Wettbewerbsfähigkeit nicht mithalten können. Die verbleibenden Länder in der Eurozone brauchen zudem eine Vertragsänderung. Es muss festgehalten werden, dass es keine Vergemeinschaftung von Schulden mehr gibt."

Die Zukunft würde also nach dem Szenario von AfD wie folgt aussehen: Die südeuropäischen Länder können durch die Wiedereinführung von Escudo, Drachme und Co. ihre Währungen massiv abwerten. Die Produkte werden auf dem Weltmarkt günstiger und die Nachfrage steigt. Export- und Steuereinnahmen sprudeln, Firmen stellen mehr Leute ein, die Wirtschaft floriert und die südeuropäischen Länder lösen ihre Schuldenprobleme.

"Es droht ein wirtschaftlicher Kollaps"

Marcel Fratzscher - Leiter des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung - sieht den Anti-Euro-Kurs skeptisch.
Marcel Fratzscher - Leiter des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung - sieht den Anti-Euro-Kurs skeptisch.(Foto: picture alliance / dpa)

Klingt paradiesisch, doch unter Ökonomen ist der Plan umstritten. Marcel Fratzscher - Leiter des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) - ist überzeugt, ein Austritt der südeuropäischen Länder würde letztendlich allen schaden. Gegenüber n-tv.de erklärt er: "Unter diesem Szenario müssten die Austrittsländer sehr wahrscheinlich mit einem kompletten wirtschaftlichen Kollaps rechnen. Viele private Unternehmen könnten, nach einer Abwertung der neuen Währung, ihre Schulden in Euro nicht mehr  zurückzahlen. Viele deutsche Institutionen und Banken hätten riesige Verluste, was sich wiederum negativ auf die Wirtschaft auswirken würde."

In einem Punkt gibt Fratzscher der AfD allerdings recht: Die südeuropäischen Länder müssen für ihre Wettbewerbsfähigkeit kämpfen. Allerdings schlägt er andere Lösungen vor: "Strukturreformen müssen zu mehr Produktivität führen, und Preise und Löhne müssen sinken, dadurch werden auch die Produkte auf dem Weltmarkt günstiger und die Exporte steigen. Das wird auch die Investitionen in diese Länder weiter stärken und der Wirtschaft positive Impulse geben."

"Deutschland profitiert vom Euro"

Die derzeitigen Risiken der Eurokrise seien auch für Deutschland beträchtlich, aber hinsichtlich der Vorteile durchaus gerechtfertigt. Denn Deutschland, so Fratzscher, profitiere vom Euro: "Zum einen ist das Wirtschaftswachstum in Deutschland stark vom internationalen Handel abhängig. Fast 40 Prozent der deutschen Exporte gehen an die Länder der Eurozone. Wechselkursrisiken, die oft teuer abgesichert werden müssen, fallen komplett weg. Zum anderen profitieren Unternehmen und Privatpersonen vom integrierten Finanzsystem. Die Konkurrenz auf dem Finanzmarkt steigt und die Finanzprodukte für die Kunden werden vielfältiger und günstiger. Ganz entscheidend ist allerdings auch die globale Macht der Währungsunion. Ein gemeinsames Europa kann Interessen bei anderen Weltmächten viel besser vertreten, als ein Land alleine."

Statt einer kleinen Eurozone ohne Südstaaten glaubt Fratzscher an andere Lösungen, wie die europäische Bankenunion, eiserne Haushaltsdisziplin und Strukturreformen der Schuldenstaaten.

44 Prozent ohne Vertrauen in den Euro

Die AfD bleibt, trotz Gegenargumenten, von ihrem harten Kurs überzeugt. Risiken eines wirtschaftlichen Kollapses sieht Bundesvorstand Lucke nicht. Er ist überzeugt, mit seinem Kurs gegen den Euro auch auf gutem Kurs Richtung Bundestag zu sein. Wohl auch deswegen, weil viele Deutsche ebenfalls an der Gemeinschaftswährung zweifeln.

Nach einer aktuellen Umfrage für das französische Meinungsforschungsinstitut IFOP ist die Stimmung hierzulande im Vergleich zu anderen europäischen Staaten zwar durchaus optimistisch. Dennoch haben 44 Prozent der Deutschen kein Vertrauen in den Euro. Wenn nur ein Viertel von ihnen am Sonntag AfD wählt, landet die FDP in der Opposition.

Quelle: n-tv.de

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